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Eiskalt im Abschluss: Ante Rebic bei seinem Abschlusstor zum 5:3 für die Eintracht.

Eintracht Frankfurt

Ante Rebic - ein Heißsporn on Fire

Ante Rebic schnürt in Windeseile einen Hattrick und bewahrt die Eintracht im Alleingang vor einer Blamage in Mannheim.

Mitte der ersten Hälfte gingen dem Frankfurter Stürmer Ante Rebic die Gäule durch. Einen zweiten Ball, der versehentlich auf das Spielfeld geworfen wurde, donnerte der 25-Jährige mit Vollspann hinauf in die Zuschauerränge, was im ohnehin sehr stimmungsvollen Mannheimer Stadion ein wildes Pfeifkonzert auslöste. Es war die bis dahin auffälligste Aktion des kroatischen Nationalspielers in diesem DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof und der Eintracht, es war eine Aktion, in der sich der gesamte Frust entlud, und Frust hatte sich en masse in Rebic aufgestaut.

Schiedsrichter Felix Brych ermahnte den Heißsporn, und selbst Trainer Adi Hütter fand die Kurzschlussreaktion nicht so wirklich dufte. „Das hat mir nicht gefallen.“ Der Eintracht-Coach sagte aber auch noch: „Wer hier der Matchwinner war, muss ich wohl nicht extra erwähnen.“ Ante Rebic, natürlich.

Ante Rebic hat in Mannheim den Unterschied gemacht

Der bullige Angreifer aus Dalmatien hat an diesem Sonntag in Mannheim den Unterschied gemacht, den aufmüpfigen Drittligisten quasi im Alleingang in die Knie gezwungen, der Spielfilm im Schnelldurchlauf: 3:3 Rebic (76.), 3:4 Rebic (82.), 3:5 Rebic (88.) – Aus die Maus. Zwölf Minuten hat der Angreifer für seinen Hattrick und der Entscheidung in einem höchst umkämpften Spiel gebraucht. Das gelingt nicht alle Tage. Hinterher ist er, wie immer, an den wartenden Reporter vorbei geflitzt, Interviews mag der nicht immer pflegeleichte Spieler gar nicht. 

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Dafür haben andere über den bald 26-Jährigen gesprochen. „Weltklasse“, sagte Kapitän David Abraham, dessen Leistung so ziemlich das Gegenteil davon war. „Wir brauchen Ante, seine Aggressivität und seine Zweikampfstärke.“ Routinier Makoto Hasebe, erneut tadellos, adelte den Mitstreiter als Fußballer, „der den Unterschied macht“. Und Neuzugang Erik Durm, der in der Halbzeit für den matten Danny da Costa eingewechselt wurde und mächtig Dampf machte, hat den Vizeweltmeister von 2018 in der Kürze der Zeit schon gut kennengelernt. „Ante ist ein brutal guter Spieler.“

Ante Rebic steht sinnbildlich für das wilde Duell gegen Mannheim

Rebic stand irgendwie sinnbildlich für dieses wilde Duell in der Kurpfalz. Denn im ersten Abschnitt erweckte der schnelle Stürmer, mal defensiv formuliert, nicht unbedingt den Eindruck, als würde er vor Einsatzfreude sprühen und sich auf dem Feld zerreißen. Im Gegenteil, vieles wirkte gar etwas lethargisch und lustlos, wenn er den Ball verlor, was oft vorkam, blieb er einfach stehen. „Er hat am Anfang die Zweikämpfe nicht so angenommen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner zurückhaltend. „Das braucht er aber für sein Spiel.“ Rebic war mit dieser laxen Haltung, das sei der Fairness halber erwähnt, nicht alleine. „Die ganze Mannschaft hatte nicht die Bereitschaft“, kritisierte Coach Hütter.

Und dann lässt Rebic im zweiten Abschnitt mal schnell und en passant seine große Klasse aufblitzen, beim ersten Tor staubte er noch locker ab, das 4:3 machte er in Manier eines eiskalten Torjägers, und bei seinem dritten Streich streichelte er den Ball mit der Sohle am starken Waldhof-Torwart Markus Scholz vorbei und tänzelte mit ihm ins Tor.

Zukunft von Ante Rebic ist weiter ungeklärt 

Im Nachgang sind die Verantwortlichen wieder gelöchert worden, ob der Spieler denn auch bleibe oder den Verein doch noch verlasse, bis zum 2. September besteht dazu die Möglichkeit. Rebic ist der letzte des magischen Dreigestirns im Eintracht-Angriff, Luka Jovic (derzeit verletzt bei Real Madrid) und Sebastien Haller, der bei West Ham United am Wochenende gleich mal den Geschmack der Premier League kennenlernte und zu Hause von Manchester City mit 0:5 vermöbelte wurde, haben ja schon das Weite gesucht.

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Trainer Hütter bleibt bei den sich wiederholenden Fragen ruhig, aber man spürt, dass ihn das Thema nervt. Bis zur Schließung der Transferperiode sei noch einiges möglich, er könne nicht abschätzen, ob sich der Kroate anderweitig orientieren möchte. Ein Verlust wäre das auf jeden Fall, selbst wenn die Ablöse 50 Millionen Euro betragen würde, wovon aber nur etwas mehr als die Hälfte in die Kasse der Eintracht fließen würde, der Rest ginge an seinen Ex-Klub, den AC Florenz. Die Eintracht würde den Pokalhelden von 2018 dennoch ziehen lassen, wenn dieser den Wunsch äußern und die Finanzen stimmen würden.

Hütter geht mit der Personalie dennoch recht entspannt um. „Wichtig ist, dass wir gewappnet sind, falls es so kommt“, befindet er. „Und das sind wir.“

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