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Am Ende feiern alle wieder gemeinsam: Filip Kostic (li.) und Goncalo Paciencia.

SGE

Eintracht Frankfurt: Ärger unter Brüdern

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Goncalo Paciencia ist sauer auf Filip Kostic - aber nur ganz kurz.

  • Eintracht Frankfurt besiegt den FC Augsburg
  • Filip Kostic trifft doppelt
  • Goncalo Paciencia geht leer aus

Als der hinreißende Filip Kostic dann den Deckel drauf machte mit seinem zweiten Tor und zum blitzsauberen 5:0-Kantersieg von Eintracht Frankfurt gegen den Angstgegner a. D. einnetzte, ganz einfach aus fünf Metern mit dem rechten Fuß, der Kasten war längst verwaist, da bebte das Stadion im Stadtwald förmlich. Kostic, der mit Abstand beste und wertvollste Akteur von Eintracht Frankfurt, sprang der Frankfurter Fankurve entgegen, und die Menschen flippten aus. Nur einer, sieht man mal von derbe vermöbelten Augsburgern ab, fand das nicht so dufte, ausgerechnet Mitspieler Goncalo Paciencia. Der Portugiese wurde von seinen Emotionen mitgerissen, fühlte sich um sein Tor betrogen, drehte und winkte ab, schimpfte wie ein Rohrspatz. Eine merkwürdige, eine skurrile Szene.

Eintracht Frankfurt: Kostic trifft, Paciencia ist sauer

Paciencia hätte den Ball gerne selbst reingemacht, das hätte er auch geschafft, wenn Kostic nicht dort hingelaufen wäre, wo die Kugel – durch eine technisch nicht saubere Mitnahme Paciencias übrigens – letztlich landete. Kostic schob sie ins Tor, Paciencia schaute in die Röhre. Und war stinksauer. Im ersten Moment der höchsten Erregung zumindest.

Es ist, einerseits, nicht die feine Art, einem Mitspieler einen Treffer zu neiden und das eigene Ego über das des Teams zu stellen. Es ist sogar ungehörig. Andererseits ist der 25-Jährige halt auch Stürmer, er wird an Toren gemessen und misst sich selbst daran, er hat überdies seinen Stammplatz bei Eintracht Frankfurt an Landsmann André Silva verloren und will im Sommer unbedingt mit Portugal zur EM. Da zählt jeder Treffer, weshalb schon mal die Sicherungen durchbrennen können, selbst wenn sie das nicht sollten. „Ein Stürmer will halt Tore schießen“, kommentierte Trainer Adi Hütter lakonisch. Er könne sowohl Kostic verstehen, der durchgelaufen war und abgeschlossen hatte, als auch Paciencia, der sich nach einem Erfolgserlebnis dieser Form sehne. Kostic aber, das gehört auch zur Wahrheit, hatte gar keine Chance mehr, wegzubleiben und dem eingewechselten Angreifer den Ball zu überlassen. Von daher ist der Vorwurf des Torklaus ohnehin absurd.

Eintracht Frankfurt: Goncalo Paciencia entschuldigt sich

Paciencia hat seinen Fehler schnell eingesehen, noch auf dem Feld nahm er seinen Mitspieler in den Arm. Und in der Kabine trat er vor die versammelte Mannschaft von Eintracht Frankfurt und hat sich „für sein Verhalten entschuldigt“, wie Hütter berichtete. Das hat Stil. Auf Twitter raspelte der Mann aus Porto dann richtig Süßholz. „Freunde bleiben Freunde“, schrieb er. „Am Ende des Tages zählt nur Eintracht. Es ist mir ein Vergnügen, dir Vorlagen zu geben, mein Bruder.“

Schon gegen Leipzig hatte er, gerade eingewechselt, für den Linksaußen aufgelegt, einmal im Pokal und einmal in der Liga. Drei Tore hat er dem Kumpel also schon vorbereitet, alle kurz vor dem Abpfiff. Kein Zufall, dass Kostic auch der Mann für die späten Tore ist. Der 27-Jährige hat die Power und Ausdauer, auch in der 90 Minute noch die weiten Wege in einem Höllentempo zurückzulegen. Kostic ist schlicht nicht zu ersetzen, jeder gefährliche Angriff läuft über ihn, von 13 Treffern im neuen Jahr war er nur an zweien nicht beteiligt, fünf Tore hat er selbst gemacht.

Mindestens 45 Millionen wird Eintracht Frankfurt im Sommer aufrufen, wenn er den Verein verlassen will. Vielleicht sollte sie ihm aber lieber ein Jahresverdienst von zehn Millionen Euro anbieten, selbst wenn dadurch das Gehaltsgefüge im Eimer wäre. Aber dieser Kostic ist jeden Cent wert.

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