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Erfolgsarchitekten unter sich: Bobic (links) und Frankenbach. 

Finanzen

Eintracht Frankfurt auf Rekordkurs: 201,4 Millionen Euro Umsatz

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Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach präsentiert satte Rekordzahlen – es wird schon zur Gewohnheit - auch in der laufenden Saison solle es eine weitere Steigerung geben.

Manchmal, erzählt Oliver Frankenbach, Spitzname ZDF (Zahlen, Daten, Fakten), müsse er sich schon mal in den Arm piksen. Erst drei Jahre liegen die bleischweren Tage zurück, als ihm die Schweißperlen auf der Stirn und die Frankfurter Fußballer mit beiden Beinen am Abgrund standen: Relegation gegen Nürnberg, den Abstieg vor Augen. Es folgte die Rettung auf den letzten Drücker und ein Aufschwung, der ebenso wundersam wie blitzartig daherkommt. „Die Entwicklung ist sehr, sehr rasant“, sagt der Eintracht-Finanzvorstand, der sicherlich kein Mann ist, der mit seinen Worten blumige Bilder malt und zu Übertreibungen im großen Stil neigt.

Und doch schwingt eine gehörige Portion Stolz in seiner Stimme mit, wenn er feststellt: „Das, was wir hier erleben, ist außergewöhnlich. Wie sich Eintracht Frankfurt präsentiert und wahrgenommen wird, das hat sich total verändert.“ In der Bundesliga gebe es keinen Klub, der auch nur annähernd „so schnell gewachsen ist wie wir“.

Umsatz um mehr als 60 Millionen gestiegen

Oliver Frankenbach ist, wenn man so will, der, der das Feld bereitet, auf dem sich die anderen austoben können, Fußballexperten wie Sportchef Fredi Bobic und sein Team etwa. Frankenbach, der seinen Vertrag als Mitglied des Vorstands erst vor wenigen Tagen bis 2024 verlängert hat, ist der Herr der Zahlen, das Gehirn im Hintergrund. Am Donnerstag verkündete der 52-Jährige das, was er seit drei Jahren fast jedes Jahr verkündet: „Wir bewegen uns auf Rekordniveau.“ Auf allen Ebenen.

Der Umsatz in der Spielzeit 2018/19 lag bei 201,4 Millionen Euro und ist damit um mehr als 60 Millionen Euro gestiegen. Gerade durch die erfolgreiche Teilnahme an der Europa League sind die Medienerlöse in die Höhe geschnellt, von 54 Millionen auf 91,3 Millionen – das Feld, auf dem der größte Zugewinn erzielt wurde. Aber auch in puncto Vermarktung (48,5 Millionen zu 41,1), Zuschauereinnahmen (27,8 zu 19,6), oder Merchandising (13,3 zu zehn) sind alle Bestmarken übertroffen, ja pulverisiert worden. Das Eigenkapital beläuft sich auf 34,6 Millionen Euro (29,2).

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Für die laufende Runde wird erneut eine satte Steigerung erwartet, Frankenbach rechnet mit Erlösen von 250 Millionen Euro. Damit liegt die Eintracht in Schlagdistanz zur Spitzengruppe, quasi in Lauerstellung. Borussia Dortmund und natürlich Bayern München sind per se „nicht einzuholen, das ist undenkbar“, sagt Frankenbach. Aber auch Schalke 04, RB Leipzig oder Bayer Leverkusen rangieren noch „deutlich“ vor dem Bundesligisten aus dem Hessischen. „Aber danach reihen wir uns schon ein.“

Die Eintracht hat noch nie so viel Geld für ihre Profiabteilung ausgegeben, 66,7 Millionen Euro (51,4 im Vorjahr). Das liegt ebenfalls an den internationalen Auftritten und entsprechenden Prämienzahlungen. Der Finanzexperte kalkuliert für die aktuelle Spielzeit mit einem Lizenzspieleretat auf ähnlichem Niveau.

Über 40 Millionen Euro durch die Teilnahme an der Europa League

Mit der verfügbaren Finanzkraft habe die Eintracht immer wieder mal „die Chance, europäisch spielen zu können“, eine Garantie gebe es logischerweise nicht, man bewege sich zwischen Platz sechs und elf, „man kann mal Vierter werden oder auch mal 13., 14. oder 15.“

Klar ist, dass der wilde Ritt durch Europa die Eintracht auf ein anderes Niveau gehievt hat, insgesamt 44 Millionen Euro nahm der Klub dadurch ein und gab davon rund 24 Millionen wieder aus, was bedeutet, dass 20 Millionen Euro hängen geblieben sind. „Die Europa League galt ja mal als Verlierer-Cup“, sagte Frankenbach und betonte: „Das widerlegen diese Zahlen deutlich.“ Sie ist für einen aufstrebenden Mittelklasseklub wie die Eintracht sogar ein wichtiger Wachstumstreiber.

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Genauso wie Transfererlöse in großem Stil. Durch die Verkäufe von Luka Jovic, der für rund 70 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte (wovon allerdings gut 30 Prozent an Benfica Lissabon abflossen) und Sebastien Haller (für rund 50 Millionen zu West Ham United) ist so viel Geld wie nie in die Kasse gespült worden, doch der vordergründigen Ansicht, die Eintracht sei nun ein steinreicher Klub und könne klotzen, wo andere kleckern, tritt der Finanzvorstand entschieden entgegen. Er rechnet ganz nüchtern vor, dass von zehn eingenommenen Millionen nur 6,5 bei der Eintracht blieben, 35 Prozent Steuern werden nämlich fällig. „Und wir haben auch schon viel ausgegeben.“ Mehr als 60 Millionen Euro nämlich.

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Auch aus steuerlichen Gründen wäre es Frankenbach übrigens „lieber gewesen wäre, wir hätten Sebastien Haller erst zur Saison 20/21 verkauft“. Doch der Wunsch des Spielers, auf die Insel zu wechseln, war zu groß. Um auch hier eine Ahnung zu bekommen, von welchen Dimensionen die Rede ist, führt der Boss der Zahlen aus: „Meiner Erfahrung nach ist es so, dass das, was wir brutto zahlen, die Engländer netto zahlen.“ Also das Doppelte. Und: „Bei manchen Spielern natürlich noch mehr.“

Der Deal mit Ante Rebic undAndré Silva übrigens ist für die Eintracht erst mal kostenneutral über die Bühne gegangen. Beide Spieler sind für zwei Jahre ausgeliehen, ohne irgendwelche Vereinbarungen im Anschluss. Es gebe weder bei Rebic noch bei Silva etwaige Kaufoptionen. Aus einem einfach Grund. „Das war in der Kürze der Zeit nicht mehr verhandelbar“, sagte Frankenbach: „Das kann aber nachgeholt werden.“

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