Vom Verteidigungsbollwerk zur grünen Lunge

Frankfurt (cf). Mit zahlreichen Kultur- und Familienveranstaltungen zum 200-jährigen Jubiläum der örtlichen Wallanlagen feiert die Mainmetropole zwei Tage lang ihre öffentlichen Grünanlagen. Das Motto des Festprogramms am 29. und 30. Mai lautet: »Um die ganze Stadt ein Park«.

Den Startschuss für die Geburtstagsfeierlichkeiten markierte die Eröffnung der Ausstellung »200 Jahre grüne Wallanlagen« im gleichaltrigen Nebbienschen Gartenhaus. Eröffnet wurde sie am Montag im Domizil des Frankfurter Künstlerclubs von Stephan Heldmann, dem Leiter des Grünflächenamtes.

Auf 18 Thementafeln sind Geschichte und Aktuelles der grünen Promenade dargestellt. »Diese Ausstellung und das Jubiläum erfüllen uns mit Stolz«, sagte Heldmann. Die in drei Zonen entwickelten Flächen der Wallanlagen, markieren einen Wendepunkt in der Stadtentwicklung. Mit ihr wurden die mittelalterlichen Stadtgrenzen überwunden. Mit dem Abbruch, »Demolition«, der verteidigungspolitisch nutzlos gewordenen Mauern und Befestigungswerke, die sich ringförmig um die ehemalige Altstadt zogen, wurde 1804 der fürstliche Kommissar Jacob Guillot (1746-1815) vom Rat der Stadt auf Anregung der französischen Besatzer beauftragt. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen hatte Guillot, der von 1811 bis 1815 Bürgermeister von Frankfurt war, die geniale Idee, die Wallgrundstücke mitsamt der Auflage zum Abriss der Befestigungsanlage zu verkaufen. Es entstanden drei Abschnitte, der innere, stadtnahe private Teil wurde neu bebaut. Der mittlere private Teil musste binnen eines Jahres als Gartenland angelegt werden, in dem nur kleine Gartenarchitekturen wie zum Beispiel das Nebbiensche Gartenhaus erlaubt waren. Der äußerste, nicht mitveräußerte Teil diente als öffentliches Grün und Promenade. Auf den neu entstandenen, großen Grundstücken des ersten Teils entstanden prächtige Patrizierhäuser mit Gärten, die durch öffentliche Promenaden miteinander verbunden waren.

Diese grüne, zwischen 1806 und 1812 entstandene innere Promenade des dritten Teils, war die erste frei zugängliche Parkanlage Frankfurts. Sie war rund fünf Kilometer lang und zwischen 20 und 200 Meter breit. Angelegt wurde sie vom Stadtgärtner Sebastian Rinz (1782-1861), dem Vorgänger aller Gartenbauamts- und Grünflächenamtsleiter der Stadt, im neuen Stil englischer Landschaftsparks.

Durch den Zukauf privater Grundstücke wurde der innere Grüngürtel ständig erweitert. Heute ist er zwischen 20 und 60 Meter breit. Zusammen mit dem Alleenring und dem äußeren Grüngürtel prägen die inneren Wallgrünflächen mit ihrem grünen Zackenkranz das Innenstadtbild. Den einst freien Blick auf den Taunus und das Umland verstellen allerdings inzwischen die Hochhäuser.

Wertvollste Grundstücke

Die Wallanlagen sorgen für frische Luft und dienen der Erholung. Bis heute liegen Frankfurts wertvollste Grundstücke an den Wallanlagen. Ihren Wert beziehen sie aus dem gepflegten öffentlichen Grün. Ihre große Bedeutung für das Stadtklima hebt Umwelt- und Gesundheitsdezernentin Dr. Manuela Rottmann hervor. Schon 1960 habe sich Dr. Aloys Bernatzky mit den klimatischen Auswirkungen des Grüns beschäftigt. »Er stellte Temperaturunterschiede von drei Grad Celsius zwischen der Anlage und der umliegenden Bebauung fest. Er untersuchte den Verlauf der innerstädtischen Winde und inwieweit die Vegetation helfen kann, Stäube und Abgase zu vermindern. Themen, die im Zeichen des globalen Klimawandels an Bedeutung gewinnen.

« Alte großkronige Bäume wie die fast 200 Jahre alte Platane am Nebbienschen Gartenhaus sorgen für Schatten und sorgen mit zahlreichen Weihern und Brunnen in den Wallanlagen für Abkühlung.

Zum 200-jährigen Jubiläum veröffentlichte der Städtebauer und Historiker Björn Wissenbach den Band »Mauern zu Gärten - 200 Jahre Frankfurter Wallanlagen«. Er beschäftigt sich mit dem ersten Grüngürtel, beleuchtet gartenkünstlerische, baugeschichtliche und stadtplanerische Aspekte. Durch zahlreiche historische Abbildungen und Pläne werden Leser im Uhrzeigersinn von der Untermain- zur Obermainanlage bei ihrem gedanklichen Spaziergang durch die Wallanlagen begleitet.

Das gesamte Veranstaltungsprogramm kann unter eingesehen oder beim Grünflächenamt der Stadt, Mörfelder Landstraße 6, 60 598 Frankfurt am Main, Telefon: 069/212-3 02 69, gruenflaechenamt@stadt-frankfurt.de als Broschüre angefordert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare