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FC Gießen

Der FC Gießen ist getrieben von sich selbst

Als Reaktion auf den Angriff von Jörg Fischer auf diese Zeitung, stellt die Redaktion einen Rückblick auf drei Ereignisse in der näheren Vergangenheit des FC Gießen zusammen.

In einer in dieser Form seltenen Art und Weise hat der bisherige Geschäftsführer des FC Gießen, Jörg Fischer, diese Zeitung bei seiner Rücktritts-Rede am Samstag angegriffen und ihr vorgeworfen, den Klub bewusst "zum Scheitern zu verurteilen". Im Folgenden geht die Redaktion auf drei von der Regelberichterstattung abweichende Ereignisse ein, die Jörg Fischer in seiner Rede anspricht.

Die Budgetkürzung:  Im Februar 2019 wird bekannt, dass der FC Gießen sein Budget für die kommende Saison 2019/20 um rund 100 000 Euro zurückfährt. Trainer Daniyel Cimen zeigt sich "überrascht" darüber, dass die Mittel beim Aufstieg von Hessen- in Regionalliga zurückgefahren werden. Immerhin waren es die Vereinsverantwortlichen, die öffentlich mit der dritten Liga kokettiert hatten, der Sportliche Leiter Franz Gerber wird später das Langfrist-Ziel "Spitzengruppe in der Regionalliga" ausgeben.

Trainer Cimen stellt klar, dass es "unter diesen Umständen nur um den Klassenerhalt gehen kann" – im Bericht dieser Zeitung plädiert er für eine realistische Einordnung. Jörg Fischer selbst nennt dieser Zeitung die genauen Zahlen und wirft ihr Ende 2019 nun vor: "Wir sind immer wieder getrieben worden."

Das Stoppen der Personalplanungen: Der FC Gießen befindet sich mit großem Vorsprung auf direktem Aufstiegskurs Richtung Regionalliga. Das bisher erfolgreiche sportliche Führungsduo Cimen/Michael Fink (Spieler und Berater) plant den Kader für die neue Saison – im Frühjahr 2019 werden alle personellen Vorschläge für Neuzugänge von der Vereinsführung abgeblockt, über einen Monat lang. Im Hintergrund lotsen Fischer und Co. Franz Gerber als neuen starken Mann nach Gießen, Fink wird ziehen gelassen.

Lesen Sie hier Auszüge der Rücktritts-Rede von Jörg Fischer

Im April und Mai liegen alle Vertragsgespräche auf Eis – wir berichten darüber. Trainer Cimen startet trotz frühem Aufstieg mit zwölf fitten Spielern, die unter Vertrag stehen, in die Saisonvorbereitung. Nun sagt Jörg Fischer: "Wir mussten uns immer wieder mit Negativberichten beschäftigen und konnten uns so gar nicht über den Aufstieg freuen."

Die verspäteten Gehaltszahlungen: Im Oktober 2019 verspäten sich die Zahlungen der Gehälter an die Regionalliga-Mannschaft um rund zwei Wochen. Diese Zeitung erfährt davon, weist Jörg Fischer auf die Kenntnisnahme hin, fragt nach und bekommt vom damaligen Geschäftsführer mitgeteilt, dass es sich um einen Einzelfall handele. Wir belassen es zunächst dabei. Im November warten die Spieler dann bis zum 21. des Monats auf ihr Gehalt, ehe diese Zeitung über den Umstand berichtet. Fischer sagt an diesem Samstag: "Ich bin entsetzt über das Verhalten der Zeitung."

Budgetkürzung, Stop der Personalplanungen und Zahlungsverzögerungen – diese Zeitung berichtet darüber und ist damit aus Sicht von Jörg Fischer hauptverantwortlich für die sportliche und finanzielle Misere. Dabei wurden alle drei Themen aktiv von der Vereinsführung betrieben – Fischer und der FC Gießen sind also getrieben von sich selbst.

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