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FC Gießen

FC Gießen: Harter Aufprall in Regionalliga Südwest

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Der FC Gießen ist zum Auftakt der Fußball-Regionalliga Südwest beim Topteam SV Elversberg deutlich unterlegen und zahlt Lehrgeld. Das 1:7 ist hart.

Je näher sich dieser katastrophale Auftakt des FC Gießen dem Ende entgegen neigte, desto häufiger sah man Gießener Spieler mit ausgebreiteten Armen, ungläubig und hilfesuchend. Hätte man die FC-Akteure mit ausgebreiteten Armen nebeneinander gestellt und sich an den Händen halten lassen, hätte die Gießener Vierer- bzw. Fünferkette vermutlich geschlossener verteidigt als sie es so getan hat.

"Es rappelt in der Kiste. Bum, bum, bum", hallte es bei jedem Tor durch das Waldstadion an der Kaiserlinde in Elversberg. Siebenmal hat es gerappelt, und wenn man ehrlich ist, hätte es noch deutlich häufiger rappeln können. "Die Niederlage war auch in der Höhe absolut verdient", sagte FC-Trainer Daniyel Cimen nach der Partie. 1:7 zum Auftakt bei der SV Elversberg, das kann nichts Positives haben - oder doch? Eine Niederlage im Saarland musste einkalkuliert werden, Elversberg ist unter Trainer Horst Steffen ein absolutes Topteam der Fußball-Regionalliga Südwest. Sieben Gegentore zu Beginn schärfen die Sinne und bieten viel Raum zum Besinnen. Der FCG hat nur drei Punkte verloren - dafür aber Erkenntnisse gewonnen? "Vielleicht weiß jetzt auch der Letzte, dass es Regionalliga-Fußball ist", meinte Cimen. "Wir müssen die Naivität schleunigst ablegen und dazulernen. Denn viel Zeit gibt es gegen diese Teams nicht."

Wirklich auf Augenhöhe war der Aufsteiger beim zweitbesten Team der letztjährigen Rückrunde nur in der Viertelstunde nach der Pause. Vorher, in den ersten 45 Minuten, kennzeichneten folgende Merkmale das Gießener Spiel: War der FC in Ballbesitz, wanderte der Ball peu a peu weiter nach hinten, ehe Innenverteidiger Jure Colak oder Keeper Frederic Löhe den Ball nach vorne droschen. Viele einfache Ballverluste oder Fehlpässe machten es der SVE einfach, vorhandene Lücken im Defensivzentrum des FC zu nutzen. Und: Die Aggressivität fehlte, Kapitän Christopher Spang begleitete seine Gegenspieler genauso brav wie der Rest des Teams.

So war eine Flut an Torchancen kein Wunder, mit dem 1:2-Pausenstand war Gießen noch gut bedient. Sinan Tekerci (19.) und Israel Suero Fernandez (27.) trafen zur 2:0-Führung; aus dem Nichts Gießens Außenverteidiger Andrej Markovic kurz vor der Pause (43.) zum Anschlusstreffer.

Nach dem Wechsel spielte der FC mit diesem Rückenwind mutiger und konnte die Partie für 15 Minuten offen gestalten. Mit der Herreinnahme von Neuzugang Nico Rinderknecht stand die neuformierte Fünferkette stabiler. "Da mussten wir die Lücken wirklich suchen", räumte SVE-Coach Steffen ein. Doch mit dem 3:1 von Suero Fernandez (59.) brachen beim FC alle Dämme. Individuelle Fehler in Serie ermöglichten den Hausherren vier weitere Treffer. Oben drein verletzte sich Rinderknecht bei einer versuchten Rettungstat, in dem er an den Pfosten knallte. Er dürfte mit einer Schürfwunde am Schienbein aber nur für einige Tage ausfallen.

"Gießen hat heute Lehrgeld gezahlt", sagte Elversbergs Trainer, der wusste: "Wir sind schon in einem guten Zustand." Dass es in der Regionalliga dann zu hohen Ergebnissen kommen kann, ist bekannt. Im November 2017 verlor Eintracht Stadtallendorf beispielsweise zuhause gegen Elversberg mit 0:9 - und hielt in besagter Spielzeit auf Platz zwölf trotzdem souverän die Klasse. An diesem missratenen ersten Viertliga-Samstag ein schwacher Trost, aber: Besinnt sich der FC Gießen und lernt dazu, kann diese Niederlage hilfreich sein.

SV Elversberg: Lehmann - Kohler, Rehfeldt, Oschkenat, Baumgärtel - Feil (74. Mohr), Dragon (70. Politakis), Dürholtz, Tekerci - Suero Fernandez, Gösweiner (65. Del Angelo Williams).

FC Gießen: Löhe - Antonaci, Colak, Nennhuber, Markovic - Spang, Hofmann, Cecen (85. Mukasa) - Koch, Michel, Bangert (46. Rinderknecht, 66. Heil).

Im Stenogramm / Tore: 1:0 (19.) Tekerci, 2:0 (27.) Suero Fernandez, 2:1 (43.) Markovic, 3:1 (59.) Fernandez, 4:1 (63.) Dürholtz, 5:1 (64.) Fernandez, 6:1 (76.) Del Angelo Williams, 7:1 (82.) Tekerci. - Z.: 854. - SR.: Fritsch (Mainz).

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