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Kommentar: Fischers Abtritt beim FC Gießen ähnelt Trump

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Jörg Fischer ist als Geschäftsführer von Fußball-Regionalligist FC Gießen zurückgetreten. Bei seiner Rücktrittsrede hat der 56-Jährige diese Zeitung attackiert. Ressortleiter Ralf Waldschmidt kommentiert.

Soll man nun sachlich auf Jörg Fischers verbales Bad in der VIP-Menge eingehen oder ähnlich populistisch austeilen?

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass der zurückgetretene Geschäftsführer des FC Gießen dieser Zeitung keine falsche Berichterstattung vorhält. Kann er auch nicht – das weiß er besser als jeder andere! Der Vorwurf der gezielten Negativberichterstattung ließe sich bei Auswertung aller seit 2014 veröffentlichten Artikel über den SC Teutonia Watzenborn-Steinberg/FC Gießen sofort entkräften.

Es fällt schwer, der Emotionalität von Fischer auf dem Boden der Sachlichkeit zu begegnen. Einfach mal unseren jungen Kollegen Sven Nordmann öffentlich an den Pranger zu stellen anstatt den Mumm zu haben, sich mit den Entscheidungsträgern – sprich mir als Sportchef oder Chefredakteur Dr. Max Rempel – auseinanderzusetzen, spricht Bände.

Lesen Sie hier Auszüge aus der Rücktrittsrede von Jörg Fischer

In einem Gespräch vor drei Jahren habe ich Jörg Fischer unmissverständlich klar gemacht, in erster Linie der GAZ-Leserschaft und nicht seinem Fußball-Klub verpflichtet zu sein. Seitdem herrscht Funkstille.

Sportredakteur Sven Nordmann ist eben kein Angestellter einer der Fischer-Firmen und lässt sich von daher ebensowenig im Sinne des FC Gießen instrumentalisieren wie diese Zeitung. Die redaktionelle Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, welches Sportleser aus vergangenen, ebenso turbulenten Gießener Fußball-Zeiten zu schätzen wissen.

Lesen Sie hier die Reaktion der Sportredaktion auf den Angriff von Jörg Fischer

Wobei wir bei einem weiteren, vollkommen absurden Aspekt wären. Die wirtschaftlichen Probleme des FC Gießen unserer Berichterstattung anzulasten, ist eine Umkehr von Ursache und Wirkung. Und daraus die Kampfansage gegen die Presse als vierter Gewalt zu formulieren, ist einfach nur TRUMP. Doch damit kann man ja sogar US-Präsident werden.

Was mich als langjährigen Wegbegleiter des Gießener Sportes nun aber wirklich irritiert, ist der Umstand, dass Fischer für diese Sicht der Dinge lang anhalten Beifall bekommen hat.

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