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Andre Silva, Neuzugang von Eintracht Frankfurt.

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Neuer Stürmer Andre Silva: "Die Eintracht gibt mir Rückendeckung"

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Neuzugang André Silva über sein Verhältnis zum portugiesischen Superstar, den wichtigen Faktor Vertrauen und 15 Treffer in einem einzigen Spiel.

Herr Silva, am Donnerstag hatten Sie Ihren ersten Auftritt in Frankfurt. Flutlicht, Europapokal, ein großer Gegner: Wie haben Sie die Atmosphäre rund um das Arsenal-Spiel empfunden?
Es war ein großes Spiel gegen eine berühmte und große Mannschaft. Wie stark Arsenal ist, hat man ja gesehen, auch wenn ich finde, dass das 0:3 nicht den Spielverlauf wiedergibt. Wir waren eigentlich ganz gut im Spiel, hatten auch unsere Chancen, aber Arsenal war cool und abgezockt. Aber das ist kein Grund, um Trübsal zu blasen, wir haben lange Zeit gut mitgehalten und waren nahe dran an einem Torerfolg. Schade, dass es am Ende so ausging. Aber die Atmosphäre war schon großartig.

Die Stimmung war gut, aber in den Europapokalspielen zuvor auch schon deutlich intensiver. Haben Sie vorher aus der Ferne etwas davon mitbekommen?
Ja, ich habe die Eintracht verfolgt und mitbekommen, was sie, gerade international, geleistet hat. Das hat sich ja auch schnell herumgesprochen, deshalb wusste ich, welch großartige Leistung die Mannschaft in diesem Wettbewerb gezeigt hat. Und auch über meinen Landsmann Goncalo Paciencia war ich immer bestens informiert und hatte ein sehr genaues Bild.

Hielten Sie immer Kontakt zu Goncalo Paciencia?
Ja, auf jeden Fall. Unsere Wege haben sich oft gekreuzt, wir kommen aus derselben Stadt, deshalb sind wir schon seit unserer Kindheit gut befreundet. Und wir haben auch in den Auswahlmannschaften zusammen gespielt.

Die Europa League liegt Ihnen ja eigentlich, Sie haben in Ihrer ersten Saison in Mailand acht Tore in 14 Partien gemacht – mehr als in der Liga, wo Sie nur zweimal treffen konnten.
Man muss natürlich dazu sagen, dass ich in der Europa League häufiger und länger gespielt habe als in der Serie A. In der Liga habe ich nicht so viele Spiele von Beginn an gemacht, in der Europa League war ich hingegen gesetzt. Insofern hinkt der Vergleich. Aber klar ist es für mich gut gelaufen damals. Ich hoffe, dass ich für die Eintracht bald treffen werde, auch gegen Arsenal hatte ich meine Chancen. Vielleicht klappt es schon gegen Dortmund.

Wann gab es den ersten Kontakt zur Eintracht, erst jetzt, kurz vor dem Ende der Transferperiode, oder schon vorher?
Als das Transferfenster öffnete, war die Eintracht schon unter den ersten Vereinen, die Interesse bekundet hatten. Es war jetzt nicht wirklich konkret, aber es gab eine Anfrage. Und dieses Interesse ist im Laufe der Zeit nie abgeklungen, die Eintracht hat immer mal wieder nachgehakt, ist dran geblieben und hat sich immer wieder informiert. Am Ende wurde es dann konkreter.

Wie haben sie die letzten zwei, drei Tage am Ende der Transferperiode erlebt, der Wechsel wurde im Tausch mit Ante Rebic ja erst auf den letzten Drücker realisiert.
Es war am Ende durchaus eine gewisse Intensität und Schnelligkeit im Spiel, keiner wusste genau: Wird es was oder wird es nichts? Es war am Ende des Tages auch meine Entscheidung. Ich wollte unbedingt zur Eintracht, und das habe ich auch klar artikuliert. Für mich war klar, dass ich das jetzt durchziehe, weil ich das Gefühl hatte, dass ich in Frankfurt glücklich werden kann. Für mich gab es kein Zurück mehr. Diesen Weg wollte ich einschlagen, und dann habe ich mich davon auch nicht mehr abbringen lassen.

Trotzdem ist es ja irgendwie merkwürdig. Sie waren bis Mai noch in Sevilla, machten den Medizincheck in Monaco, dann haben sie sogar noch ein Spiel für den AC Mailand gemacht und sind schließlich in Frankfurt gelandet. Da weiß man doch gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht und wo man hingehört, oder?
Ich bin mit 23 ja noch recht jung, ich nehme das als Erfahrung mit, an der man wachsen und reifen kann. Man wird dadurch sicher selbstständiger. Und im Übrigen ist das Fußballgeschäft so, das muss man als Profi wissen und sich daran gewöhnen. Ich hatte bei meiner Entscheidung, nach Frankfurt zu wechseln, jedenfalls ein sehr gutes Gefühl, und das ist sehr wichtig.

Was hat den Ausschlag gegeben, sich der Eintracht anzuschließen. Bis vor kurzem war der Verein ja noch nicht die große Nummer in der Bundesliga und in Europa.
Für mich ist das Wichtigste überhaupt, dass ich häufig spielen kann, und das in einem Kontext, der gar nicht so einfach ist, nämlich in der deutschen Bundesliga. Hier habe ich eine Herausforderung, der man sich stellen muss und der ich mich gerne stelle. Die Bundesliga ist eine interessante Liga, und dann gibt es ja noch den Bonus Europa League. Ich möchte aber noch mal hervorheben, dass ich immer das Gefühl hatte, dass die Eintracht mich wirklich zu sich holen wollte. Das ist auch ein Vertrauensbeweis. Es ist für mich wichtig, dieses Vertrauen zu spüren, um Topleistungen bringen zu können. Ich kann mich als Fußballer gut einschätzen, ich kenne meine Qualitäten und meine Eigenschaften. Ich muss aber noch viel lernen, und das klappt nur, wenn man spürt, dass man eine gute Rückendeckung hat. Und die habe ich hier. Das ist mir viel wert. Der Aspekt Vertrauen ist der entscheidende Faktor gewesen, damit ich mich auf die Eintracht einlasse.

Also ist der Wohlfühlfaktor für Sie wichtig?
Ich fühle mich sehr wohl und gut aufgenommen. Der erste Eindruck ist sehr positiv. Ich spüre hier auch die Wertschätzung, die ich brauche. Man ist sehr bemüht, um mich glücklich zu machen. Ich möchte das mit Leistung zurückgeben.

Ihr Kumpel Goncalo Paciencia sagte uns neulich, dass er noch immer das Meer vermisst. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Das stimmt, wir sind in Portugal am Meer aufgewachsen. Das fehlt schon. Aber ich habe mich daran gewöhnt, Mailand liegt ja auch nicht am Meer (lacht).

Sie sind damals für 38 Millionen Euro von Porto nach Mailand gewechselt, waren der Rekordeinkauf der Italiener. Ist das eher eine Belastung?
Die Summen steigen ja immer mehr im Fußball. Ich möchte nicht an meinem Marktwert oder gezahlten Summen gemessen werden, das kann ich ja sowieso nicht beeinflussen. Ich möchte an meiner Leistung gemessen werden und möchte mich immer weiter verbessern.

Der große Cristiano Ronaldo sagte mal, Sie seien sein legitimer Nachfolger. Hat er Recht?
Ich weiß es nicht. Cristiano ist der weltbeste Spieler, keine Frage. Aber jeder Spieler ist nun mal anders und hat seinen eigenen Werdegang. Aber natürlich wäre ich glücklich, wenn ich nur annähernd so viele Erfolg einheimsen könnte wie Cristiano Ronaldo. Ich gehe aber meinen Weg, und davon lasse ich mich nicht abbringen.

Ist Cristiano Ronaldo ein Vorbild?
Natürlich. Er ist unbestritten der beste Spieler aller Zeiten, und wenn man sieht, was er schon alles erreicht hat, dann kann man nur den Hut vor ihm ziehen. Ich bin ein großer Fan von ihm. Auch seine Widersacher müssen neidlos anerkennen, was er schon alles geleistet hat.

Cristiano Ronaldo hat nicht nur Talent, sondern hat sich auch vieles erarbeitet. Ihm ist nicht alles in den Schoß gefallen.
Genau das ist es. Das ist es, was große Spieler ausmacht. Natürlich haben sie Talent, aber was wäre das Talent ohne die fleißige Arbeit an jedem Tag. Cristiano zeichnet ein unglaubliches Talent aus, aber auch die unglaubliche Bereitschaft, hart an sich zu arbeiten. Alles, was ihm widerfährt, ist daher mehr als verdient. Er ist der Beste der Welt geworden, weil er diese Eigenschaften hat.

Dabei galten Sie in der Jugend in Porto eher als Mini-Deco.
Es ist so, dass ich als junger Spieler meistens bei den älteren Jahrgängen mitgespielt habe, und dann bin ich von den Trainern oft gefragt worden, wer ist dein Vorbild, wem eiferst du nach. Ich habe immer geantwortet: Cristiano Ronaldo. Aber dann hieß es immer, wir haben hier schon so viele Ronaldos. Ich habe daraufhin gesagt: Okay, dann möchte ich wie Deco sein (lacht).

Stimmt denn die Geschichte, dass Sie als Kind, mit acht Jahren bei Ihrem damaligen Verein SC Salgueiros, mal 15 Tore in einem Spiel geschossen haben und dann vom Trainer ausgewechselt wurden, weil er den Gegner nicht demütigen und Ihren Mitspielern auch Einsatzzeit geben wollte?
Ob es wirklich genau so ablief, weiß ich gar nicht mehr, weil ich ja noch, wie Sie richtig sagten, ziemlich klein war und nicht mehr die klarsten Erinnerungen daran habe. Da müssten wir jetzt mal meinen Vater fragen, der weiß das alles noch. Ich kenne diese Geschichte aber auch, ob es aber wirklich 15 Tore waren, nein, da muss ich passen (lacht).

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein Übersetzung: Stephane Gödde

Alles im Fluss

André Miguel Valente da Silva, am 6. November 1995 in Baguim do Monte unweit von Porto geboren, scheut sich nicht, seine ersten Deutschkenntnisse schon anzuwenden. Die Reporter begrüßt er mit „Guten Tag“, am Ende fragt er: „Alles gut?“ - und verabschiedet sich mit einem dicken Grinsen und einem klaren „Tschüss“. Der neue Eintracht-Stürmer, im Tausch mit Ante Rebic für zwei Jahre aus Mailand ausgeliehen, fühlt sich wohl in seiner neuen Heimat am Main, dem Fluss, der zwar das Meer nicht ersetzen kann, aber okay, besser als gar nichts.

Der Portugiese, der einen Marktwert von 22 Millionen Euro hat und genau so viel an Ablöse kosten würde, hat mit der Eintracht einiges vor, gerade die Auftritte in der Europa League haben ihm den Mund wässrig gemacht. Der technisch beschlagene Angreifer war in der vergangenen Saison an den FC Sevilla ausgeliehen, hat neun Tore gemacht, was nicht schlecht ist, weil er die letzten Monate wegen einer Knieverletzung nicht mehr spielen konnte.

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