20. Februar 2018, 10:11 Uhr

Protest

Fans an der Bande, kreative Banner, irrer Torjubel: So lief der Protest bei Eintracht Frankfurt

Die Botschaft ist angekommen: Keine Montagsspiele erwünscht. Und dennoch zählt der 2:1-Sieg von Eintracht Frankurt gegen RB Leipzig - auch mit Hilfe des Videobeweises. Dazu: Irrer Torjubel und witzige Banner.
20. Februar 2018, 10:11 Uhr
Hunderte Fans senden vor Spielbeginn eine deutliche Botschaft.

Eintracht Frankfurt


Es war der wohl kontrollierteste und organisierteste Platzsturm, den die Fußball-Bundesliga je gesehen hat. Das Montagsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig wird allein deswegen in die Geschichte eingehen. 

Schon vor dem Spiel war es ruhig im Frankfurter Waldstadion. Die Aufstellung wurde vorgelesen wie bei einem Kreisliga-Spiel, keine Fangesänge, keine Stimmung. Dafür ein gellendes Pfeifkonzert beim Einlauf der Mannschaften, unzählige Transparente, alle mit einer Botschaft: "Wir pfeifen auf das Montagsspiel, hier bestimmen wir den Ton." Und doch waren sie alle in den Stadtwald gekommen. Die Pfiffe waren so laut, das selbst die sonst deutlich zu hörenden Flugzeuge im Landeanflug auf den nahegelegenen Flughafen nicht durchkamen.


Keine Gegenwehr der Ordner

Dann bahnte sich der harte Kern der Stehplatzkurve seinen Weg. Die Ordner leisteten keine Gegenwehr, auch im restlichen Stadion machte keiner Anstalten, die Ultras daran zu hindern, in den Innenraum zu laufen. Das alles war abgesprochen, aber es lief auch alles geordnet. "Als die Ansetzung rauskam, wussten wir schon, was auf uns zu kommt", sagte Vorstandsboss Axel Hellmann nach dem Spiel. Man habe alle Beteiligten am Sonntag in Kenntnis gesetzt, das es zu Verzögerungen kommen könnte. "An oberster Stelle stand für uns die Sicherheit aller Beteiligten - Fans, Spieler, Offizielle. Das war mit der Fanszene abgesprochen, daran haben sich alle gehalten. Wir müssen den Ansatz der Fans tolerieren", sagte Hellmann. 

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Zehn Minuten lang standen mehrere Hundert Fans an der Werbebande und rollten ihre Transparente aus. Auch dabei blieb es ruhig. Selbst als das Spiel schon lief, hatte keiner das Bedürfnis, dem Ball mit hinterherzujagen. "So besonnen, wie Schiedsrichter Felix Zwayer mit der Situation umgegangen ist, verlangt mir höchsten Respekt ab", sagte Hellmann. Nach der zweiten Aufforderung, den Innenraum zu verlassen, zogen die Eintracht-Fans schließlich in ihren Stehplatzblock zurück. Und pfiffen weiter. Das Spiel: Nebensache.
 

 
Fotostrecke: So protestieren Eintracht-Fans gegen Montagsspiele


Irres Torjubel-Video

Bis zum Doppelschlag der Eintracht: Timothy Chandler glich in der 22. Minute den frühen Rückstand durch Augustin (13.) aus, Prince Boateng schoss Frankfurt in der 28. Minute in Führung. Und auf dem Videowürfel kam das:
 

 

Videobeweis geht im Pfeifkonzert unter

Ordner befreien das Spielfeld von Tennisbällen, die aus der Nordwestkurve geflogen kommen.
Ordner befreien das Spielfeld von Tennisbällen, die aus der Nordwestkurve geflogen kommen.

Vor dem Beginn der zweiten Halbzeit musste dann doch das Räumungskommando auf den Platz. Allerdings nur, um Tennisbälle, die aus der Nordwestkurve aufs Spielfeld flogen, zu beseitigen. Trotz Schneeschieber und sogar Laubbläsern dauerte es abermals zehn Minuten, bis es weiterging. Inklusive Pfeifkonzert. 

Am Ende waren trotzdem alle Frankfurter happy. Das 2:1 brachte die SGE gewohnt kampfstark über die Zeit und klettert in der Tabelle wieder auf Platz drei hinter Bayern München und Borussia Dortmund. Dabei half auch der Videobeweis. Denn in der 32. Minute nahm Schiedsrichter Felix Zwayer einen Elfmeter für Leipzig nach Ansicht der Hilfsmittel zurück. Aber selbst das ging im Pfeifkonzert fast unter.


Verständnis für Fans von Boateng

Nach dem Spiel zeigte Torschütze Boateng Verständnis für die Protest-Aktionen: "Natürlich haben die Pfiffe während des Spiels gestört. Aber man muss auch sehen, was die Fans auf sich nehmen, um am Montagabend zum Spiel zu kommen. Die sitzen jetzt im Auto auf dem Heimweg und müssen morgen früh wieder arbeiten." 

Beide Trainer waren sich nach dem Spiel einig, dass die Rahmenbedingungen das Spiel nicht beeinflussten. "Da haben wir schon schlimmere Spiele erlebt", sagte Leipzig-Coach Ralph Hasenhüttl. "Wir wussten was auf uns zukommt und konnten uns entsprechend darauf vorbereiten", sagte SGE-Cheftrainer Niko Kovac. Für sie war es letztlich nur ein Pfeifen im Walde.

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