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Voller Einsatz: Almamy Touré (re.)

Almamy Touré

Eintracht Frankfurt: Almamy Touré - Wunderkind im Aufwind

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Almamy Touré ist bei Eintracht Frankfurt auf dem Weg zur Stammkraft.

Der brasilianische Dribbler Davidson schaute kurz hoch, beobachtete die Lage, fixierte wieder den Ball an seinem linken Fuß und wollte gerade zum Dribbling in den Strafraum ansetzen, da war die Kugel auch schon weg. Von hinten, ohne dass der Angreifer von Vitoria Guimaraes es geahnt zu haben schien, rauschte Almamy Touré heran. Der Verteidiger von Eintracht Frankfurt stürzte sich grätschend in den Zweikampf, rutschte zwei Meter über den Rasen und spitzelte den Ball ins Seitenaus. Dann stand er auf, wischte sich rasch zwei, drei Grashalme aus dem Gesicht und lächelte. Ganz nach dem Motto: Sieh’ her, mein Freund, mit mir nicht.

Das beschriebene Duell im Europa-League-Spiel zwischen den Portugiesen und der Eintracht, das die Hessen 1:0 gewannen, ereignete sich zwar schon nach sieben Minuten, es war aber bezeichnend für die komplette Leistung von Almamy Touré. Der 23-Jährige gewann an diesem Donnerstag 71 Prozent seiner Zweikämpfe, der beste Wert auf Frankfurter Seite. Er war neben Torschütze Evan Ndicka der beste Eintracht-Profi.

Touré ist dabei, David Abraham zu verdrängen

Der Startelfeinsatz in Guimaraes bedeutete für Touré bereits den dritten nacheinander. So oft hatte er für den hessischen Bundesligisten vorher noch nie am Stück gespielt. Es ist offensichtlich, dass sich der in Mali geborene und in Paris aufwachsene Profi im Aufwind befindet. Es mutet gar so an, als könnte er am Stammplatz des derzeit mal wieder verletzten Kapitäns David Abraham kratzen, vielleicht gar in der Hierarchie vorbeiziehen.

Und das hat mehrere Gründe: Zum einen ist Touré zehn Jahre jünger als seine Kontrahenten um den Posten als rechter Innenverteidiger, zum anderen bringt der Franzose beste Voraussetzungen für seinen Job mit. Er ist schnell, zuletzt wurde gar ein besserer Sprintwert als beim ebenfalls flinken Abraham gemessen. Er ist robust, bringt mit seinen 1,83 Metern Körperlänge und den breiten Schultern eine passende Statur für einen Abwehrmann mit. Und er kann mit dem Ball am Fuß ganz ordentlich umgehen. Eine Stärke, die Abraham fehlt. Zuletzt wurden auch Tourés anfangs gemachten Leichtsinnsfehler immer seltener.

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Bereits zehn Einsätze in der Champions League

Im FR-Interview hatte Touré im April erklärt, wie sich seine fußballerischen Fähigkeiten entwickelt haben: „Als junger Spieler war ich kein Fan davon, Verteidiger zu spielen und habe meistens weiter vorne agiert“, sagte der Mann, der erst in der vergangenen Winterpause den Weg vom Mittelmeer an den Main gefunden hatte. Die Eintracht sicherte sich die Dienste des ehemaligen Spielers von AS Monaco für rund eine Million Euro.

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Einst, vor viereinhalb Jahren, seinerzeit war Touré 18 Jahre jung, betitelte ihn die Uefa auf ihrer Website gar als „Europas Wunderkind“. Grund für diese überzogene Darstellung war der hervorragende erste Profieinsatz von Touré kurz zuvor, als er beim 1:3 gegen den FC Arsenal in der Champions League über 90 Minuten toll verteidigte. Touré machte insgesamt 80 Spiele für die Monegassen, spielte zehnmal in der Königsklasse, war vor seinem Wechsel nach Frankfurt aber kein Stammspieler mehr. Seine Familie ist eine fußballverrückte. Alle sieben Brüder treten gegen den Ball, einer hat in Spanien gespielt, ein anderer in Griechenland, und der Vater war einst Nationalspieler in Mali.

Mit 14 Jahren nach Monaco

„Wenn mal kein Training war, haben wir bei uns im Viertel auf einem Bolzplatz gekickt. Für mich gab es nur Fußball“, erinnert sich Touré an seine Anfänge in Paris. Beim FC Bourget in der französischen Hauptstadt begann er das Fußballspielen, er übersprang in der Jugend eine Altersklasse und wurde später von den Scouts aus dem Fürstentum entdeckt. „Ich habe dann in Monaco erst mal ein einwöchiges Probetraining gemacht, mir ist die Stadt gezeigt worden, der Hafen, die Schiffe, und dann war da noch das sehr angenehme Klima.“

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Mit 14 Jahren wechselte er schließlich an die Côte d’Azur. Natürlich war das für Touré ein schwieriger Schritt, er war ja quasi noch ein Kind. Weg von der Familie, weg von den Freunden, weg aus der Heimat. „Man lernt, als Mensch alleine zurechtzukommen. Man lernt, sich allen Herausforderungen zu stellen, dass man immer an sich glaubt, hart arbeitet und niemals aufgibt.“

Bis heute profitiert er davon, sich damals durchgebissen zu haben. Umwerfen kann den Verteidiger so schnell nichts. Dabei lief es im ersten halben Jahr in Frankfurt nicht optimal. Gleich zu Beginn wurde Touré nicht für den Europa-League-Kader nachnominiert, weil zeitgleich auch Sebastian Rode und Martin Hinteregger den Weg nach Hessen gefunden hatten und für Touré deshalb kein Platz war. „Ich hätte mich gefreut, auf dieser Abenteuerreise dabei zu sein“, gab Touré zu. Andererseits hatte er so genügend Zeit, um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen. Offenbar mit Erfolg.

Von Daniel Schmitt

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