Die Fußbälle bleiben bis auf Weiteres im Sack: Der FC Gießen hat sich nach dem nächsten Corona-Fall selbst isoliert. FOTO: HF
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Die Fußbälle bleiben bis auf Weiteres im Sack: Der FC Gießen hat sich nach dem nächsten Corona-Fall selbst isoliert. FOTO: HF

FC Gießen

Corona hat FC Gießen im Griff

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Während mehrere neue Covid-19-Fälle im Verein bekannt werden, wartet Fußball-Regionalligist FC Gießen auf eine Entscheidung der Politik: Darf die Saison fortgesetzt werden?

Wir befinden uns in jeglicher Hinsicht in der Warteschleife", sagt der Marketing-Leiter des FC Gießen, Max Schöber am Montag - und trifft die Gemengelage des heimischen Fußball-Regionalligisten damit gut.

Neuerliche Corona-Fälle samt Quarantäne, Warten auf eine Entscheidung über die Saison-Unterbrechung, Ungewissheit über die Art und Weise einer potenziellen Fortführung der Regionalliga Südwest - der FC Gießen hängt durch.

FC Gießen: Corona-Fälle in 2. Mannschaft, Jugend und Regionalliga-Team

Am Montagmittag wurde bekannt, dass es nicht nur im Trainerteam der zweiten Mannschaft und in der A-Jugend des FC einen Corona-Fall gibt, sondern sich auch der Verdachtsfall im Regionallig-Team bestätigt und der betroffene Akteur ein positives Testergebnis erhalten hat.

FC Gießen: Regionalliga-Team in Selbst-Isolation

"Wir haben uns alle in Selbst-Isolation begeben und warten nun auf weitere Anweisungen des Gesundheitsamtes", erklärte FC-Trainer Daniyel Cimen. Dem betroffenen Spieler, der seit dem 26. Oktober nach Symptombeginn keinen Kontakt mehr zum Team hatte, gehe es soweit gut, nur der Geruchs- und Geschmackssinn sei eingeschränkt.

FC Gießen: Partie gegen SC Freiburg II kaum ein Thema

Für den FC Gießen bedeutet der zweite positive Fall nach der September-Quarantäne, dass erst nach grünem Licht durch das Gesundheitsamt wieder Training stattfinden kann. Selbst wenn die Regionalliga ihre Saison fortsetzen darf, wird die Partie am Sonntag beim SC Freiburg II kaum stattfinden.

Cimens Schilderung zufolge trat der FC nur deshalb trotz eines Verdachtsfalls am Freitagabend in Balingen an (1:1), weil die Regionalliga Südwest dies vorgab.

"Wir hatten eine Empfehlung des Gesundheitsamtes, nicht nach Balingen zu fahren und dort nicht zu spielen", erklärt Cimen. "Diese Empfehlung haben wir an die Regionalliga geschickt. Uns wurde aber gesagt, dass die Liga keine Empfehlung akzeptiert, sondern nur eine behördliche Anordnung, und wir antreten sollen."

Regionalliga Südwest: Weiter warten auf die Einstufung der Bundesländer

Unabhängig vom lokalen Corona-Geschehen wartet man nicht nur in Gießen, sondern in der gesamten Südwest-Staffel auf eine Entscheidung der Bundesländer. Diese müssen laut dem Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR, Sascha Döther, klar stellen, ob die Regionalliga zum Amateursport (darf seit gestern weder trainieren noch spielen) oder zum Profisport zählt. Fünf Bundesländer (Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern) sind betroffen, eine Verkündung steht aus - und ein Streit unter den Vereinen ist entfacht.

Frederic Löhe: "Klarheit wäre cool"

"Klarheit wäre cool", sagte Gießens Keeper Frederic Löhe am Montag. "Warum sollten wir eine Sonderstellung bekommen, wenn der Rest des Landes herunterfährt? An den Profiligen hängt samt TV-Gelder und regelmäßiger Corona-Tests viel dran. Mit welchem Recht sollten wir als Regionalligaspieler sagen: Wir müssen unbedingt weiterspielen?"

Während die Regionalligen Nordost und Nord pausieren, setzt die Regionalliga West ihren Spielbetrieb fort - der Südwesten wartet.

Der FC Gießen sei "gemäß der bisherigen Einordnung kein Profiverein", sagt Gießens Vorstand Turgay Schmidt. "Wie soll man die Testungen und Vorgaben bewältigen? Es besteht ein erhöhtes Risiko. Schon jetzt zeigt sich, dass sich Corona-Fälle in den Teams nicht vermeiden lassen. Das Ligageschehen wird verzerrt und gehemmt."

Daniyel Cimen: "Wir sollten nicht auf einzelne Vorteile schauen, sondern auf den Nächsten achten"

Während Vereine wie Kickers Offenbach bei einer Unterbrechung für den November nicht nur laufende (Stadion-) Kosten ohne Spielbetrieb beklagen, könnten sich andere Vereine mit dem Aussetzen samt Kurzarbeit anfreunden. Cimen: "Eine Saisonfortsetzung ohne Zuschauer ist für viele Vereine auf Dauer kaum zu stemmen."

Angesichts angedrohter rechtlicher Schritte aus Offenbach meint Cimen: "Wir sollten uns in diesen Zeiten auf die wichtigen Dinge im Leben besinnen. Ich bin selbst hauptberuflicher Trainer und lebe davon - trotzdem sage ich: Die Regionalliga ist nicht lebensnotwendig. Wir sollten nicht auf einzelne Vorteile schauen, sondern auf den Nächsten achten."

Bei Aussetzung im November - wie sieht der Wiedereinstieg aus?

Sollte die Regionalliga Südwest, deren 13. Spieltag für heute und morgen abgesetzt wurde, am Wochenende wieder spielen, steht dem FC Gießen angesichts des Corona-Falls eine weitere Zwangspause samt Nachholspiel bevor.

Sollte der Viertliga-Spielbetrieb nach Einordnung in den Amateurbereich für den November ausgesetzt werden, stellt sich die Frage des Wiedereinstiegs. "Zehn Tage Vorbereitung auf einen Wettkampf nach dieser Pause muss man den Mannschaften dann schon einräumen", sagt Cimen.

"Dann schafft man bis Ende des Jahres vielleicht noch drei, vier Spieltage und muss dann im neuen Jahr bis zum Sommer 23, 24 Spieltage durchziehen - das Winterwetter muss mitspielen und die Corona-Fälle in den Teams gering bleiben. Ich halte das für fragwürdig."

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