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Im Tiefflug: Auch Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger ist noch auf der Suche nach der Form des Frühjahrs. 

SGE

Bei Eintracht Frankfurt läuft noch nicht alles nach Wunsch

Vier Pflichtspiele, vier Siege – doch bei Eintracht Frankfurt läuft es trotzdem noch lange nicht nach Wunsch.

Manches spricht dafür, dass sich Kevin Trapp seinen Einstand bei Eintracht Frankfurt ein kleines bisschen anders vorgestellt hat - und wer den Ehrgeiz des Torwarts kennt, der jedes Gegentor auch als persönliche Beleidigung ansieht, kann in etwa ermessen, wie er sich nach elf Minuten gefühlt haben dürfte. Zwei Buden gefangen gegen einen Drittligisten – das schmeckte dem Nationaltorhüter keineswegs, vermutlich schmeckt es keinem Torhüter.

Aber weil die im Feld spielenden Kollegen später und nach einigen Anlaufschwierigkeiten das Ergebnis schließlich in die aus Frankfurter Sicht richtige Richtung korrigierten, ist die Analyse des 29 Jahre alten Rückkehrers nach dem Einzug in die zweite DFB-Pokalrunde dann doch eher moderat ausgefallen. „Vielleicht“, fand der Ballfänger, habe es sogar „etwas Gutes gehabt“, dass die Gegentore so früh gefallen waren, da „hatten wir 80 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen“. Spätestens nach der Standpauke von Trainer Adi Hütter während der Trinkpause nach einer halben Stunde Spielzeit waren dann alle Frankfurter hellwach und auf Betriebstemperatur.

Eintracht Frankfurt sollte Lehren aus den Pflichtspielsiegen ziehen

Einstellung und Einsatz haben dann in der zweiten Halbzeit gestimmt, das dürfte die Verantwortlichen halbwegs zufrieden gestellt haben, auf derlei grundlegende Voraussetzungen kann also weiterhin zurückgegriffen werden bei den Aufgaben, die in den nächsten Wochen warten. „Die Mentalität meiner Mannschaft hat mir gut gefallen“, sagte Trainer Adi Hütter. Am Ende, am Anfang nicht. Dies und die Tatsache, dass ihm und der Mannschaft ein Déjà-vu-Erlebnis aus dem vergangenen Jahr (Pokalaus in Ulm) erspart geblieben waren, kann als positiv aus der Partie gegen den Drittligisten Waldhof Mannheim mitgenommen werden. Immerhin. Ansonsten aber sollte Eintracht Frankfurt schnellstmöglich Lehren aus den vier Pflichtspielsiegen ziehen.

Eintracht hatte Erfolge gegen drei unterklassige Mannschaften

Die Erfolge gegen drei unterklassige Mannschaften sollten den Hessen nämlich keineswegs die Sinne vernebeln, vieles wirkt unfertig, es läuft noch manches nicht rund. Vermutlich kann es das auch nicht, weil der Spagat zwischen kräfteraubender Grundlagenarbeit in der Vorbereitung und Pflichtspielen inklusive Reisestrapazen kein ganz leichter ist. Dennoch gibt es durchaus Spielraum für Verbesserungen. Zuallererst entpuppt sich die Abwehr aktuell als nicht besonders sattelfest, den Gegnern, bis auf Vaduz, hatten sich immer wieder Möglichkeiten geboten, Waldhof Mannheim traf sogar dreimal. Publikumsliebling Martin Hinteregger, mit viel Aplomb für fünf Jahre vom FC Augsburg geholt, ist bei weitem noch nicht in der Form, die ihn im März oder April dieses Jahres ausgezeichnet hat. Er wackelt bedenklich, zudem ist der Hype um seine Person rational kaum noch erklärbar und nicht besonders hilfreich.

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Selbst David Abraham, der Kapitän, hat noch gehörig Luft nach oben, er tut sich aktuell enorm schwer in den Zweikämpfen, es scheint, als habe er auch von seiner enormen Schnelligkeit eingebüßt. Bereits in der vergangenen Saison war er nicht mehr der Souverän wie in den Jahren zuvor. Almamy Touré hat in seinem Spiel gegen Flora Tallinn ungewöhnlich viele Patzer eingestreut, auch er wirkt jetzt nicht unbedingt abgeklärt. Coach Hütter nahm ihn jetzt nicht mal mit den 20-er Kader für das Pokalspiel. Evan Ndicka, dem Jüngsten, ist die Furcht vor einem erneuten Bolzen deutlich anzumerken. Andererseits: Alle vier Abwehrspieler haben in der vergangenen Saison mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie deutlich besser, deutlich stabiler und solider verteidigen können. Immerhin: Makoto Hasebe, der Älteste, hat seine prima Form aus der vergangenen Runde konservieren können.

Im Mittelfeld der Eintracht fehlt es an Spielfreude

Der Schuh drückt den Frankfurtern freilich auch im Mittelfeld. Da fehlt es an Esprit, an Spielfreude, an zündenden Ideen, sieht man mal vom leichtfüßigen Daichi Kamada ab. Von Dominik Kohr, Gelson Fernandes oder Lucas Torro kann man nicht verlangen, das Spiel mit Kreativität zu beleben. Sie haben ihre Stärken im Unterbinden der gegnerischen Angriffe, in den direkten Zweikämpfen Mann gegen Mann, im Bälle klauen. Haben sie die Kugel erobert, wird es schwierig. Das Tandem Fernandes/Kohr ist gewiss keines für die Zukunft, beide spielen zu oft quer oder zurück. Mijat Gacinovic hat genug mit sich zutun, Jonathan de Guzman kam bisher nur sporadisch zum Einsätzen.

Da sind Sebastian Rode, der am Donnerstag im freundschaftlichen Rückspiel gegen den FC Vaduz nach der Knie-OP womöglich sein Comeback geben könnte, oder Djibril Sow, der noch verletzte Schweizer Nationalspieler, aus einem anderen Holz geschnitzt. Ihnen kann durchaus zugetraut werden, das Frankfurter Spiel qualitativ auf eine andere, eine höhere Stufe zu stellen. Beide kommen aber aus einer langen Verletzungen, gerade Rode soll behutsam aufgebaut werden. Alle Spiele wird der bodenständige Mittelfeldakteur sicherlich nicht bestreiten können.

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Erstaunlicherweise hat sich Daichi Kamada als bislang beste „Neuverpflichtung“ entpuppt, die Pokalpartie gegen Mannheim sei für ihn „ein Härtetest“ gewesen, sagte Sportdirektor Bruno Hübner, „und den hat er bestanden“. Der Japaner, der um ein Haar nach Genua verkauft worden wäre, kann das Frankfurter Spiel bereichern, er muss das jedoch noch in der Bundesliga gegen härtere Gegner beweisen.

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Immerhin ist die Personaldecke größer, Trainer Hütter hat mehr Möglichkeiten, kann und wird den Konkurrenzkampf weiter anheizen. Das tut er bereits, Immerspieler Danny da Costa hat das schon am eigenen Leib erfahren müssen, nach einer matten ersten Halbzeit in Mannheim wurde er gegen den mit den Hufen scharrenden Erik Durm ausgewechselt. Coach Hütter schickte noch einige kritische Worte hinterher und versprach: „Ich werde den Konkurrenzkampf schüren.“

Dass die Eintracht im Angriff noch Bedarf hat, ist bekannt - trotz des Hattricks von Ante Rebic am Sonntag, zumal bei ihm unklar ist, ob er bleibt oder nicht. Nur mit drei Angreifern werden die Hessen nicht in die Saison gehen, sie werden reagieren, schon zum Bundesligaauftakt gegen die TSG Hoffenheim am Sonntag soll der neue Mann auf dem Feld stehen. Er wird in große Fußstapfen treten - die abgewanderten Luka Jovic und Sebastien Haller hatten zusammen 32 der 60 Frankfurter Bundesligatore erzielt.

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