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Ihm will nicht viel gelingen: Stürmer André Silva am Boden. Foto: Hübner

Viele Baustellen

Eintracht in der Krise: Einfach-weiter-so ist auch keine Lösung

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    Thomas Kilchenstein
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Was Trainer Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt ändern könnte und was er besser nicht ändern sollte.

Immer dann, wenn es nicht so läuft wie gewünscht, und bei Eintracht Frankfurt läuft es gewiss nicht wie gewünscht, sondern eher hundsmiserabel, immer dann werden also Rufe nach Veränderungen laut. Längst hört sie auch Adi Hütter, der Trainer, der mit seiner Mannschaft in eine handfeste Krise geschlittert ist, die spätestens nach dem ernüchternden 2:3 gegen Vitoria Guimaraes niemand wegdiskutieren kann. Aus den letzten fünf Begegnungen holte die Eintracht einen einzigen Punkt, beim 2:2 gegen eine äußerst schwache Hertha aus Berlin. Es ist was faul im Staate Eintracht.

Eintracht Frankfurt: Welche Alternativen hat der Trainer?

Aber an welchen Stellschrauben könnte Hütter drehen?

Offenkundig ist, dass der Österreicher auf einen Personalstamm setzt, der sich selten ändert. Die angekündigte Rotation bleibt in weiten Teilen aus. Das hat einfache Gründe: Der Coach hält die Akteure, die fast immer spielen, für deutlich stärker als die Reservisten. Und die Bankdrücker machen zu wenig Druck. Seine Startformation für das Europa-League-Spiel gegen Guimaraes war nachvollziehbar, viele, die sich mit der Materie näher beschäftigen, hätten wahrscheinlich dasselbe Personal ausgewählt. Doch, und das ist der Haken an der Sache: Was tun, wenn es nicht mehr verfängt, wenn die Leistungen trotzdem nicht mehr stimmen?

Eintracht Frankfurt: Kaum Rotation im Sturm

Die Malaise beginnt in der Abwehr und endet vorne im Sturm. Da ist es offensichtlich, dass die beiden Portugiesen André Silva und Goncalo Paciencia nicht eben gut harmonieren. Beide sind nicht in Form, was per se schon mal schlecht ist, beide sind sich auch zu ähnlich. André Silva, mit vielen Vorschusslorbeeren aus Mailand gekommen, ist bisher eine einzige Enttäuschung, ohne Punch und Power, er bewegt sich auch merkwürdig in den Zwischenräumen, hat zu wenig Tiefgang und ist selten anspielbar, seine Laufwege versanden. Dazu vergab er gegen Guimaraes eine prima Gelegenheit kläglich. Sturmkollege Paciencia dreht schon länger im Leerlauf, jetzt kommt noch eine zu hohe Dosis Eigensinn dazu, gegen Vitoria übersah er einmal seinen gut postierten Sturmpartner. Sein Spiel ist zu unpräzise und unstet, einen Pass auf Mijat Gacinovic steckte er schlampig und zu steil durch – Großchance verdaddelt. Alternativen? Rar gesät, Bas Dost liegt auf Eis, Dejan Joveljic ist zu grün hinter den Ohren.

Dieses Sturmduo macht momentan wenig Sinn, vielleicht sollte Coach Hütter auf eine Spitze setzen und Daichi Kamada hängend aufbieten. Oder als Doppelzehn mit Mijat Gacinovic – in dieser Besetzung raffte sich die Eintracht zumindest zur besten Halbzeit der vergangenen Wochen auf – beim 2:1 bei Arsenal London.

Eintracht-Mittelfeld: Es fehlt der Spielmacher

Ein Problem ist sicher auch, dass das Mittelfeld, seit Jahren schon, nicht spielstark genug besetzt ist: Daichi Kamada ist klar der beste Fußballer, unterliegt aber natürlichen Schwankungen; Mijat Gacinovic ist generell ein unsicherer Kantonist, der sich in vier Jahren nicht durchsetzen konnte. Viel mehr Kreativitätpotenzial ist nicht vorhanden, Sebastian Rode sucht seine Form, Djibril Sow spielt immer, aber warum, weiß man nicht so genau. Gelson Fernandes ist ein reiner Zerstörer, Dominik Kohr ebenfalls, aber bisher weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dennoch sollte er mal wieder eine Bewährungschance erhalten. Und Lucas Torro ist weiterhin außen vor.

Das Mittelfeld, egal in welcher Besetzung, kann die großen Räume nicht schließen, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind zu groß. Oftmals reicht ein Ballverlust, zuweilen auch in des Gegners Hälfte, um den Gegner zu Kontermöglichkeiten einzuladen, die Mannschaft ist anfällig und steht viel zu offen. Das liegt auch an den Verteidigern: Filip Kostic auf links und Danny da Costa auf der anderen Seite agieren wie Flügelstürmer, das ist so gewollt und hat seine Berechtigung, aber es führt auch dazu, dass die beiden zentralen Deckungsspieler selbst oft genug wie verkappte Außenverteidiger auftreten und die Lücken zu groß werden. Überdies nehmen die offensiven Ausflüge von Martin Hinteregger überhand, die Abwehr ist häufig entblößt.

Die Außen sind keine Verteidiger

Auffällig ist außerdem, dass neben Spielern wie Sow, Paciencia oder Silva auch der rechte Läufer Danny da Costa nicht auf Touren kommt, er wirkt lange nicht mehr so spritzig und dynamisch wie früher. Aber was tun? Erik Durm, geholt, um da Costa Dampf zu machen, hat bisher selten überzeugen können. Sein Manko: Kippt zu oft ab, zieht nicht durch. Spielte zuletzt beim 0:2 gegen Wolfsburg, im FR-Klassenbuch fiel er durch: „Mangelnden Einsatzwillen konnte man ihm nicht vorwerfen, Aber es kam nichts heraus, zu ungenau, zu wenig Drive. Für was steht er eigentlich?“ Und auch Timothy Chandler, nach schwerer Knieverletzung zurück, ist noch nicht der alte, gegen Guimaraes schaffte er es nicht mal in den Kader. Riss freilich auch keine Bäume aus, wenn er mal ran durfte. Das war selten genug der Fall. Die Angelegenheit ist sensibel: Hütter muss schauen, seine Spieler bei Laune halten, ihnen das Gefühl geben, wichtig zu sein. Denn eine gewisse Aussichtslosigkeit führt zu Frust, und den kann eine ohnehin durchhängende Mannschaft nicht gebrauchen.

Eintracht Frankfurt funktioniert zur Zeit nicht

Natürlich könnte der Trainer auch dazu übergehen, alles infrage zu stellen, also die gesamte Taktik und Statik des Spiels zu verändern, womöglich die Dreierabwehr aufbrechen und die – einst von ihm favorisierte – Viererkette zu installieren. Doch ob das, drei Spieltage vor Ende der Hinrunde, der Weisheit letzter Schluss ist, darf bezweifelt werden und ist ein eher unrealistisches Szenario, zumal man den wertvollsten und gefährlichsten Spieler, Filip Kostic, seiner Stärke, den Flankenläufen mit Anlauf, berauben würde.

Andererseits ist mit einem „Einfach-weiter-so“ auch nicht geholfen, weil der Erfolg ja ohnehin ausbleibt, das Team nicht mehr funktioniert und zusehends verunsichert wirkt. Vielleicht sollte Hütter, wie auch schon in der vergangenen Saison, ab und an versuchen, den klügsten Fußballer des Teams, Makoto Hasebe, ins Mittelfeld zu ziehen. Das kann für den fast 36-Jährigen natürlich keine Dauerlösung mehr sein, aber womöglich könnte der Stratege in der Not wichtige Hilfestellungen geben. Nötig hat es das Team.

Eintracht Frankfurt Kommentar

Eintracht Frankfurt steht zwar im Sechzehntelfinale der Europa League und überwintert im DFB-Pokal, insgesamt hat die Mannschaft vom Main aber zu kämpfen. Die Magie ist perdu.

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