+
Unglücklicher Torschütze: Filip Kostic hadert mit seiner vergebenen Chance zum 2:1.

Knockout in letzter Minute

Eintracht Frankfurt kassiert bittere Niederlage in Lüttich

  • schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Ein Tor in letzter Minute hat die Chancen der Frankfurter Eintracht auf den Einzug ins Sechzehntelfinale der Europa League gehörig schrumpfen lassen.

Als sich alle schon mit einem 1:1 abgefunden hatten, erzielte Stürmer Maxime Lestienne den 2:1-Siegtreffer für Standard Lüttich. Damit ist genau das eingetreten, was die Frankfurter unbedingt verhindern wollten, nämlich gegen den belgischen Tabellenzweiten zu verlieren. Im direkten Vergleich sind die Mannschaften nach dem 2:1-Sieg der Frankfurter im Hinspiel gleichauf, nun kommt es auf die beiden verbleibenden Spiele noch an: Und da hat Lüttich die etwas bessere Ausgangsposition, weil Standard zu Hause noch auf den FC Arsenal trifft, während die Hessen in zwei Wochen auswärts bei den Londonern ran müssen. „Die Niederlage ist sehr bitter“, sagte der Frankfurter Sebastian Rode“, aber da müssen wir jetzt durch. Es ist noch alles offen zwischen uns und Lüttich.“ Auch Gelson Fernandes, Mittelfeldkämpfer der Eintracht , war ob des späten Gegentreffers mächtig angefressen: „Uns fehlt in letzter Minute die Entschlossenheit, das eigene Tor zu verteidigen. Das darf nicht sein.“

Im Vergleich zum triumphalen 5:1-Heimsieg gegen den FC Bayern hatte Eintracht-Coach Adi Hütter die Formation zweimal gewechselt. Wenig überraschend kehrte Makoto Hasebe auf seine angestammte Liberoposition zurück, Martin Hinteregger rutschte dafür aus dem Zentrum der Dreierabwehrreihe nach links und Evan Ndicka fiel aus der Startformationen komplett heraus. „Evan hat gegen Bayern ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobte Hütter den jungen Franzosen zwar kurz vor dem Anpfiff noch mal, vertraute im fremden Stadion dann aber doch lieber auf die geballte Erfahrung des 35-jährigen japanischen Abwehrchefs. Hasebe zahlte das Vertrauen jedoch kaum zurück, er machte sein schwächstes Spiel dieser Saison. Zudem stürmte für Bas Dost anfangs André Silva. „Bas hat jetzt zwei Spiele nacheinander gemacht, er ist nicht bei 100 Prozent und wir haben die Möglichkeit zu rotieren“, begründete Hütter seine Wahl für die Portugiesen-Power in vorderster Reihe. Neben Silva griff erwartungsgemäß Goncalo Paciencia an.

So lief das Spiel: Der Live-Ticker zum Nachlesen

Eintracht: Partie kommt sehr schleppend in Gang

Doch bis überhaupt so etwas ähnliches wie ein halbwegs vielversprechender Frankfurter Angriff gestartet werden konnte, musste mehr als eine halbe Stunde vergehen. Gerade erst hatte der sicher wirkende Frankfurter Schlussmann Frederik Rönnow einen Schuss aus 20 Metern von Gojko Cimirot zur Ecke abgewehrt, da lag praktisch im Gegenzug die hessische Führung in der Luft. Zunächst trat Djibril Sow in aussichtsreicher Position ein Luftloch, dann köpfte der bemühte, aber unglücklich agierende Silva dessen Flanke aus vier Metern an den Pfosten. Das hätte das so wichtige Auswärtstor eigentlich sein müssen.

Voting: Wer war bester Frankfurter in Lüttich?

Die Partie, „das absolute Schlüsselspiel“ (Hütter), kam in den ersten 45 Minuten nur sehr schleppend in Gang, wenn überhaupt. Beide Teams neutralisierten sich, hatten großen Respekt voreinander. Und ein wenig schien es so, als lullte Standard Lüttich die Eintracht ein. Es fehlte anfangs das Feuer, die große Begeisterung, das Spiel plätscherte so dahin. Nur nicht in Rückstand geraten, schien die Devise. Und so entwickelte sich im bei weitem nicht ausverkauften Stade Maurice Dufrasne eine ziemlich zähe Veranstaltung.

Klassenbuch: So schlugen sich die Eintracht-Spieler in Lüttich

Die Frankfurter kamen im ersten Abschnitt kaum richtig ins Spiel, vom Elan und der Leichtigkeit vom Bayern-Spiel war nicht mehr viel übrig geblieben. „Bayern und Lüttich sind zwei völlig unterschiedliche Spiele“, hatte Hütter vorher gewarnt. Er sollte Recht behalten. Die beste Chance der Belgier, in Führung zu gehen, resultierte denn auch schon aus der 45. Minute, als Duje Cop die Kugel knapp am Frankfurter Pfosten vorbeischob.

Eintracht: Belgier wurden besser nach der Pause

Was sich da bereits angedeutet hatte, wurde nach der Pause offenkundig. Die Belgier wurden besser, sie agierten bissiger, erhöhten den Druck. Und die Frankfurter gerieten mehr und mehr ins Schwimmen, konnten sich nicht mehr befreien. Nach 57 Minuten war es dann so weit, der bei einer Ecke aufgerückte Verteidiger Zinho Vanheusden drückte einen Kopfball aus Nahdistanz ins Frankfurter Tor. Paciencia hatte ihn aus den Augen verloren.

Immerhin zeigten die Hessen eine gute Reaktion: Kurz darauf ließ Paciencia noch den Ball verspringen, dann konnte sich der bis dahin pomadig wirkende Filip Kostic nicht zu einem Schuss entschließen. Doch der Serbe war es, der dann einen Freistoß (65.)zum 1:1 ins Tor zirkelte. Zuvor war der eingewechselte Daichi Kamada nach einem feinen Solo an der Strafraumgrente gefoult worden. Kurz darauf hatten die Belgier Glück, dass Kostas Laifis auf dem Feld hatte bleiben dürfe. Sein Foul an Sebastian Rode kurz vor dem Strafraum hätte der slowenische Schiedsrichter Matej Jug auch mit Platzverweis ahnden können, der Belgier war letzter Mann, der eine klare Torchance vereitelt hatte.Dann zeigte Schiri Jug auch noch dem falschen Belgier die Gelbe Karte, Laifis hatte zuvor schon Gelb gesehen. „Das war eine klare Rote Karte“, stellte auch Rode treffend fest.

Immerhin hatte die Eintracht nach dem Ausgleich deutlich mehr Zugriff auf das Spiel, jetzt war sie am Drücker, übernahm mehr und mehr die Kontrolle und hatte auch noch Möglichkeiten, die Partie sogar zu gewinnen: Kostic hätte das 2:1, das ja fürs Weiterkommen gereicht hätte, in der Nachspielzeit besorgen können, sogar müssen. Er hätte der Held werden können, der die Hessen in die K.o.-Runde schoss, doch er verzog allein vor dem Tor relativ deutlich – ein schlechter Abschluss. Und im direkten Gegenzug schaffte der eingewechselte Maxime Lestienne den nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg der Lütticher. Zwischen Freud und Leid lagen kaum 20 Sekunden.

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare