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FC Gießen

FC Gießen in Haiger: Keine Punkte, dafür Mut gesammelt

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Der FC Gießen verliert das erste Spiel nach der Winterpause der Fußball-Regionalliga Südwest. An den berühmten Kleinigkeiten gilt es nun bis zum Samstag gegen Koblenz zu arbeiten.

Lange nach Schlusspfiff des Derbys in Haiger wurde ein Steinbacher Vereinsmitarbeiter mit der Aussage konfrontiert, dass das heute ja wahrlich nicht die beste Leistung des TSV gewesen sei. Seine Antwort: "Wie willst du gegen Gießen auch gut spielen? Die machen hinten dicht, aber das geht halt extrem zulasten der Offensive."

So ist es - der FC Gießen hat bei der 1:2 (0:2)-Niederlage beim TSV Steinbach Haiger am Samstag ein gutes Auswärtsspiel gezeigt, die Qualität, offensiv zuzustechen, aber vermissen lassen. So sagte Gießens Torhüter Frederic Löhe, der erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte: "Von der guten Leistung können wir uns nichts kaufen. Der einzige Unterschied war die Qualität im Abschluss." Und sein Trainer Daniyel Cimen merkte später hinter der Tribüne am Haarwasen an: "Wir haben in den entscheidenden Momenten die Fehler gemacht, Steinbach nicht."

So ist das also, wenn der Tabellendritte, der auf vier (!) Innenverteidiger verzichten musste, eine Durchschnittsleistung bringt und der Tabellen-15. sich trotz großem Aufwand letztlich vergebens bemüht. "Im Endeffekt", sagte Gießens Christopher Spang, "sind es null Punkte. Wir müssen jetzt nächsten Samstag einfach mal drei Punkte einfahren."

Nach der Auftaktniederlage im ersten Spiel der Fußball-Regionalliga Südwest nach der Winterpause ist der FC Gießen leistungsmäßig zwar gut aus den Startlöchern gekommen, verliert ergebnis- und punktetechnisch aber weiter an Boden - Platz 14, der mit hoher Wahrscheinlichkeit der erste Nichtabstiegsplatz ist, liegt aktuell in weiter Ferne.

Mut macht das Derby trotzdem - denn nur die wenigsten hatten damit gerechnet, dass der FC Gießen in den letzten Minuten mit gleich mehreren Aktionen zum Ausgleich hätte kommen können.

Erst vergab Aykut Öztürk nach einer Ecke mit einem Seitfallschuss aus gut acht Metern freistehend (87.), dann hätte es nach einem Foul an Kevin Pezzoni im TSV-Strafraum durchaus Strafstoß geben können (90.+2). "Ein glasklarer Elfmeter", meinte Trainer Cimen später auf der Pressekonferenz. "Vielleicht wollte der Schiedsrichter keinen zweiten Elfmeter geben", schließlich kam der FC nach 0:2-Rückstand in der 79. Minute nach einem verwandelten Strafstoß von Öztürk auf 1:2 heran.

Zudem setzte der eingewechselte Stürmer Jake Hirst den Ball im Anschluss an die knifflige Elfmeterszene in der Nachspielzeit aus gut 14 Metern freistehend überhastet über das Tor - wer bei einem Aufstiegskandidaten gen Liga drei punkten will, muss solche Chancen nutzen.

So hing vor lediglich 1430 Zuschauern letztlich vieles an den berühmten Kleinigkeiten, die so häufig über Sieg oder Niederlage entscheiden.

An diesen, meinte Gießens Verteidiger Christopher Schadeberg, gelte es nun zu arbeiten: "Wir müssen in den kommenden Wochen einfach immer ein kleines Stück mehr machen als der Gegner und das Glück erzwingen."

Kein Glück hatte Verteidiger Vaclav Koutny, der in der zweiten Hälfte verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Seine Platzwunde am Knöchel wurde noch in Haiger genäht, er fällt am Samstag gegen RW Koblenz (14 Uhr, Waldstadion) definitiv aus.

Das 0:2 war zum "psychologisch brutalen Zeitpunkt" letztlich der Knackpunkt

Zum Spielverlauf: Der FC begann im 4-2-3-1-System mit Neuzugang Kevin Pezzoni und Jure Colak in der zentralen Verteidigung, auf den offensiven Flügeln durften Samir Benamar und Cem Kara agieren, die einzige Sturmspitze bildete Aykut Öztürk.

Gießen fand gut in die Partie, ließ den Ball zirkulieren - und kassierte früh mit der ersten Offensivaktion des TSV das 0:1: Im Strafraum wollte FC-Verteidiger Ricardo Antonaci klären, legte damit allerdings Steinbachs Dennis Wegner den Ball vor, der in Minute sieben cool blieb und FC-Torhüter Löhe tunnelte - 1:0.

Die erste Hälfte war gekennzeichnet von Gießener Ballbesitz und Steinbacher Kontern - der FC hatte zweimal Glück, nicht mit 0:2 in Rückstand zu geraten, hätte selbst aber zweimal stechen können (14., Aykut Öztürk, 30. Johannes Hofmann). Die Partie ließ sich aus Gästesicht gut an - bis kurz vor der Pause, als das ärgerliche 0:2 fiel. Steinbachs Dino Bisanovic kam in der 45. Minute aus 14 Metern nach einem Querpass in den Strafraum völlig frei zum Schuss und schob flach zum 2:0 ein. "Darüber habe ich mich tierisch geärgert, weil es zu einem psychologisch brutal ungünstigen Zeitpunkt gefallen ist", sagte Gießens Cimen. "Das hat man uns in der zweiten Hälfte auch angemerkt."

Das Spiel plätscherte dahin, der TSV hätte zuweilen auf 3:0 erhöhen können, bis Gießens Cem Kara in Minute 82 nach einer Ecke plötzlich gefoult wurde und Öztürk den fälligen Strafrstoß zum 1:2 lässig verwandelte. Spannung kam auf, der FC zu Chancen - aber nicht zum Ausgleich. So hat sich an der kritischen Situation wenig geändert - 13 Spiele stehen noch aus, in denen Gießen sich peu a peu von einem Abstiegsplatz entfernen kann.

TSV Steinbach Haiger: Paterok - Wenninger, Eismann, Hanke, Strujic - Bender, Bisanovic - Wegner (62. Kramer), Lahn (89. Bradara), Hoffmann - Ilhan (70. Bichler).

FC Gießen: Löhe - Antonaci (74. Hirst), Colak, Pezzoni, Koutny (62. Schadeberg) - Hofmann, Spang - Kara (77. Koch), Cecen, Benamar - Öztürk.

Im Stenogramm: Tore: 1:0 (7.) Wegner, 2:0 (45.) Bisanovic, 2:1 (82., Foulelfmeter) Öztürk. - Zuschauer: 1430. - Schiedsrichter: Wlodarczak (Weiterode).

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