Henni Nachtsheim

Eintracht Frankfurt: Saugut und großartig

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Die Fußball-Bundesliga ist wieder mittendrin, natürlich hat sich unser Redakteur Ronny Th. Herteux bei Henni Nachtsheim erkundigt, wie er die Lage - nicht nur über die SGE - einschätzt.

Hallo Herr Nachtsheim, ein Unentschieden kann ganz schön unterhaltsam sein. Je nachdem, auch besser als ein 4:0 oder 0:2. Waren Sie vom 1:1 der Eintracht gegen Dortmund gleichermaßen begeistert wie die meisten Besucher in der Commerzbank-Arena?

Henni: Unbedingt! Es war ein saugutes Fußballspiel, und ich fand es großartig, dass die Eintracht (und das nicht das erste Mal in dieser Saison) daran beteiligt war. Und auch, wenn es weder meine Söhne sind, noch ich irgendeinen Einfluss auf das Spiel hatte (von meinen Eintracht-Socken als Glücksbringer mal abgesehen), war ich irgendwie stolz auf die Jungs! Das ist sicherlich irrational, aber schön war es trotzdem!

Und das Spiel hat auch eines gezeigt: Wille, Kampfkraft, Ehrgeiz, Laufbereitschaft, Mentalität und und und können einer Mannschaft mit Grazie, Eleganz und Spielwitz ganz schön zusetzen.

Henni: Stimmt! Als die Dortmunder in der ersten Halbzeit ihre "irren zehn Minuten" mit den drei ungenutzten Reus-Chancen hatten, habe ich das ähnlich empfunden wie bei "Rocky 4", als Rocky Balboa im Kampf gegen Ivan Drago eine Zeit lang dermaßen vermöbelt worden ist, dass man gedacht hat: "Des packt er net!" Aber genau wie Rocky hat die Eintracht auch wieder die Kurve gekriegt und sich teuer verkauft.

Nach diesem Leitfaden sollte die Eintracht auch in den kommenden schweren Aufgaben verfahren. In Leipzig, gegen Mönchengladbach und zweimal gegen Donezk. Das stimmen Sie doch zu?

Henni: Ja. Wobei es mich schon stutzig macht, dass ich Ihnen dauernd recht gebe, das kenne ich so gar nicht. Egal, das Spiel taugt auf jeden Fall als emotionales Dopingmittel für die nächsten Wochen. Auf die ich mich, bei allem Wissen um die schweren Aufgaben, echt freue!

Sebastian Rode von null auf 100

Was halten Sie übrigens von den Darbietungen des lange von Verletzungen geplagten Sebastian Rode, der nach seiner Rückkehr nach Frankfurt richtig aufzublühen scheint.

Henni: Es ist tatsächlich so, als sei er nie weg gewesen. Und seine Mischung aus guter Technik und Robustheit ist gut für die Mannschaft. Das ist ein bisschen so, wie wenn du einen Mitschüler in der Klasse hast, der dir gerne mal bei einer komplizierten Mathematik- oder Physikaufgabe hilft, sich aber auch nicht scheut, dem Depp aus der Nachbarklasse mal ordentlich eine auf die Nuss zu geben!

Apropos baldiger SGE-Gegner Mönchengladbach. Ein geschätzter Kollege postet immer stolz die Tabelle, wenn die Fohlen gewinnen und jetzt sogar auf Rang zwei vorgestoßen sind. "Sieben Punkte Rückstand auf den Tabellenführer, das ist höchstens suboptimal. Da waren die Fohlen in den 70ern erfolgreicher", habe ich ein wenig augenzwinkernd kommentiert. War das zu hart?

Henni: Sie sind eben ein Scherzbold Herr Herteux! Aber ungeachtet dessen, hinken solche Vergleiche mit früheren Erfolgszeiten natürlich. Viel beachtenswerter ist es doch, dass Vereine wie Gladbach oder auch die Eintracht heute immer noch da und so präsent sind. Denn auch wenn es Abstiege in die 2. Liga gab, sie sind trotzdem wieder zurückgekommen und mischen heute oben mit. Das ist eine nicht zu unterschätzende Vereins-Lebensleistung. Was sie zum Beispiel bei Alemannia Aachen, 1860 München oder RW Essen bestätigen werden.

Ist der FCB den Titel schon los?

Apropos Tabellenplatz zwei. Den sind die Bayern los. Die Meisterschaft auch?

Henni: Ich hätte zumindest nichts dagegen.

Zum Schluss noch zwei Zitate aus dem aktuellen Fußball-Geschehen. Drittligist KFC Uerdingen hat einen neuen Coach: "Wir freuen uns, dass wir in Norbert Meier einen erfahrenen Trainer gefunden haben, der unsere Spielphilosophie teilt, und von dem wir überzeugt sind, dass er zu unserem Team passt", sagte KFC-Präsident Michail Ponomarew. Das hört sich an wie aus einem Modulbaukasten, nur Namen werden ausgetauscht.

Henni: Da haben Sie schon wieder recht, im Fußball reiht sich eine Phrase an die nächste. Andererseits, was soll er stattdessen sagen? So was wie "Wir haben Norbert Meier verpflichtet, weil wir bei unseren begrenzten finanziellen Mitteln keinen Besseren bekommen haben. Wir finden ihn auch nur begrenzt sympathisch, aber hoffen wir mal, dass es einigermaßen gut geht und er uns Peinlichkeiten wie damals diese Kopfnuss-Geschichte mit Albert Streit erspart!"

Das wäre besser als jede Büttenrede gewesen. Als Ponomarew allerdings hätte ich auch eher zur Phrase gegriffen. Um einiges pfiffiger Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick über die Höhe des Vertragsangebotes für Nationalstürmer Timo Werner: "Dass er woanders mehr verdienen kann, glaube ich auch. Aber er wird bei uns trotzdem dreimal warm essen und sich das eine oder andere leisten können. Auch mit der Unterschrift unter den Vertrag, den wir ihm vorgelegt haben, wird er für den Rest seines Lebens ausgesorgt haben." Nicht schlecht, oder?

Henni: Der Joke mit den drei warmen Mahlzeiten ist jetzt nicht gerade neu, und Ralf Rangnick deswegen zur deutschen Comedy-Szene zu zählen, halte ich für ziemlich übertrieben. Dass die Top-Spieler in der Bundesliga tatsächlich alle sehr gut verdienen, steht ja außer Frage. Ich glaube aber, dass die sportliche Perspektive oder auch die Attraktivität eines Vereins zumindest für den einen oder anderen eine Rolle spielen, und bei Timo Werner würde mich nicht überraschen, wenn das, bei aller Kohle, entscheidend sein wird.

Wollen wir wenigstens dieses Zitat in den Frankfurter Modulbaukasten aufnehmen, wenn Vertragsverhandlungen mit Jovic, Heller, Rebic, Trapp, da Costa, Ndicka und/oder Fernandez anstehen?

Henni: Nein, wir sollten sie besser während der Transferperiode im Handkäs-Keller einer Frankfurter Apfelweinkneipe einsperren und sie unter Zuhilfenahme der dort entstehenden Dämpfe und Äpplerboarding gefügig machen, bis sie von sich aus nie mehr weg wollen!

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