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FC Gießen: Großer Umbruch steht an - Und Gerber steigt bei RW Erfurt ein

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Von: Sven Nordmann

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Wo führt der Weg des FC Gießen hin? Diese Frage interessiert nicht nur Franz Gerber (r.), der nur noch als Sportlicher Berater fungiert.
Wo führt der Weg des FC Gießen hin? Diese Frage interessiert nicht nur Franz Gerber (r.), der nur noch als Sportlicher Berater fungiert. © Harald Friedrich

Weitreichende Veränderungen stehen dem FC Gießen bevor. Der Fußball-Regionalligist will sich Anlegern öffnen. Franz Gerber ist zudem nicht mehr Sportlicher Leiter, sondern nur Berater.

Der FC Gießen steht vor einem Umbruch. Der Fußball-Regionalligist möchte eine Kapitalgesellschaft gründen, in die die Profimannschaft ausgegliedert werden soll - »in zwei, drei Wochen«, wie Geschäftsführer Jörg Fischer gestern erklärte. »Das ist der nächste richtige und wichtige Schritt«, sagte Fischer. »Wir wollen uns öffnen für Kapitalanleger, die Anteile erwerben und an den Erlösen partizipieren können. Das ist die Zukunft des FC Gießen.« Noch offen ist, wie viel Prozent veräußert werden sollen - Anteilseigner hätten entsprechendes Mitspracherecht.

Es wäre der nächste Schritt auf dem Weg zur Professionalisierung. Im deutschen Sport ist die Ausgliederung einer Profimannschaft in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nicht selten: Um die finanzielle Last auf mehrere Schultern (Investoren) zu verteilen, die potenziell bis zu 50 Prozent erwerben können - und, um das (Haftungs-)Risiko zu minimieren.

FC Gießen: Markus Haupt soll hauptamtlicher Geschäftsführer werden

Hauptamtlicher Geschäftsführer dieser GmbH & Co. KG soll dem Vernehmen nach Markus Haupt werden, der zuletzt als Teammanager des FC Gießen fungierte. Haupt erklärte: »Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe, freue mich aber sehr darauf.«

Markus Haupt soll hauptamtlicher Geschäftsführer der GmbH & Co. KG werden.
Markus Haupt soll hauptamtlicher Geschäftsführer der GmbH & Co. KG werden. © Peter Froese

Gleichzeitig ist Franz Gerber, der erst im Juni als neuer Sportlicher Leiter vorgestellt wurde, nur noch in beratender Funktion für den FC Gießen tätig. Gerber ist bei Nordost-Regionalligist Rot-Weiß Erfurt selbst als Investor eingestiegen. Mit dem Traditionsverein verhandelte der 65-Jährige schon im Herbst 2018 - damals zerschlug sich die Zusammenarbeit aufgrund der damals drohenden und nun eingetretenen Insolvenz. Trotzdem stand Gerber durchgehend in Kontakt, unter anderem mit dem dortigen Insolvenzverwalter.

Franz Gerber ist Investor in Erfurt und Sportlicher Berater beim FC Gießen

Nun stand Erfurt endgültig vor dem Aus - mit der ASGV Grundbesitz und Verwaltung (Leipzig) fand sich aber ein Hauptinvestor, der 40 Prozent der Anteile übernehmen wollte - Voraussetzung dafür war eine Beteiligung von Gerber. »Ich war in der Bredouille und wollte nicht mitverantworten, dass RW Erfurt kaputtgeht.«

Also stieg die Franz Gerber Sportagentur mit dem Erwerb von 15 Prozent der Anteile ein. Gemeinsam mit einer weiteren Gesellschaft traten die drei Unternehmen über eine Kapitalerhöhung auf eine Million Euro Stammkapital in die RW Erfurt Fußball GmbH ein.

Gerber ist also Investor in Erfurt und zugleich Sportlicher Berater in Gießen. Jörg Fischer stellt klar: »Franz Gerber wird uns mit seinem Fußballfachwissen erhalten bleiben.« Der sportlich starke Mann ist der Ex-Profi aber nun (bis auf Weiteres) nicht mehr. In Erfurt buhlt man zudem um Gerber, der einen festen Posten übernehmen soll. Gerber selbst sagt: »Aktuell ist es eine Schwebesituation. Ich habe ein gutes Verhältnis zu den Verantwortlichen des FC Gießen. Wenn das erste Jahr mit dem Klassenerhalt in der Regionalliga Südwest überstanden werden sollte, hat man sehr, sehr gute Möglichkeiten.«

Gerber: "Jörg kann das nicht alleine stemmen"

Gerber spielt damit unter anderem auf das große Fußball-Interesse in der Stadt an, der Viertligist weist aktuell einen Zuschauerschnitt von 2140 Besuchern auf. Fischer meinte: »Ich bin überzeugt davon, dass die Region Mittelhessen die 3. Liga langfristig betrachtet hergeben würde.«

Auf die Frage, warum Gerber nicht in den FC Gießen investiert habe, sagte er: »Weil man beim FC noch nicht so weit ist und keine ausgegliederte Kapitalgesellschaft hat. Jörg hat den Verein da hingebracht, wo er heute steht, aber er kann das nicht alleine stemmen. Ich muss sehen, wie die weitere Ausrichtung des FC Gießen ist.«

FC Gießen: Außerordentliche Mitgliederversammlung notwendig - wohl noch in diesem Jahr

Seit Wochen arbeite man intensiv an der Gründung einer GmbH & Co. KG, erklärt Fischer. Ein Notar wurde eingeschaltet, der Hessische Fußball-Verband kontaktiert. »In zwei, drei Wochen wollen wir das Ganze finalisieren.« Dazu bedarf es einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, auf der mindestens 75 Prozent der Mitglieder zustimmen.

Die Mitgliederversammlung soll noch in diesem Jahr stattfinden. Fischer: »Das ist eine sehr wichtige Entscheidung für die mittelfristige Zukunft des Vereins. So muss man sich im höherklassigen Bereich aufstellen.« Mit einem potenziell größeren finanziellen Spielraum will sich der FC Gießen in der vierten Liga etablieren.

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