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5:0, Deckel drauf, und ab dafür. Eintracht Frankfurt zerlegt den FC Augsburg.

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Eintracht Frankfurt: Der Hunger ist zurück

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt kassiert weniger Tore, steht deutlich kompakter und blickt nach der derzeitigen Aufholjagd zaghaft nach oben.

  • Eintracht Frankfur t gewinnt gegen den FC Augsburg
  • Am Freitag müssen die Hessen nach Dortmund
  • Eintracht Frankfurt will selbstbewusst auftreten

Am morgigen Dienstag feiert Eintracht Frankfurts Coach Adi Hütter seinen 50. Geburtstag, kein Alter für einen Trainer. „Ich fühle mich noch jung“, sagt er selbst, aber den Feiertag will der Österreicher doch ganz gerne im Kreise seiner Lieben verbringen - also hat er für Dienstag gleich zweimal Training angesetzt, eines am Vormittag, das andere am Nachmittag. „Damit ich den ganzen Tag mit meinen Jungs zusammen sein kann“, lacht der Fußballlehrer, vielleicht gibt es danach ja Kaffee und Kuchen. So genau weiß man es nicht.

Eintracht Frankfurt: Zurück zur Tagesarbeit

Nach einem langen Wochenende mit zwei freien Tagen und der Gala gegen denFC Augsburg am Freitag ist bei den Hessen wieder Tagesarbeit angesagt, am nächsten Freitag geht es in den Westen, zu Borussia Dortmund, und angesichts eines rundum gelungenen Rückrundenstarts mit drei Siegen und einem Unentschieden und dem Weiterkommen im Pokal gegen Leipzig verwundert es nicht, wenn der Torwart Kevin Trapp beteuert, man müsse sich in Dortmund nicht verstecken. „Wenn wir so auftreten wie zuletzt, wird es für jeden schwer gegen uns.“ Da ist es wieder, das Selbstvertrauen, das ausgangs der Hinrunde verschütt gegangen war, sie ist wieder zurückkehrt, die Zuversicht, die eine Mannschaft trägt. „Wir haben viel Qualität“, sagt Trapp ferner und erinnert an die Serie im vergangenen Jahr, als Eintracht Frankfurt bis in den April hinein in elf Bundesligaspielen ungeschlagen geblieben war. Eine Neuauflage?

Vielleicht ist es ein bisschen früh, den Blick wieder nach ganz oben zu richten, Trapp weiß das natürlich auch, „das wäre vermessen“. Dazu hat Eintracht Frankfurt zum Ende der Hinrunde zu viel an Boden verloren, als in sieben Begegnungen lediglich ein mickriger Zähler aufs Punktekonto gepackt wurde. Diese Schwächephase hat die Frankfurter arg weit zurückgeworfen, wie weit, das zeigt die aktuelle, so erfolgreiche Aufholjagd: Die zehn Punkte, die die Eintracht geholt hat, waren dringend erforderlich, um überhaupt erst wieder den Anschluss zu gewinnen, um wieder in ruhigerem Gewässer zu segeln.

Eintracht Frankfurt: Die Krise ist erstmal vom Tisch

Diese Krise haben die Frankfurter fürs Erste gemeistert. Trainer Hütter hat an den richtigen Stellschrauben gedreht, er hat die taktische Ausrichtung verändert, denkt defensiver, er hat aus den Fehlern gelernt, hat zuletzt etwa häufiger das Personal gewechselt und seinen Spielern längere Ruhepausen gegönnt. In der vergangenen Rückrunde zu spät rotiert zu haben, war bei der Analyse als einer der Punkte herausgearbeitet worden, warum die Hessen zum Schluss eingebrochen waren.

Dominik Kohr zum Beispiel war eine lange Zeit außen vor, er kam bestenfalls auf Minuteneinsätze, spielte keine besondere Rolle. Am Freitagabend stand er in der Anfangsformation und machte ein gutes Spiel, Djibril Sow und Sebastian Rode saßen stattdessen auf der Ersatzbank. Rotation macht natürlich nur Sinn, wenn der Wechsel nicht auf Kosten von Qualität geht, ein weitgehend ausgeglichener Kader ist da vonnöten.

Eintracht Frankfurt legt mehr Wert auf die Defensive

Gegen Augsburg hatte Hütter in der Tat die Qual der Wahl, erstmals, fand er, „hatten wir fast eine Bundesliga-Mannschaft auf der Ersatzbank“, dort hatten Rönnow, Hasebe, Sow, Kamada, de Guzman, Rode, da Costa, Durm und Paciencia zunächst Platz genommen, allesamt Profis, die auch in der Startelf hätten stehen können.

Mehr Möglichkeiten hat Hütter nun auch durch die Verpflichtung von Stefan Ilsanker, der nach einer halben Stunde den leicht angeschlagenen David Abraham vertrat und in der Innenverteidigung bärenstark agierte - deutlich besser jedenfalls als im defensiven Mittelfeld.

Entscheidend für den momentanen Aufschwung aber ist: Eintracht Frankfurt steht deutlich stabiler, kompakter, geschlossener, zudem agieren das Team taktisch ausgesprochen diszipliniert. Das sieht nicht sonderlich attraktiv aus, manches Mal sogar arg zäh und zerfahren, andererseits ist die Defensive dadurch enorm stark. Die Eintracht hat in den letzten fünf Pflichtspielen lediglich drei Gegentore kassiert. In der letzten Phase der Rückrunde bekamen den Frankfurter im Schnitt zwei Tore pro Spiel, viel zu viel, wie Hütter fand. Und entsprechende Lehren daraus zog.

Kevin Trapp gibt der Eintracht alte Stärke zurück

Erleichternd kam hinzu, dass Kevin Trapp nach seiner schweren Schulterverletzung topfit ins Tor zurückkehrte und nahtlos, wenn nicht sogar besser, an seine alte Form anknüpfte. Trotz des Kantersiegs war es der Nationaltorhüter, der in der ersten Halbzeit die Seinen beim Stand von 0:0 mit blitzsauberen Paraden im Spiel hielt. Darüber hinaus ist er als Anspielstation und als einer, der das Spiel mit zentimetergenauen Pässen eröffnet, extrem wertvoll, regelmäßig hat der 29-Jährige 50, 55 Ballkontakte, mehr als mancher Feldspieler.

„Die Richtung stimmt zu 100 Prozent“, hat Hütter festgestellt. Die Galligkeit ist wieder da, die mannschaftliche Geschlossenheit, die Siegermentalität. Gegen die Eintracht ist es wieder schwer zu spielen, sie ist nicklig und wirkt „unglaublich stabil“, wie der Coach lobt. Und: „Wir sind wieder hungrig.“

Diese neue Kompaktheit hat sich die Eintracht Frankfurt freilich auf Kosten der spielerischen Linie erkauft, auch am Freitag war – trotz des 5:0-Kantersieges – lange nicht alles Gold, was glänzte. Gerade zu Beginn rumpelte es ganz schön. Das liegt daran, dass im zentralen Mittelfeld vornehmlich rechtschaffene Arbeiter Dienst tun, die rackern und wühlen, aber sich für den Spielaufbau nicht verantwortlich sehen. Sow, Rode, Kohr oder Ilsanker sind nicht die Strategen, die das Offensivspiel kreativ befruchten. Einer, der das kann, istMakoto Hasebe, der intelligenteste Spieler.

Es war kein Zufall, dass die Eintracht am Freitag just zu dem Zeitpunkt das Spiel besser in den Griff bekam, als der Japaner eingewechselt wurde. Auch im Pokalspiel gegen Leipzig agierte Eintracht Frankfurt spielerisch deutlich besser, auch da zählte Hasebe zur Anfangsformation. Adi Hütter muss es schaffen, genügend Fußballer wie Hasebe auf dem Platz zu haben und dennoch nicht die Kompaktheit zu verlieren. Denn ein bisschen mehr feine Klinge benötigt selbst die stabilste, widerstandsfähigste und härteste Malochertruppe.

kil und dur

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