Sitzplatztribüne des FC Gießen im Gießener Waldstadion.
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Das Waldstadion des FC Gießen.

FC Gießen

FC Gießen: Große Lücken im Etat

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Und täglich grüßt das Murmeltier: Auch in dieser Spielzeit steht der FC Gießen in der Fußball-Regionalliga Südwest vor erheblichen finanziellen Herausforderungen.

  • Geplante Fortsetzung des Spielbetriebs verschärft Problematik beim FC Gießen
  • Mehrere Monatsgehälter bis Saisonende sind aktuell finanziell nicht abgedeckt
  • Laufende Spielbetriebskosten größeres Problem als Tilgung der Altlasten

Die heute erwartete Verkündung der Fortsetzung des Spielbetriebs in der Fußball-Regionalliga Südwest trifft den FC Gießen. Der derzeit auf dem vorletzten Tabellenrang stehende FC, der am Dienstag in Grüningen ins Training einsteigen will und am 12. Dezember beim TSV Schott Mainz antreten würde, hat merkliche finanzielle Probleme und steht vor der Frage, wie er die Restsaison ohne Zuschauereinnahmen finanzieren soll. Es ist gleichwohl ein Problem, das nur bedingt mit Corona zu tun hat, schließlich hat das Virus dem FC im Juli durch die Kurzarbeit auch einen beträchtlichen Teil der Gehaltskosten erspart.

FC Gießen: Im September erklärte die GmbH noch: Alles okay

Notvorstand Turgay Schmidt ließ auf einer Pressekonferenz am Samstag im VIP-Zelt des Gießener Waldstadions durchklingen, dass eine anhaltende Pause mit erneuter Kurzarbeit deutlich angenehmer gewesen wäre. Mindestens die Hälfte der Regionalligisten frage sich, wie man das nun ohne Zuschauereinnahmen finanzieren soll.

Die Regionalliga-Saison des FC Gießen ist nach derzeitigem Stand der Dinge allerdings mit oder ohne geringe Zuschauerzahlen im Corona-Jahr nicht finanziell abgesichert – entgegen anders lautender früherer Äußerungen aus der GmbH. So sagte etwa deren Geschäftsführer Markus Haupt am 15. September noch: »Wenn kein Sponsor abspringt, steht die Saisonplanung.«

FC Gießen: Zukunft ohne Ballast liegt noch in weiter Ferne

Dies soll Haupt auch der Mannschaft gegenüber versichert haben, die von Notvorstand Turgay Schmidt am Samstag nun darüber informiert werden musste, dass dies nicht der Fall ist. Die Zahlung mehrerer Monatsgehälter bis Saisonende muss durch die Generierung neuer Geldgeber erst noch abgedeckt werden. Der Vorteil: Mit dem externen Rechtsanwalt herrscht nun wirkliche Transparenz, zudem können neue Strukturen für eine andere, solidere Zukunft geschaffen werden. Bis diese Zukunft ohne Ballast und mit neuer Führung beginnen kann, muss diese Spielzeit erfolgreich über die Bühne gebracht werden.

So stellen die laufenden Spielbetriebskosten eine aktuell größere Herausforderung dar als die viel zitierten Altlasten – bei jenen zeigte sich Turgay Schmidt am Samstag vorsichtig zuversichtlich.

Man muss vor der Saison ein Budget haben, mit dem man fest planen kann.

Notvorstand Turgay Schmidt

Der Anfang Oktober vom Amtsgericht Gießen als Notvorstand bestellte Schmidt erklärte: »Meinem Team und mir liegen nach fünf Wochen intensiver Betrachtung rund 80 Ordner und über 1000 Seiten digital vor. Wir haben festgestellt, dass es sehr hohe Forderungen gegenüber dem FC Gießen gibt. Ich gehe davon aus, dass wir es schaffen, dass sich noch in diesem Jahr 70 bis 80 Prozent davon erledigen«, meinte der Rechtsanwalt.

Schmidt meint damit, dass er viele Ansprüche auf rechtlichem Wege entgegen wirken bzw. den Ursprungsanspruch rechtlich abweisen kann. »Es gibt eine hohe Bereitschaft, mit mir zu sprechen. Ich bin ein Externer, habe keine Befindlichkeiten. Meine Aufgabe ist es, den FC Gießen zu sanieren« – und nun offenbar auch, weitere Sponsoren für die laufende Saison zu finden.

Schmidt: »Für die Zukunft des Vereins gilt: Man muss vor der Saison ein Budget haben, mit dem man fest planen kann. Man kann nur das ausgeben, was man hat.« Und: »Eine Zukunft des FC Gießen kann nur mit Personen stattfinden, die in der Vergangenheit nichts mit dem Verein zu tun hatten.« Schmidt klammerte dabei die Gesellschafter aus, für deren Hilfe er grundsätzlich offen sei.

Die seit letzter Woche vom FC Gießen getrennte »FCG Offensive GmbH« hatte in ihrer Stellungnahme vom Donnerstag betont, weiterhin bestehen zu bleiben. »Sie (die GmbH, Anm. d. Red.) wird an sie angetragene Aufgaben im Sinne des Vereins gerne weiter erfüllen.« Inwieweit sie in der Lage ist, ihren Beitrag dazu zu leisten, die Saison organisatorisch abzuwickeln und die beträchtliche Lücke zur Finanzierung der Regionalliga-Mannschaft zu schließen, jenem Team also, das von der GmbH selbst seit einem Jahr gemanagt und zusammengestellt wurde, bleibt offen.

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