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Der Frust der Fast-Sieger: Goncalo Paciencia und Filip Kostic.

Remis gegen Bremen

Die Eintracht schenkt den Sieg her

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    Thomas Kilchenstein
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Ganz starkes Spiel der Eintracht gegen Bremen, aber am Ende doch nur ein Punkt: In einer turbulenten Schlussphase bringt sich die SGE um ihren Lohn. 

Der Sieg schien eingetütet, spät zwar, aber immerhin – und hochverdient wäre er ohnehin gewesen. André Silva war drauf und dran, der Mann des Abends zu werden: Zwei Minuten vor Ultimo hatte der Portugiese einen Abpraller zum 2:1 im Bremer Tor untergebracht, das hätte eigentlich reichen müssen. Doch dann nahm der Bremer Davy Klaassen, schon in der Nachspielzeit, dankbar das Geschenk von Makoto Hasebe in Form eines langen Beines an, er fädelte geschickt ein, und Sekunden später hatte Milot Rashica den fälligen Strafstoß zum 2:2 (0:1) in die Frankfurter Maschen gehauen.

Aus Bremer Sicht war das sicherlich schmeichelhaft, die Frankfurter empfanden es entsprechend als ausgesprochen bitter. Djibril Sow, der eines seiner besseren Auftritte im Eintracht-Dress absolviert hatte, fand sich irgendwo zwischen „großem Glücksgefühl und bitterer Enttäuschung“ wieder. Besonders clever hatte sich die Eintracht da nicht angestellt, wenige Minuten vor dem Ende sollte man eine Führung im eigenen Stadion schon über die Zeit bekommen können. „Unser Stellungsspiel war nicht gut“, sagte der Schweizer Nationalspieler selbstkritisch. Zuvor konnte Rashica zuvor ziemlich allein auf das Frankfurter Tor zulaufen, seinen Schuss ließ Torhüter Frederik Rönnow abklatschen, und dann kamen Klaassen und das lange Bein von Hasebe.

„Hasebe weiß selbst, dass er da nicht rutschen soll und darf. Aber selbst einem Topspieler, einem Sir wie ihm, kann so was passieren, das wird ihm im hohen Alter eine Lehre sein“, sagte Trainer Adi Hütter hinterher. Bis auf diese Ungeschicklichkeit lieferte der 35-Jährige mal wieder eine Klassepartie ab.

Hinterher sprachen beide Trainer von „einem tollen Bundesligaspiel“, das die Zuschauer erfreut habe. Die Hessen hätten dieses Spiel gewinnen müssen, ein Sieg wäre zudem verdient gewesen, vor allem aufgrund der zweiten Halbzeit, in der „es ein Spiel auf ein Tor war“, wie selbst der Bremer Coach Florian Kohfeldt ehrlich einräumte. „Einbahnstraßenfußball“ hatte da die Eintracht gespielt, „Powerfußball“, ergänzte Kollege Hütter, und dass die Frankfurter am Donnerstag in Guimaraes 90 Minuten in den Knochen hatten, merkte man kaum. „Kompliment dafür an meine Mannschaft“, lobte der Österreicher.

Es war das beste Spiel der Saison, das Eintracht Frankfurt an diesem nasskalten Sonntagabend ablieferte, rassig, mit viel Geschwindigkeit und voller Spielwitz agierten die Hessen - und das von der ersten Minute an. Das einzige, was nicht besonders gut funktionierte, war das Ausnutzen der Torchancen, und davon hatten die Gastgeber reichlich. Die Hessen begannen enorm spritzig, sie waren sofort in der Partie, schienen die Bremer förmlich überrennen zu wollen und zu können. Dazu hatte Hütter erneut die ganz offensive Variante gewählt, also Sebastian Rode, Djibril Sow und Daichi Kamada ins Mittelfeld beordert. In dieser Formation hatte die Eintracht in der Bundesliga bislang nur in Augsburg agiert. Dort hatte diese taktische Variante nicht gegriffen (Siehe auch Sport Seiten 2 und 3). Damals wie am Sonntag waren die Frankfurter mit einem Rückstand in die Pause gegangen, in Augsburg mit 0:2, gestern mit 0:1. Der Bremer Mittelfeldspieler Klaassen (27.) hatte im dritten Nachschuss die Norddeutschen in Front geschossen, zuvor war Joshua Sargent an Torwart Frederik Rönnow gescheitert und hatte Leonardo Bittencourt die Latte getroffen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hätten die Gastgeber klar vorne liegen müssen. Sie waren haushoch überlegen, hatten deutlich mehr Ballkontakte, bestimmten das Spiel, schnürten die weiterhin ersatzgeschwächten Bremer in der eigenen Hälfte ein. Und sie gingen ein hohes Tempo, nichts war davon zu spüren, dass die Hessen noch am Donnerstag in Portugal in der Europa League im Einsatz waren. Die Eintracht zeigte auch das bessere Spiel - nur fuhren sie nicht die Ernte ein. Ob nun André Silva (16., 45.), Goncalo Paciencia (24.), Daichi Kamada (8., 20.), der noch die Latte traf, oder Sow (29.) - sie alle fanden den Weg ins Tor nicht.

Der wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel kurzfristig ausgefallene Bas Dost fehlte da an allen Ecken und Strafräumen. Gerade einer wie der bald zwei Meter große Brecher hätte den Frankfurtern in der Drangperiode vor der Pause gutgetan, denn die Werder-Hintermannschaft geriet doch immer wieder arg ins Schwimmen.

Bundesligapause nach dem 2:2 gegen Werder Bremen: Noch immer ist Eintracht Frankfurt auf der Suche nach der richtigen Balance

Die Hanseaten hätten sich also nicht beschweren können, wenn sie nach 45 Minuten zurückgelegen hätten. Doch dann kam es, wie es so oft kommt, wenn man seine Möglichkeiten nicht nutzt - gerät man selbst in Rückstand. Allerdings hatte die Eintracht früh in der Partie Glück, als ein Schuss von Maxi Eggestein (7.) an die Latte prallte.

Aber auch in der zweiten Hälfte ließen die Frankfurter, die erneut eine überragende Mentalität bewiesen, nicht nach, ein paar Sekunden waren erst gespielt, da parierte Bremens Schlussmann Jiri Pavlenka einen Kopfball von Paciencia sensationell, kurz darauf spitzelte Kamada aus wenigen Metern die Kugel über die Latte. Doch dann war es Sebastian Rode, der nach einer zu kurz abgewehrten Ecke das hochverdiente 1:1 (55.) erzielte. Auch danach berannten die Frankfurter fast das Bremer Tor, sie schlugen erstaunliche 36 Flanken und schienen mit dem 2:1 auch für ihre Bemühungen belohnt. Doch das Happyend blieb dieses Mal aus.

Pikanterweise schafften die Frankfurter in einem ihrer schlechtesten Spiele am Donnerstag in Portugal einen Sieg, mit ihrer besten Leistung in der Liga nur ein Remis. Mit dem Start in die Bundesliga ist Hütter dennoch zufrieden, allerdings nicht ganz: „Mit 13 Punkten hätte ich von einem Topstart gesprochen“.

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