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Wenn’s einmal läuft... Kevin Nennhuber (rechts) und Christopher Spang feiern mit Damjan Marceta (14) dessen Hattrick gegen Türk Gücü Friedberg.

Fußball-Hessenliga

FC Gießen erteilt Friedberg beim 12:0 eine Lehrstunde

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Was es bewirken kann, wenn Druck von einem Team abfällt, ist am Samstag im Waldstadion zu sehen. Der FC Gießen spielt als Hessenliga-Meister befreit auf und fegt Türk Gücü Friedberg vom Platz.

Dass zweistellige Fußball-Ergebnisse in den unteren Amateurklassen inzwischen keine Seltenheit mehr sind, mag durchaus der Fall sein. Wer dachte, auf der Bühne der Hessenliga seien ähnlich ausufernde Resultate ein Ding der Unmöglichkeit, lag 31 Spieltage lang richtig. Runde 32 bewies das Gegenteil. Der FC Gießen, seit einer Woche schon amtierender Hessenliga-Meister und künftiger Regionalligist, nahm vor eigenem Publikum Türk Gücü Friedberg nach allen Regeln der Kunst auseinander, fegte die nach wie vor um den Klassenerhalt kämpfenden Wetterauer mit sage und schreibe 12:0 (3:0) aus dem Waldstadion und betrieb dabei - ganz im Gegensatz zu den Gästen - beste Werbung in eigener Sache.

"Der Druck war weg und die Spielfreude meiner Mannschaft riesengroß", gab’s für Gießens Coach Daniyel Cimen, der mit Christopher Schadeberg, Timo Cecen und Noah Michel für Johannes Hofmann, Barbaros Koyuncu und Alban Lekaj auf drei Positionen umgestellt hatte, nach 90 einseitigen Minuten keinen Grund zur Klage. Die Mannschaft habe Charakter gezeigt, "obwohl dieses ungewöhnliche Resultat natürlich kein Maßstab für die Regionalliga sein kann. Dort herrschen andere Anforderungen." In diesem Zusammenhang durchaus interessant: Befragt nach einem Vergleich in Sachen Leistungsvermögen mit den künftigen Rhein-Main-Rivalen FSV Frankfurt und Kickers Offenbach stuft der FC-Übungsleiter sein Team "im Idealfall irgendwo dazwischen" ein.

Friedbergs Trainer Gültekin Cagritekin, der den Klub bekanntlich verlassen und beim Gruppenligisten Spvgg. 05 Oberrad eine neue Aufgabe übernehmen wird, tangierten nach der höchsten Niederlage der TG-Vereinsgeschichte verständlicherweise andere Dinge. "Einzelheiten erspare ich mir, denn das wird nicht schön. Was wir geboten haben, hatte mit Hessenliga-Fußball rein gar nichts zu tun", ließ er wissen. Nach diesem in dieser Form nie und nimmer erwarteten Debakel sein Traineramt umgehend zur Verfügung zu stellen, stehe aber nicht zur Debatte: "Ich ziehe das durch. Schließlich sind unsere Chancen, die Hessenliga zu halten, nicht schlechter geworden."

Die Partie an sich bot einen Zwei-Klassen-Unterschied. Anders formuliert: Gießen beherrschte Ball und Gegner ab der ersten Minute nach Belieben, während sich die Türk Gücü-Cracks auf Begleitschutz beschränkten, und zwar stets in gebührendem Abstand. Gießener Treffer fielen folgerichtig wie reife Früchte, wobei allerdings in Halbzeit eins lediglich Damian Marceta (wechselt zum Regionalligisten FC Homburg) seine Vollstrecker-Qualitäten mit einem Hattrick nach Auflagen von Christopher Spang (7.) und Noah Michel (19.) sowie nach einem Eckball von Timo Cecen (22.) bestens zu demonstrieren verstand.

Waren die Friedberger mit dem Drei-Tore-Rückstand zur Pause noch gut bedient, so brach in den zweiten 45 Minuten das Verhängnis vollends über sie herein. Die Defensive, in der Silvio Penava anstelle des privat verhinderten Innenverteidigers Sebastian Bartel (wird den Verein zum Saisonende verlassen) begann, wurde bereits 24 Sekunden nach Wiederanpfiff von Noah Michel (4:0 - 100. FCG-Treffer) überrumpelt und ließ in der Folgezeit Auflösungserscheinungen erkennen. Das nutzten die Platzherren gnadenlos aus und gestalteten den Triumph binnen 18 Minuten mit sechs (!) weiteren Goals durch Cecen, Michel, Barbaros Koyuncu, Julian Duddas Eigentor und zweimal Markus Müller zweistellig (10:0).

Am Ende wurde es ein glattes Dutzend: Ricardo Antonaci per verwandeltem Foulelfmeter (78.) und Erdinc Solak in der Schlussminute beendeten eine Begegnung, an die man in beiden Lagern aus ganz unterschiedlichen Gründen gewiss noch lange denken wird.

FC Gießen: Löhe - Schadeberg, Nennhuber, Spang, Antonaci - Fink, Cecen (75. Korzuschek), Mukasa (67. Koyuncu), Solak - Marceta (58. Müller), Michel.

Türk Gücü Friedberg: Kröller - Takahashi, Penava, Dudda (67. Usic), Aslan - Biber, Tesfaldet, Kohnke (30. Akkus Rodriguez), Gürsoy - Toskovic (70. Miric), Bell Bell.

Im Stenogramm: SR: Simon Wecht (Heppenheim). - Zuschauer: 383. - Tore: 1:0 (7.) Marceta, 2:0 (19.) Marceta, 3:0 (22.) Marceta, 4:0 (46.) Michel, 5:0 (55.) Cecen, 6:0 (58.) Michel, 7:0 (61.) Eigentor Dudda, 8:0 (65.) Müller, 9:0 (69.) Koyuncu, 10:0 (73.) Müller, 11:0 (78.) FE Antonaci, 12:0 (90.) Solak.

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