Eintracht Frankfurt

Löw, die Eintracht und ein Tipp an BVB-Fans

Badesalz-Comedian Henni Nachtsheim und Redakteur Ronny Th. Herteux haben wieder die aktuellen Ereignisse im Fußball unter die Lupe genommen.

Von Ronny Herteux

Hallo Herr Nachtsheim, die Diskussionen in Fußball-Deutschland drehen sich momentan um den FC Bayern, um Bundestrainer Joachim Löw und um die Frankfurter Eintracht. Das könnte vor dem Hintergrund der Gesprächsinhalte genüsslicher nicht sein, oder?

Henni: Ja, zumal es in unserem Fall und im Gegensatz zu den anderen ausschließlich positive Diskussionen sind. Was sich natürlich super anfühlt. Ich weiß das, weil ich erst vor Kurzem etwas Ähnliches erlebt habe. Als nämlich zwei ältere Damen offensichtlich auf Hausbesichtigung-Wanderung durch meinem Ortsteil unterwegs waren und vor jedem Haus in der Nachbarschaft stehen geblieben sind, um dann über alles lautstark zu meckern. "Guck dir des an, wie schlecht de Rase geschnitte is!", "Eieiei, was fürn verrostete Drecksding die als Briefkaste habbe!", "Igitt, was für hässliche Blumme!" usw. Nur bei mir waren sie rundum zufrieden! "En sehr schöne Zaun hat er! Und de Ahorn is werklisch toll gewachse!" Dass die eine dann beim Weitergehen noch gesagt hat, "ansonsten isses allerdings en ziemliche Depp!", hat der guten Bewertung in meinen Augen übrigens keinen Abbruch getan.

Die Eintracht ist im Viertelfinale die einzige deutsche Mannschaft, die noch europäisch unterwegs ist. Darauf vor Monaten gesetzt, Sie wären ein reicher Mann.

Henni: Das stimmt! Wobei ich ziemlich sicher bin, dass mich meine engeren Freunde bei so einer Wette vermutlich sicherheitshalber in die Psychiatrie hätten einweisen lassen. Dass das echt so kommt, hat man nicht ahnen können. Wobei mir bei dieser Gelegenheit dieser "Stern"-Artikel einfällt, in dem der Journalist, ein ewiger Eintracht-Fan, beschrieben hat, wie schwer er sich mit all diesen Erfolgen tut. Weil er das nun mal nicht gewohnt ist. Da konnte ich ehrlich gesagt was mit anfangen!

Die Frankfurter sind inzwischen derart gereift und ausgebufft, dass sie nach den an den Kräften zehrenden Siegen in Düsseldorf und in Mailand auch mal ganz nebenbei Nürnberg "im Schongang" schlagen können.

Henni: Ich habe es nicht als "Schongang" empfunden, sondern eher als "Sieg trotz gewisser mentaler Abnutzungserscheinungen". Im komplett aufgeräumten und fitten Zustand hätten sie mindestens zwei Tore mehr geschossen. Ich kenn das übrigens vom "Cage-Fighting". Als ich da letztes Mal Weltmeister geworden bin, hat mich ein paar Tage später diese Prügelei mit der Rocker-Gang auch mehr angestrengt als normalerweise. Aber sorry, das gehört ja gar nicht hierher.

Stimmt. Apropos Mailand: Das war beim 1:0-Sieg ein Kampf wie aus dem Lehrbuch: Perfekter Einsatzwille und unbändige Laufbereitschaft. Wie haben Sie den Abend vor dem Fernseher verbracht? Schwitzend, bibbernd oder abgeklärt, routiniert und souverän?

Henni: Ich hab mich vorsorglich in einem hiesigen großen Hotel bei einem Psychotherapeuten-Kongress heimlich unter die Teilnehmer geschmuggelt und es dort unauffällig auf dem iPad geschaut, was mir einfach ein gutes Gefühl gegeben hat. Zum Glück hat mich keiner bemerkt. Als ich nämlich wieder raus bin, habe ich anhand des Schildes gesehen, dass ich mich im Raum geirrt hatte und stattdessen in ein Treffen der italienischen Vendetta-Vereinigung geraten war.

Dann haben wir noch einmal Glück gehabt, dass sie nicht der Blutrache zum Opfer gefallen sind. Jedenfalls das, was die SGE in Italien bei Inter ausgezeichnet hat, haben die Bayern gegen Liverpool schmerzlich vermissen lassen. Was auch auffällt, sie bejubeln beim 6:0 gegen Mainz jedes Tor, als hätten sie gerade gegen Liverpool getroffen. Die sind offenbar aus der Zeit gefallen.

Henni: Dazu muss man fairerweise sagen, dass sie ja irgendwie den Frust abbauen müssen, und das läuft ab jetzt nun mal über die Bundesliga und den DFB-Pokal. Was man gegen Mainz ja auch gut erkennen konnte!

Da kommt die Überleitung gerade richtig: Bundestrainer Joachim Löw hat Hummels, Müller und Boateng aus der Nationalmannschaft geworfen. Im Boulevard hat das schon ein Beben ausgelöst, hat auch der Nachtsheim’sche Seismograf in den letzten Tagen ausgeschlagen?

Henni: Nein, der schlägt derzeit immer nur am Wochenende oder donnerstags aus!

Ich möchte mal ihre psychologischen Grundkenntnisse anzapfen: war das ein Resultat monatelanger Bedenkzeit oder eine Übersprungshandlung, die da Löw getrieben hat?

Henni: Ich glaube, dass er sich das schon genau überlegt und für sich eine Art "Langzeitperspektive" entworfen hat. In den nächsten Jahren werden wir sehen, ob er damit richtigliegt.

Jahren? Ein langer Zeitraum, nun gut. Man mag zu dem geschassten Trio bzw. zu anderen Entscheidungen stehen, wie man will. Wenn allerdings Löw den Neuanfang postuliert, dann hätte er samt Bierhoff und Grindel nach der desaströsen WM in Russland sofort zurücktreten sollen. Nur das wäre ein konsequenter Neubeginn gewesen.

Henni: Ja, aber da es nun mal nicht so gekommen ist, muss man eben darauf hoffen, dass es die Beteiligten jetzt wieder besser machen. Wobei ich bei Grindel zugegebenermaßen meine Zweifel habe. Wäre "Beratungsresistenz" eine Ideologie, wäre er ihr perfekter Vertreter!

Kommen wir noch einmal zur Bundesliga. Der Dortmunder Vorsprung von neun Punkten ist weg, Bayern punktgleich. Wären Sie BVB-Fan, würden Sie jetzt ...

Henni: ... zur Eintracht wechseln!

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