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Fußballlehrer mit Passion: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Trainer wird 50

Wo Adi Hütter ist, ist oben

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Der smarte Eintracht-Trainer hat seine erste richtige Krise gemeistert – eine gewisse Härte gehört allemal dazu.

  • Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter hat Geburtstag
  • Der Fußballlehrer wird 50 Jahre alt
  • Eintracht Frankfurt trägt inzwischen seine Züge

Er blicke, erzählt der Trainer Adi Hütter von Eintracht Frankfurt im großen Geburtstagsinterview zu seinem 50. Wiegenfest, auf „eine tolle Kindheit, eine tolle Jugend“ und, na klar, „ein tolles Fußballerleben“ zurück. Das klingt nach einer ganze Menge persönlicher Glückseligkeit und verdammt wenig Steigerungspotenzial. Adi Hütter, vor einem halb Jahrhundert in Hohenems in Vorarlberg geboren, hat sich einem Leben im Zeichen des Fußballs verschrieben, schon als kleiner Bub habe er zum Entsetzen seiner Lehrerin die Kickerei als Traumberuf bezeichnet. „Ich habe es mir in den Kopf gesetzt.“

Der Anfang bei Eintracht Frankfurt war nicht leicht

Und weil er neben Beharrlichkeit auch Talent im Überfluss mitbrachte, weil er Zeit seines Lebens „lieber dem Ball als den Frauen hinterhergelaufen“ ist, hat es der Österreicher erst zum Profispieler und dann zum Profitrainer geschafft. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts wurde der Coach peu à peu nach oben gespült, über den SCR Altach, SV Grödig, RB Salzburg und Young Boys Bern packte er den Sprung nach Deutschland zur Eintracht. Überall, wo er wirkte, war er erfolgreich, feierte Aufstiege, Pokalsiege, Meisterschaften, Eintracht Frankfurt schenkte er die Halbfinalteilnahme derEuropa-League und eine epische Schlacht gegen den FC Chelsea, zudem die erneute Teilnahme am internationalen Geschäft. Die kurze Formel lautet: Wo Hütter ist, ist oben. „Ich habe gut gearbeitet die vergangenen zehn Jahre“, sagt er selbstbewusst, aber nicht überheblich. „Ich mache einen tollen Weg als Trainer.“

Sehr viele Krisen hat er nicht bewältigen müssen, okay, am Anfang lief es in Frankfurt arg holprig, und er ist klug genug zu wissen, „dass es auch nach sieben Spielen hätte vorbei sein können“. War es aber nicht. Die bisher schwierigste Phase musste er vor Weihnachten überstehen, als sein Team im freien Fall nach unten durchgereicht wurde. Es war auch das erste Mal, dass sich der Erfolgstrainer erstmals mit dem Abstiegskampf befassen musste. Hütter hat gegen Ende der Hinrunde nicht mehr alles richtig gemacht, ließ sich, wie die FR urteilte, „von der allgemeinen Verunsicherung anstecken“. Mal versuchte er, hinten dichtzumachen, was schiefging (Mainz, Köln), dann wechselte er in Paderborn plötzlich das System, auch seine personellen Rochaden (insgesamt 16 Wechsel in den drei Partien vor der Winterpause) verfingen nicht. „Die Pause“, sagt er jetzt, „hat uns gut getan. Auch mir.“

Eintracht Frankfurt mit vier Siegen aus fünf Pflichtspielen

Der Coach hat mit seinen Vertrauten die Situation analysiert und seine Lehren gezogen, das System wurde umgestellt, der Zusammenhalt gestärkt und die Reihen geschlossen. „Ich habe einen klaren Plan gehabt, wie wir es angehen wollen. Wir haben an den richtigen Schrauben gedreht und die Situation gut gemeistert.“ Darauf ist er, nach vier Siegen aus fünf Pflichtspielen, „sehr stolz“.

Hütter hat sich während der sportlichen Schaffenskrise nicht verbiegen lassen, ist ruhig geblieben, hat von Aktionismus oder öffentlichen Rundumschlägen abgesehen. Vielmehr hat sich der Buchautor („Teamgeist: Wie man ein Meisterteam entwickelt“) der misslichen Lage sauber analytisch genähert und versucht, pragmatische Lösungen zu finden. Und er ist bemüht darum, Fehler aus der Vergangenheit zu vermeiden, gegen Augsburg etwa besetzte er das komplette Mittelfeld neu und gab etwa Dominik Kohr, lange Zeit außen vor, eine Bewährunchance (die dieser durchaus nutzte). Diese Wechsel sind laut Hütter eine Folge der Aufarbeitung aus der vergangenen Saison, als er die Rotation zu spät in Gang setzte und die Mannschaft am Ende total ausgebrannt war. Das soll nun vermieden werden.

Der Kader von Eintracht Frankfurt trägt seine Züge

Der smarte Hütter ist freundlich und besonnen, er kann aber auch anders, ein anderes Gesicht zeigen. Er führt die Mannschaft nicht nur mit langer Leine, sondern auch mal mit harter Hand. Evan Ndicka hat das in der Vorsaison zu spüren bekommen, auch zu Ante Rebic war das Verhältnis angespannt, jüngst las er Stürmer Goncalo Paciencia die Leviten. Seine Ansagen sind klar, er steht für Geradlinigkeit und Konsequenz. Wenn er das Gesamtwohl gefährdet sieht, wird’s ungemütlich. Zielstrebigkeit und eine gewisse Strenge gehören im Profigeschäft dazu. „Ich bin ein Trainer, der manchmal stur ist und seinen eigenen Weg geht.“

Hütter, der seine Mannschaft anlässlich seines Geburtstags zum Mittagessen einlädt, ist ein Verbesserer, er hat viele Spieler entwickelt und sie auf das nächstes Level gehoben, unter seiner Führung wurden die Stürmer Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller zu den drei Büffeln – Hütter hatte den Mut, sie alle zusammen einzusetzen. Unter Vorgänger Niko Kovac spielte zumeist nur einer von ihnen.

Eintracht Frankfurt sollte mit Adi Hütter verlängern

Und er nimmt deutlich mehr Einfluss, der aktuelle Kader trägt seine Züge, er war es, der deutschsprachige, stabile, handfeste Spieler wie Djibril Sow, Martin Hinteregger, Stefan Ilsanker oder auch Domink Kohr unbedingt verpflichten wollte und sie auch bekam. Nicht immer ging das ohne zünftige Diskussionen ab, auch weil Sportvorstand Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga die ursprüngliche Philosophie, junge, entwicklungsfähige Spieler zu holen, sie gut auszubilden und teuer zu verkaufen, weiter verfolgen wollen. Das ist vernünftig, denn bis auf Filip Kostic, der im Sommer 40, 50 Millionen bringen könnte, und mit Abstrichen Evan Ndicka (Marktwert 20 Millionen) sind ab Sommer keine Spieler an Bord, die Unsummen abwerfen werden. Man wird eine gute Balance finden müssen zwischen Transfers, die Stabilität garantieren, und solchen, die Fantasie und ein wenig Risiko beinhalten.

Und der Verein sollte zusehen, den 2021 auslaufenden Vertrag mit Adi Hütter zu verlängern. Denn in seinem Karriereplan ist die Eintracht bestimmt nicht als Endstation vorgesehen.

Eintracht Frankfurt im TV

Das DFB-Pokalheimspiel der Eintracht gegen Werder Bremen ist endgültig terminiert, das Viertelfinale wird erwartungsgemäß am Mittwoch, 4. März, 20.45 Uhr, angepfiffen. Die Begegnung wird im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt, die ARD überträgt live. Dass das Spiel auf Mittwoch gelegt wird, war sehr wahrscheinlich, weil die Eintracht am Sonntag noch im Einsatz ist, am 1. März gastiert sie in der Bundesliga in Bremen. Auch das Topspiel des Viertelfinales zwischen Schalke 04 und Bayern München wird live in der ARD gezeigt, am Dienstag, 3. März, um 20.45 Uhr. (FR)

Der Kommentar: Panik? Welche Panik? Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic spricht nach gelungenem Rückrundenauftakt von „lächerlicher Panik“ im „Umfeld“. Kann man machen, muss man aber nicht.

Ein Eintracht-Fan erobert gerade mit einer Aufkleber-Aktion ganz Deutschland. Auch Peter Fischer macht mit. 

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