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Adi Hütter findet in Halbzeit zwei die richtige Lösung.

Eintracht Frankfurt

Adi Hütter: „Riesenkompliment an die Mannschaft“

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Trotz äußerst wechselhafter Leistung in London besitzt Eintracht Frankfurt beste Karten für den Einzug in die K.o.-Runde der Europa League.

So recht trauten sie sich nicht, weder die Fans, noch die Spieler. Diese Situation, feiernde Frankfurter Fußballanhänger im Londoner Stadion des FC Arsenal, sollte es ja auch eigentlich gar nicht geben. Die Frauen und Männer aus dem Hessenland waren nicht erwünscht, ausgesperrt wegen schlechten Benehmens. 

Und doch gab es sie. Einige hundert Frankfurter Fans, vielleicht auch Tausend, hatten es am Donnerstagabend beim so wichtigen und ebenso überraschenden 2:1-Erfolg in der Europa League in die Arena geschafft. Sie hatten in den vergangenen Wochen extra Vereinsmitgliedschaften beim FC Arsenal abgeschlossen, sie hatten Bekannte in England um Kartenkäufe gebeten, und selbst Arsenal-Torhüter Bernd Leno besorgte aus alter Verbundenheit zu seinen ehemaligen Leverkusener Mitspielern Danny da Costa und Dominik Kohr einige Tickets.

Als also Daichi Kamada nach 55 Minuten der glückliche Ausgleich für die Eintracht gelang, machten sich auch deren Fans das erste Mal richtig bemerkbar. Zuvor hatten sie doch eher still vor sich hingefiebert, stets mit der Befürchtung, vom Londoner Sicherheitspersonal erkannt und aus dem Stadion verbannt zu werden. Dann aber ließen sich die Emotionen einfach nicht mehr einhalten, sie mussten raus, spätestens nach dem 2:1-Siegtreffer des überragenden Kamadas. 

Und die Eintracht-Profis? Die zögerten nach dem Abpfiff sichtbar, sich in die Kurve zu bewegen, sie wussten nicht so recht, wie ihnen geschah und machten dann doch vor ihren Fans und in einer ansonsten schon fast leeren Arena glücklich und zufrieden die Welle.

Eintracht Frankfurt weiß selbst nicht, was passiert ist

Nach dem unerwarteten Comeback bei den Londonern, die gestern Vormittag die Trennung von Trainer Unai Emery bekanntgaben, konnten sie es sich bei der Eintracht selbst nicht so richtig erklären, was geschehen war. Zu unterschiedlich waren die Halbzeiten, von miserabel bis meisterhaft. In den ersten 45 Minuten fanden die Hessen nicht statt, agierten „zu ängstlich, zu ehrfürchtig“, wie Trainer Adi Hütter befand, und hätten nicht nur 0:1 zurückliegen können, sondern locker auch 0:3 oder 0:4. Einzig der starke Schlussmann Frederik Rönnow und ein wenig Unvermögen aufseiten der Gastgeber verhinderten weitere Tore der Gastgeber, für die der Ex-Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang zur Führung getroffen hatte. 

Einen „Systemausfall“ attestierte Danny da Costa sich selbst, hätte damit aber auch den Zustand der ganze Mannschaft beschreiben können. Vor allem in der Offensive gelang nichts, Goncalo Paciencia und allen voran André Silva nahmen nicht am Spiel teil. Der vom AC Mailand ausgeliehene Portugiese, nur 16-mal am Ball in 45 Minuten Einsatzzeit, ist nach diesem triumphalen Abend der einzige Frankfurter Verlierer. Trainer Hütter war sichtbar angefressen ob dessen lustlos anmutender Vorstellung. Silva trottete dann auch als erster zum Mannschaftsbus, Kopf nach unten, in einen Apfel beißend, als die meisten seiner Teamkollegen noch unter der Dusche standen.

„In der zweiten Hälfte haben wir dann ein ganz anderes Gesicht gezeigt, wie waren viel bissiger. Ein Riesenkompliment an die Mannschaft“, rückte Hütter nach der Partie logischerweise die positiven Dinge des Abends in den Vordergrund. „Adi hat die richtigen Worte in der Halbzeitpause gefunden“, lobte Sportdirektor Bruno Hübner den Fußballlehrer, der nicht nur passend gesprochen, sondern auch perfekt gewechselt hatte. Silva und Gelson Fernandes durfte nicht mehr zurückkehren auf den Rasen, stattdessen spielten Dominik Kohr und Mijat Gacinovic. Beide machten ihre Sache gut, insbesondere der oft gescholtene Gacinovic ging mit Laufbereitschaft und Einsatzwillen voran und zog die Teamkollegen mit. „Arsenal hat uns am Leben gelassen, das war ihr Fehler“, sagte Abwehrmann Martin Hinteregger.

Eintracht Frankfurt mit besten Chancen

Die Eintracht spielte nach dem Seitenwechsel so, wie es sich ihr Trainer immer erhofft, wie es die Mannschaft in der vergangenen Runde so oft getan hat und in der aktuellen so selten. Mutig verteidigend, die Abwehrreihe bis an die Mittellinie geschoben, die Angreifer schon vorne am gegnerischen Strafraum attackierend. Ein höheres Risiko, das Ertrag abwarf. Der siegbringende Doppelpack von Daichi Kamada war folgerichtig, weil auch in der Hintermannschaft die Ordnung stimmte. „Wir hatten vorher drei Niederlagen am Stück in den Knochen, das war keine einfache Situation und das muss man erst einmal abschütteln“, sagte Vorstand Fredi Bobic, „die Jungs haben es nach der Pause richtig stark gemacht und unter dem Strich verdient gewonnen.“

Unter dem Strich sind die Chancen der Eintracht auf das Weiterkommen ins Sechzehntelfinale des Europapokals nun besser denn je. Neun Punkte haben die Frankfurtern aktuell gesammelt, der FC Arsenal steht mit zehn an der Spitze, Standard Lüttich mit sieben auf Rang drei. Siegt die Eintracht also am 12. Dezember im eigenen Stadion gegen die bereits ausgeschiedenen Portugiesen von Vitoria Guimaraes, wäre sie vier Tage später sicher im Lostopf für die K.o.-Runde vertreten.

Verliert die Eintracht, dürfte Lüttich für ein Weiterkommen des Bundesligisten nicht gewinnen. Spielt die Eintracht remis, müsste gerechnet werden. Adi Hütter möchte mathematische Gehirnzellenprüfungen am liebsten vermeiden. Er sagte kurz und knapp: „Jetzt haben wir es in der eigenen Hand.“ Und aus der wollen sie sich den Einzug in die nächste Runde nicht mehr wegschnappen lassen.

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