_210612OVFCGHKS0135_140621
+
Notvorstand Turgay Schmidt (r.) verabschiedet Marco Boras, der den FC Gießen verlassen will.

FC Gießen

FC Gießen: Das Beste kommt zum Schluss

  • Oliver Vogler
    VonOliver Vogler
    schließen

Nie stand der FC Gießen besser da als zum Saisonabschluss auf Platz elf der Fußball-Regionalliga Südwest. Der sportliche Abschluss ist harmonisch, die personellen Abgänge aber schmerzen.

Pünktlich zum Saisonabschluss erreicht der FC Gießen den besten Tabellenplatz der gesamten Spielzeit: Nie stand der heimische Südwest-Regionalligist besser dar als nun, Mitte Juni 2021, auf Rang elf. Der sportliche Abschluss hinter eine erneut turbulenten Saison verläuft harmonisch.

Mit einem ansehnlichen 3:1 (3:0)-Heimsieg gegen Hessen Kassel vor rund 400 Zuschauern verabschiedete sich der FC am Samstag bei bestem Sommerwetter in die kurze Sommerpause.

Drei Wochen können Hendrik Starostzik, Michael Fink, Niclas Mohr und Co. nun durchatmen, ehe die Vorbereitung auf die Saison 2021/22 am 5. Juli schon wieder beginnt.

»Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft, wenn wir überlegen, dass wir im Januar auf dem 20. Tabellenplatz standen und die Saison nun auf Rang elf abschließen«, erklärte Trainer Daniyel Cimen.

Zeit für Abschied am Samstag im Gießener Waldstadion.

Der dritte Sieg in Folge zum Saisonabschluss, eingeleitet durch einen Doppelpack von Nejmeddin Daghfous, wurde allerdings überstrahlt vom Abschied etlicher Leistungsträger.

Nicht nur die dienstältesten Johannes Hofmann (SG Barockstadt Fulda/Lehnerz) und Tim Korzuschek (1. FC Saarbrücken) gehen, auch der 19-jährige Innenverteidiger Marco Boras zieht von dannen. »Ich habe sehr gute Angebote und will den nächsten Step machen. Es war keine leichte Entscheidung«, erklärte Boras, der in Gesprächen mit dem 1. FC Nürnberg und der TSG Hoffenheim steht, bei denen er wohl vornehmlich in der U23 zum Einsatz kommen soll.

Das sind alles Verluste, aber auch die Chance für andere, in die Rolle zu schlüpfen.

Trainer Daniyel Cimen

Interessant ist die Personalie Boras auch wegen Vater Vjekoslav, der zum Kompetenzteam des FC Gießen zählt und den heimischen Viertligisten zuletzt finanziell unterstützte. Der Bauunternehmer aus Frankfurt bekräftigte am Samstag im Waldstadion auf Nachfrage dieser Zeitung, dass er den FC Gießen weiterhin unterstützen werde: »Ich bleibe im Kompetenzteam.«

Neben dem erwähnten Spieler-Trio wurden vor der Partie auch folgende Akteure verabschiedet: Tolga Sahin, Kamil Tyminski, Marcel Mansfeld, Nils Ellenfeld, Sascha Heil, Gabriel Weiß und Zeki Erkilinc. Verlängert hat mittlerweile derweil der flexible Gießener Niclas Mohr. Er bleibt ein weiteres Jahr im Waldstadion.

Den Abgang einiger Leistungsträger kommentierte Trainer Cimen wie folgt: »Es ist schade, aber das ist der Fußball. Das sind alles Verluste, aber auch die Chance für andere, in die Rolle zu schlüpfen.«

Drei Fußballfreunde kommen aus Bochum ins Gießener Waldstadion

Cimen selbst freue sich nun darauf, »mal runterfahren zu können und zu realisieren, was in den letzten sechs Monaten passiert ist.«

Er wird auch gute Erinnerungen an den letzten Heimauftritt am 12. Juni 2021 haben: Rund 400 Zuschauer sorgten endlich wieder für echtes Fußball-Flair

»Es war geil, mal wieder Live-Fußball zu sehen - du kennst das Gefühl vom Rasen, siehst das ganze Spielfeld, das Bier ist gut«, freute sich Zuschauer Philipp Treuherz aus Gießen. Und sein Kollege Volker Kuhlmann meinte: »Hier gibt’s auch keine Zeitlupen, da kannste dich richtig aufregen und auf deiner Meinung beharren! Ich ärger mich ein bisschen, dass ich Regionalliga-Fußball vor der Haustür bisher nur so sporadisch wahrgenommen habe.«

Drei Fußballfreunde kamen am Samstag sogar aus Bochum-Witten, um ein Pflichtspiel live zu verfolgen: »Wir hätten auch 500 Kilometer auf uns genommen, kannten Gießen noch nicht. Das Stadion ist geil, weil es oldschool ist, du nah am Spielfeld bist. Es hat einfach was«, erklärte Groundhopper Andreas.

400 Besucher kamen am Samstag ins Gießener Waldstadion.

Die Waldstadion-Besucher sahen, dass der FC in einem locker-leichten Kehraus früh alles klar machte: Nach einem verwandelten Handelfmeter (30.) von Nejmeddin Daghfous legte der 34-jährige Tunesier nur drei Minuten später nach schöner Kombination im Strafraum das 2:0 nach - und weitere fünf Minuten später staubte Innenverteidiger Hendrik Starostzik zum 3:0 ab (38.). Der FC spielte nach zuletzt acht Treffern in zwei Spielen befreit auf, vor allem Außenverteidiger Andrej Markovic und Offensivakteur Ali Ibrahimaj machten Dampf.

In Hälfte zwei ließ der FC dann schleifen, Kassel traf Latte und Pfosten, aber nur einmal ins Netz: Robin Urban köpfte in der 63. Minute zum 1:3 ein - beide Teams ließen die Mammut-Saison im hessischen Duell dann ausklingen.

FC Gießen: Sahin - Boras, Fink, Starostzik - Weiß, Markovic (69. Trkulja) - Tyminski - Celik (57. Erkilinc), Hofmann (69. Mohr), Ibrahimaj - Daghfous (78. Münn).

KSV Hessen Kassel: Gröteke - Merle (65. Kahraman), Schwechel (78. Fischer), Urban, Najjer - Brill, Bravo-Sanchez - Iksal, Pichinot (65. Mißbach) - Mogge, Schmeer.

Im Stenogramm: Tore: 1:0 (30., Handelfmeter) Daghfous, 2:0 (33.) Daghfous, 3:0 (38.) Starostzik, 3:1 (63.) Urban. - Z.: 400. - SR: Ulbrich (Düdelsh.).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare