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Gut getarnt ist halb gewonnen: Der Portugiese André Silva will gegen seine Landsmänner den Stürmerfluch der Eintracht brechen. 

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Eintracht Frankfurt: Hoffen auf die Initialzündung gegen Guimaraes

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Eintracht Frankfurt will gegen Guimaraes den Einzug ins Sechzehntelfinale der Europa League perfekt machen und sich Schwung für die Liga holen - auch wenn es kompliziert wird.

Auf Rechenspiele jedweder Art hat der Frankfurter Adi Hütter mal so gar keine Lust. Die Frage, was also wäre, wenn Standard Lüttich in der Europa-League-Gruppe F heute den FC Arsenal mit einer bestimmten Anzahl an Toren besiegen und die Eintracht ihrerseits im Heimspiel gegen Vitoria Guimaraes über ein Remis nicht hinauskommen würde, beantwortet Coach Hütter denkbar knapp: „Wir wollen unbedingt gewinnen, dann müssen wir auch nicht rechnen.“ Das ist korrekt.

Eintracht Frankfurt: Drei Punkte machen alles klar

Bei einem Dreier am Donnerstagabend (18.55 Uhr/live bei Dazn und im Ticker) gegen die Portugiesen ist der Eintracht der Einzug ins Sechzehntelfinale nicht mehr zu nehmen, da könnte Standard Lüttich über Arsenal auch mit, sagen wir, 13:1 hinwegfegen, was vielleicht nicht die realistischste aller Varianten ist. Es gibt aber durchaus Konstellationen, „komplizierte Konstellationen“ (Hütter), die man als Profiklub natürlich ins Kalkül ziehen muss. Etwa diese: Sollte Lüttich mit drei Tore Unterschied gewinnen oder mit zwei Treffern (ab einer Höhe von 3:1) und die Eintracht nur einen Punkt ergattern, wären die Frankfurt raus, da die Belgier dann in einer Dreierkonstellation mit dem FC Arsenal die bessere Tordifferenz aufweisen würden beziehungsweise mehr Tore geschossen hätten. Klare Sache, oder?

Da das ganze Prozedere für einen Normalsterblichen ohne Hochschulabschluss und zusätzlichem Spaß am Tüfteln nur schwerlich zu verstehen ist, hat Adi Hütter Pressesprecher Marc Hindelang damit beauftragt, sich für den Fall der Fälle zu wappnen. Das hat der 52-Jährige sehr gewissenhaft erledigt und dankenswerterweise auch den Medienvertretern eine WhatsApp mit allen möglichen Konstellationen geschickt. „Ich vertraue Marc da“, befindet Hütter augenzwinkernd.

Adi Hütter traut der Eintracht den Sieg zu

Seiner Mannschaft traut der Fußballlehrer aber sehr wohl zu, die Sache in 90 Minuten selbst zu regeln und das Überwintern auf internationaler Bühne zu gewährleisten. „Wir wollen das unbedingt schaffen“, sagt Hütter mit Emphase. Das sage und schreibe 20. Europapokalspiel in diesem Jahr, was gleichzeitig einen deutschen Rekord darstellt, wertet der Trainer als „unglaublich wichtiges“, schließlich sei das Überstehen der Gruppenphase ein „großes Ziel“ der Eintracht gewesen.

Dafür hat sie einiges auf sich genommen, die Ochsentour der Qualifikation mit Partien gegen Leichtgewichte wie Flora Tallinn und den FC Vaduz sowie einen Mittelgewichtler wie Racing Straßburg, zudem insgesamt fünf Duelle in der Gruppe gegen Guimaraes (1:0), Arsenal (0:3, 2:1) und Lüttich (2:1, 1:2). Auf den letzten Metern wollen die Hessen nicht noch alles verspielen, sondern den Matchball sicher verwandeln. Für Hütter ist die heutige Begegnung gegen das abgeschlagene Schlusslicht aus Portugal auch deshalb von einiger Bedeutung, da er sich gerade im Hinblick auf das Hinrundenfinale in der Bundesliga eine emotionale Beflügelung wünscht. „Eine Initialzündung für die letzten elf Tage könnten wir gut gebrauchen“, bekundet der Österreicher. „Ich hoffe darauf, dass wir den Schwung mitnehmen können.“

Eintracht Frankfurt muss am Sonntag gegen Schalke ran

Zumal es in der Liga zuletzt ja arg holprig lief, aus den letzten vier Partien gab es nur einen Punkt, am vergangenen Freitag beim 2:2 gegen Hertha BSC. Vor den abschließenden Partien am Sonntag auf Schalke, am Mittwoch gegen den 1.FC Köln und zwei Tage vor Heiligabend in Paderborn wäre die Eintracht für einen Stimmungsaufheller und eine Brise Rückenwind dankbar, um sich zunächst einmal nach unten abzusichern und sich für einen möglichen Angriff die Rückserie in Stellung zu bringen.

Für diese bislang so gleichförmig verlaufene und emotional seltsam unaufgeregte Saison wäre ein europäisches Glanzstück sicher ein Beschleuniger, für den Klub wäre der abermalige Einzug in die K.o.-Phase ein weiterer Prestigeerfolg und ein Wachstumstreiber auf vielen Feldern. „Wir würden unser Ansehen noch mal aufpolieren“, betont der Trainer. Hütter hat mit der Eintracht bereits 26 Partien mit europäischem Anstrich absolviert, „das ist eine Menge Holz“, er hat dem Verein schon einige unvergessliche Momente geschenkt, den deutschen Rekord in der Gruppe (sechs Siege in sechs Spielen), magische Nächte in Frankfurt oder die epische Schlacht im Halbfinale gegen den FC Chelsea samt Aus im Elfmeterschießen und tragischer Heldengeschichten. Er selbst erinnert sich besonders gerne an das erste Heimspiel gegen Lazio Rom, „das mir ewig in Erinnerung bleiben wird“, oder auch das Rückspiel im Viertelfinale gegen Benfica Lissabon oder einen emotionalen Kracher wie jenen gegen Racing Straßburg. „Auch bei Arsenal London zu gewinnen, ist sicher nicht alltäglich.“

Eintracht Frankfurt baut auf den Portugal-Sturm

Dieser 2:1-Erfolg vor zwei Wochen, überraschend und quasi aus dem Nichts, hat die Tür fürs Sechzehntelfinale erst weit geöffnet – und die Mannschaft soll heute durchmarschieren. Leicht wird das nicht, Guimaraes hat zwar nur zwei Punkte gesammelt und ist bereits ausgeschieden, doch chancenlos war Vitoria in keinem Spiel, selbst in London führten die Iberer mit 2:0. „Sie werden sich so teuer wie möglich verkaufen“, glaubt Hütter. „Sie haben ihren Stolz.“

Bei derEintracht soll der Portugal-Sturm für die nötigen Treffer sorgen, selbst wenn Goncalo Paciencia und André Silva in Europa bisher noch gar nicht getroffen haben. „So ist der Fußball“, sagt Nationalspieler Silva lakonisch. „Aber wenn die Verteidiger treffen und wir gewinnen, soll es mir recht sein.“ Hütter hat mit seinem glücklosen Angreifer vor zwei Wochen ein längeres Gespräch geführt. „Das mache ich, um den Jungs Klarheit zu geben und ihnen Wege aufzuzeigen.“ Silva sei ein „sensibler Spieler, ein fantastischer Fußballer“, der Tore machen könne, aber auch Selbstvertrauen und Fitness brauche.

Seine hartnäckigen Achillessehnenprobleme habe er abgeschüttelt, berichtet der 24-Jährige, er sei jetzt zu „200 Prozent“ fit, wie er lächelnd anmerkt. Im Fußball, schiebt er ernst nach, hänge es manchmal an Kleinigkeiten, aber er habe sich schnell an die Bundesliga gewöhnt und werde schon noch seine Tore machen. „Fußball ist Fußball, wir haben alle nur eine Sprache.“

Der Vergleich

In unserem total objektiven Städtevergleich nehmen wir die zwei Kontrahenten unter die Lupe. Wenig überraschend ist der Sieger.

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