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Auf Scout Udo Bauer baut Regionalliga-Aufsteiger FC Gießen ebenso nicht mehr wie auf Michael Fink.

FC Gießen

Funktionierendes Team gesprengt

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Der FC Gießen hat sich durch den Abgang von Ex-Profi Michael Fink als Berater im Hintergrund und mit der Installation des Sportlichen Leiters Franz Gerber strukturell neu aufgestellt.

Zusammen mit Fink, der gerne nicht nur als Spieler, sondern auch als Kaderplaner weitergemacht hätte, verließ den Fußball-Regionalligisten auch Scout Udo Bauer. Der 61-jährige Schwabe, der in den Kaderplanungen eingeweiht war, nutzte dabei seine große Erfahrung und sein Fachwissen über die Regionalligen Südwest und Bayern und empfahl dem Verein immer wieder Spieler. So unter anderem Marco Koch, den der FC Gießen vom FSV Frankfurt verpflichtete. Bauer ist hauptberuflich Bauleiter und hobbymäßig Scout. Der frühere Junioren-Nationalspieler arbeitete für Energie Cottbus, den VfB Stuttgart, den FC St. Pauli den FSV Frankfurt. Nach Gießen kam er durch die gemeinsame Zeit mit Michael Fink bei Waldhof Mannheim. Hier äußert er sich zum Abgang von Fink und seiner Person.

Herr Bauer, wie sah Ihr Aufgabengebiet beim FC Gießen genau aus?

Udo Bauer:Ich arbeite hauptamtlich als Bauleiter und betreibe den Job des Scouts hobbymäßig aus Liebe zum Fußball. Ich bin durch den Kontakt zu Michael Fink aus Mannheim gekommen und habe für den FC Gießen Spieler gesichtet. Das Projekt war interessant, Michael Fink und Daniyel Cimen sind mit riesigen Erwartungen in die Saison gegangen. Zusammen mit Markus Haupt (Teambetreuer, der auch endgültige Vertragsgespräche führt, Anm. d. Red.) haben wir ein tolles Team gebildet. Wir haben uns täglich ausgetauscht. Ich bin viel herumgefahren, habe immer wieder Spieler vorgeschlagen. Ich habe den Kontakt hergestellt, Fink und Cimen haben die ersten Gespräche geführt. Marco Koch vom FSV Frankfurt wurde so verpflichtet. Aber seit es in die heiße Phase ging, seit Mitte Mai, wurden alle vorgeschlagenen Spieler von Vereinsseite abgeblockt.

Im Hintergrund reifte bei den Verantwortlichen die Idee, mit Franz Gerber einen neuen Sportlichen Leiter zu installieren?

Bauer:Es ist nicht meine Aufgabe, das zu bewerten. Ich kann nur sagen, dass ich es nicht begreife, wie man ein solch funktionierendes Team sprengen konnte. Die Arbeit von Daniyel und Michael hat in der Aufstiegssaison, denke ich, für sich gesprochen. Sie haben mit großem Ehrgeiz auf die Regionalliga geblickt. Aus meiner Sicht war der nun vollzogene Schnitt ohne Not.

Sie arbeiten hauptberuflich im Baugewerbe und könnten den Abgang vom FC Gießen zügig als eines von vielen Kapiteln im Fußball abhaken. Ist das so?

Bauer:Das stimmt, ich bin nicht darauf angewiesen. Aber es geht auch um Prinzipien und ich habe immer mal wieder auf Zahlungen gewartet. Die Erstattung der Fahrtkosten für Januar habe ich drei Monate später bekommen, die für Februar eineinhalb Monate später. Wir reden hier von rund 1500 Kilometern im Monat. Die Zahlungen für April und Mai sind auch erst nach Androhung gerichtlicher Schritte erfolgt. Es geht mir nicht um das Geld, sondern um das Prinzip. Verbunden mit der Tatsache, dass ab Mitte Mai urplötzlich Sendeschluss war und alle Vorschläge unsererseits abgeblockt wurden, sorgt das bei mir einfach für Kopfschütteln.

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