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Traf im Hinspiel in Guimaraes entscheidend per Kopf für Eintracht Frankfurt, natürlich nach einem Standard: Evan Ndicka (vorne). 

Eintracht gegen Guimaraes

Eintracht Frankfurt: Endspiel um Europa, Teil 2

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Mit einem Sieg über Vitoria Guimaraes hätte Eintracht Frankfurt ein wichtiges Teilziel erreicht - der Einzug ins Sechzehntelfinale der Europa League wäre perfekt.

Wenn am Donnerstagabend gegen 18.55 Uhr das Spiel der Frankfurter Eintracht gegen Vitoria Guimaraes angepfiffen wird, dann ist es in diesem Kalenderjahr bereits die 20. Begegnung der Hessen auf internationaler Bühne. So viele Spiele in Europa hat im Jahr 2019 keine andere Bundesligamannschaft bestritten, nicht Bayern München, nicht Borussia Dortmund, und auch nicht RB Leipzig. Gut, die Frankfurter hatten sich im ersten Halbjahr noch acht Spiele bis zum Halbfinale und dann im Sommer die Ochsentour mit sechs Qualifikationsspielen aufgeladen, dafür durften die Frankfurter aber jede Menge internationale Erfahrung sammeln. Und die sollte ihr im letzten und entscheidenden Gruppenspiel zugute kommen.

Es ist mal wieder ein wichtiges Spiel, es geht ums Überwintern in der Europa League, das ist das große Ziel der Eintracht, zumal die Mühen der Ebene in der Bundesliga nicht zu übersehen sind. Eine gewisse Stagnation im Niemandsland der Tabelle kann niemand mehr wegreden. Es tut auch keiner, insofern freut sich die Gemeinde auf die Spiele mit dem ganz besonderen Kick. Es ist ein K.o.-Spiel, ein Endspiel um Europa, das zweite nach jenem in London, aber auch ein Spiel, das für Stimmung und Atmosphäre innerhalb des Klubs und des Umfeldes eminent wichtig ist. Ein Sieg gegen ausgeschiedene Portugiesen aus Guimaraes, aktuell Fünfter in der heimischen Liga, und eine weitere Runde Europapokal im Februar wäre den Hessen sicher. Ein Aus in Europa wäre ein ziemlicher Schock.

Eintracht Frankfurt hat es selbst in der Hand – Vorteil gegenüber Lüttich

Eintracht Frankfurt liebt diese Spiele, in denen es um viel geht, liebt die Spiele im gleißenden Scheinwerfer- zumindest Flutlicht, reißt sich da allemal zu herausragenden Leistungen zusammen, packt noch ein paar Prozent mehr drauf - und dann spielt es keine Rolle mehr, dass die Frankfurter Eintracht morgen ihr bereits 52. Pflichtspiel in diesem Jahr gespielt hat. Physisch sei die Mannschaft top, wird Trainer Adi Hütter nicht müde zu betonen, an Einsatz, Mentalität und Charakterstärke hat es ja nie gemangelt.

Diese Tugenden haben die Frankfurter in die komfortable Lage versetzt, wieder alles in der eigenen Hand zu haben. Der überraschende Sieg jüngst beim FC Arsenal hat die Ausgangssituation dramatisch verbessert, die Eintracht ist nach dem Knock-out in Lüttich in der Nachspielzeit im letzten Spiel der Gruppe F nicht mehr auf Schützenhilfe aus London angewiesen - ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Und diesen Vorteil sollte sich die Eintracht nicht mehr nehmen lassen. Mit drei Zählern wäre sie in jedem Fall weiter, selbst bei einem Sieg Lüttichs gegen Arsenal. Ein Unentschieden würde ebenfalls reichen, falls die Belgier ihrerseits nicht gewinnen.

Eintracht Frankfurt: Weiterkommen in der Europa League lohnt sich auch finanziell

Ein Weiterkommen würde sich natürlich auch finanziell lohnen, für den zweiten Gruppenplatz schüttet die Uefa an Prämien 500.000 Euro aus (der Erste erhält eine Million Euro), für die Qualifikation für das Sechzehntelfinale gibt es eine weitere halbe Million. Sollte die Eintracht ihren dritten Gruppensieg einfahren, kommen 570.000 Euro aufs Konto. Als Startprämie für die Gruppenphase gab es ohnehin bereits 2,75 Millionen. 

Eintracht Frankfurt in der Europa League: Die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Vitoria Guimaraes im Live-Ticker

Sollten die Hessen also die Partie gegen Guimaraes gewinnen und sich als Gruppenzweiter qualifizieren, hätten sie allein an Prämien der Uefa knapp 5,5 Millionen Euro eingestrichen - und dazu kommen noch Gelder aus dem Fernsehvertrag und dem Marketingpool. Die Auslosung für die Partie der letzten 32 Teams findet übrigens am kommenden Montag, 16. Dezember, in Nyon statt, die Spiele im Sechzehntelfinale sind für den 20. und 27. Februar angesetzt.

Kein Stürmer von Eintracht Frankfurt hat in der Gruppenphase der Europa League getroffen

Eintracht Frankfurt wird also gut beraten sein, das eine oder andere Tor zu erzielen, selbst wenn in fünf Gruppenspielen zuvor noch kein Stürmer getroffen hat: Alle bisherigen sechs Treffer waren von Abwehrspielern (Ndicka, Abraham, Hinteregger) oder Mittelfeldspielern (Kostic, zweimal Kamada) erzielt worden. Und Standards, die neue Frankfurter Stärke, waren dabei entscheidend: Fünf der sechs Tore fielen durch oder unmittelbar nach ruhenden Bälle, lediglich der Treffer des Japaners Kamada zum 1:1 in London resultierte aus dem Spiel heraus. Fluch und Segen zugleich.

Für das morgige Spiel dürfte der Kapitän in die Mannschaft zurückkehren, David Abraham ist ja wegen seines Checks gegen den Freiburger Coach Christian Streich in der Bundesliga zur Untätigkeit verurteilt worden, europäisch darf der Abwehrrecke aber ran. Auch Dominik Kohr, in der Liga noch für ein Spiel gesperrt, wäre in der Europa League einsatzbereit - sofern Trainer Hütter ihn in die Mannschaft einbauen will. Sicher ist das nicht.

Eintracht Frankfurt: Kuriose Konstellation möglich 

Es gibt am letzten Spieltag der Gruppe F eine kuriose Konstellation, bei der die ersten drei Klubs, Arsenal, Eintracht und Standard, auf je zehn Punkte kämen: dann nämlich, wenn die Frankfurter 1:1 gegen Guimaraes spielen und Lüttich 1:0 gegen Arsenal gewinnt. London hätte dann ein Torverhältnis von 12:6, die Eintracht und Lüttich jeweils 7:8. Erstes Kriterium bei Punktgleichheit ist der direkte Vergleich, da wäre Arsenal gegen beide Gegner besser, Arsenal qualifiziert sich als Tabellenführer fürs Sechzehntelfinale. 

Wie geht es dann bei Frankfurt und Lüttich weiter? Der direkte Vergleich - jeweils 2:1 - wäre identisch, Tordifferenz, Anzahl der Tore sowie Anzahl Auswärtstore im direkten Vergleich ebenfalls. Danach würde die Tordifferenz aus allen Gruppenspielen herangezogen, die wäre bei beiden Klubs ebenfalls identisch (minus 1) ebenso wie die Anzahl erzielter Tore (jeweils 7). Nun käme es auf die höhere Anzahl erzielter Auswärtstore an - und da ist Eintracht Frankfurt vorne: Die Hessen haben in Guimaraes (1:0), in Lüttich (1:2), in London(2:1) getroffen, ergibt vier Treffer. Lüttich traf nur in Frankfurt (1:2) und Guimaraes (1:1) - und unterlag in London 0:4. Die Eintracht würde somit europäisch überwintern. 

Von Thomas Kilchenstein

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