FC Gießen

FC Gießen: Lieber gesund absteigen...

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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...als zugrunde gehen: Ein Kommentar zur Situation des heimischen Fußball-Regionalligisten FC Gießen.

Das Schicksal des FC Gießen hängt derzeit von Markus Haupt ab. Der kommissarische Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten versucht, das Geld aufzutreiben, das eingeplant war, aber nicht da ist.

"Wir arbeiten daran, bis zum 30. Juni auf finanziell festen Füßen zu stehen." Haupt hat ein sechsköpfiges Team zusammengestellt, das Gespräche mit neuen Investoren führt – und ist zudem bemüht, Ordnung reinzubringen. "Alles kommt auf den Prüfstand. Denn irgendwie sind wir ja in diese Lage gekommen." Eine Lage, in der es zur Normalität geworden ist, dass Gehälter überhaupt nicht oder stark verspätet ausgezahlt werden.

Eine neue Führung mit Haupt an der Spitze bietet viele Chancen

Jörg Fischer hat den FC Gießen hervorgebracht und große Verdienste – eine neue Führung auf mehreren Ebenen mit Haupt an der Spitze aber scheint notwendig und bietet viele Chancen.

Mehr Transparenz: Situationen wie die, dass die Sportstiftung Hessen nach dem Benefizspiel gegen Eintracht Frankfurt nunmehr fast drei Monate vertröstet wird und auf den Erlös warten muss, sind unhaltbar.

Mehr Vernunft:  Anstatt einen überteuerten 28-Mann-Kader zusammenzustellen und noch vor der Winterpause zu merken, dass das Geld nicht ausreicht, sollte behutsamer und solider geplant werden.

Mehr Bescheidenheit: Anstatt utopisch die 3. Liga als Vision auszugeben, sollte ein Fundament geschaffen werden, auf dem dauerhafter Regionalliga-Fußball ohne Abhängigkeit von einem einzigen Investor denkbar ist.

Man sollte der Mannschaft ein ehrliches Angebot machen

Während die alte Führung zu stolz war, um Fehler einzuräumen, sollte die neue Führung konsequenter und ehrlicher handeln. Getreu dem Motto: Lieber ein Rückschritt als das Ende. Anstatt die Mannschaft Monat für Monat wochenlang mit Zahlungsverzögerungen hinzuhalten, sollte man ihr ein ehrliches Angebot machen: Wer im Januar gehen will, kann gehen. Wer bleibt, verzichtet auf Gehalt! Ob das 20, 30 oder 40 Prozent sind – das müssen die verfügbaren Mittel vorgeben.

Den Beweis, dass das Team das wert ist, was es kostet, hat es bislang nicht erbracht. Der Etat übersteigt eine Millionen Euro – die Feierabendfußballer des FK Pirmasens verfügen über weniger als die Hälfte des Budgets und stehen nur zwei Zähler hinter dem FC. Viele Teams mit einem Bruchteil des Etats stehen vor Gießen (bspw. Walldorf, Alzenau).

Der Fortbestand des FC Gießen hat oberste Priorität

Der FC sollte aussortieren, gesunden und notfalls eben den Weg zurück in die Hessenliga gehen. Der Druck wäre geringer, trotzdem noch einiges möglich. Also: Lieber gesunden und absteigen als zugrunde gehen. Mit Samuel Sesay, Sascha Heil, Johannes Hofmann, Nico Rinderknecht, Noah Michel & Co. gibt es genug junge, heimische Spieler, die erneut die Regionalliga in Angriff nehmen könnten.

Auch ein Insolvenzverfahren müsste nicht das Ende bedeuten – davon können die Offenbacher Kickers und Hessen Kassel ein Lied singen.

Mit rund 800 000 Euro Einnahmen durch externe Sponsoren konnte der Verein in dieser Saison planen – schon mit der Hälfte, also 400 000 Euro, würde man zur Hessenliga-Spitze zählen. Warum also nicht kleinere Brötchen backen? Das Sichern des Spielbetriebs und ein anschließender gesunder Neuanfang müssen aktuell das Ziel sein. Allein der Fortbestand des FC Gießen hat Priorität.

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