Verhandlungen über künftige Nutzung schwierig

Frankfurt (lhe). Bundesrechnungshof, Oberfinanzdirektion und Polizeipräsidium: Einige denkmalgeschützte Gebäude in Hessens größter Stadt stehen an zentralen Plätzen seit Jahren leer. Während über ihre Zukunft verhandelt, gerungen und gefeilscht wird, werden sie immer baufälliger.

Der ehemalige Bundesrechnungshof im Herzen der Innenstadt beispielsweise ist schon seit zwölf Jahren verwaist, die Rechnungsprüfer sind nach Bonn umgezogen. Das 1914 – in unmittelbarer Nähe von Messe und Hauptbahnhof – erbaute alte Polizeipräsidium wird auch nicht mehr genutzt. Der Umzug der Polizei in ihren Neubau ist zehn Jahre her.

Seit einigen Jahren beherbergt das ehemalige Verwaltungsgebäude der Oberfinanzdirektion (OFD) am Alleenring auch niemanden mehr. Der künftige Eigentümer und Nutzer dieses Geländes steht aber wohl zumindest fest: Die Frankfurt School of Finance & Management. Die von Banken geförderte private Hochschule hofft, 2015/16 aus ihren Räumen im Ostend umziehen zu können. "Wir platzen hier aus allen Nähten", sagt Sprecherin Angelika Werner. Rund 1500 Studenten zähle die Hochschule derzeit, dazu kämen mehrere Tausend in der Weiterbildung. Der Preis für das Gelände, das dem Land gehört, steht allerdings noch nicht fest. Derzeit werde ein Verkehrswertgutachten intern bewertet und geprüft, sagt der Sprecher des Finanzministeriums in Wiesbaden, Stefan Löwer.

Neue Ideen gesucht

Einem Abbruch des 120 Meter langen, funktional gegliederten Hauptgebäudes steht jedoch nichts mehr im Wege: Das Landesamt für Denkmalpflege hat zugestimmt. Ende 2011 habe sich endgültig herausgestellt, dass das Hauptgebäude wegen des Teerklebers nicht sinnvoll zu sanieren sei, erklärt dies der Konservator Heinz Wionski. Der schöne Pavillon vor dem Verwaltungsbau aus den 1950er-Jahren bleibe erhalten. Derzeit werde geklärt, wie weit der Scheibenbau eine Vorgabe im noch auszuschreibenden Wettbewerb sein könne. "Es soll wieder ein scheibenartiges Gebäude entstehen, in Korrespondenz zum Pavillon." In dem Pavillon sei eine Mensa oder ein Bibliothek vorstellbar, sagt Werner. Sie betont aber: "Wir wollen uns von neuen Ideen überraschen lassen." Ein bis zu 145 Meter hohes Hochhaus im Hof und der Erhalt des historischen Polizeipräsidiums – eine Mischung aus Neobarock und Klassizismus im historistischen Stil – sieht der Bebauungsplan für das Filetstück am Eingang zum neuen Europaviertel vor. Auf dem Areal an der stark befahrenen Friedrich-Ebert-Anlage könnten ein Hotel oder Büros Platz finden, wie der Sprecher des Planungsdezernenten, Mark Gellert, sagt.

Auch neue Wohnungen – zentrales Anliegen der Stadt – seien möglich. Rund 80 Millionen Euro Einnahmen hatte das Finanzministerium für das Areal veranschlagt. Und wie weit sind die Verhandlungen? "Das Land Hessen befindet sich in Gesprächen mit einem Investor sowie mit der Stadt Frankfurt über die Konditionen des Verkaufs des ehemaligen Polizeipräsidiums", heißt es beim Hessischen Immobilienmanagement (HI) in Wiesbaden. Einzelheiten werden nicht verraten, nur so viel: "Es ist beabsichtigt, die Verhandlungen noch in diesem Jahr zum Abschluss zu bringen."

Einigung in Sicht?

Bleibt der Denkmalschutz, oder wird er aufgehoben? Das ist die heikle Frage beim ehemaligen Bundesrechnungshof, der seit Jahren mitten in der City verfällt. Ein Abbruchantrag für das Z-förmige Gebäude aus den 1950er-Jahren wurde aus Denkmalschutzgründen zunächst abgelehnt – jetzt gilt er als ausgesetzt. Die Eigentümer und künftigen Bauherren – die Helaba-Tochter OFB Projektentwicklung GmbH und der Projektentwickler Fay Projects GmbH – verhandeln mit der Stadt, wie es mit dem Gelände weitergehen kann. Gellert ist optimistisch, dass die Gespräche noch in diesem Jahr einen Schritt weiterkommen.

Die Eigentümer wollen ein modernes Hotel oder einen Bürokomplex bauen – die aber nach ihrer Überzeugung nicht in der Substanz des Hauses untergebracht werden können. Ein älterer Beschluss der Stadtverordnetenversammlung sehe eine Hotelnutzung vor, dies sei aber noch nicht im Planungsrecht verankert, erläutert Gellert. Einen klassischen Bürostandort wolle die Stadt auf dem Areal in der Nähe von Kämmerei und Rathaus Römer nicht. Denkbar seien jedoch Büros etwa für die kommunale Selbstverwaltung – und Wohnungen. Ira Schaible, dpa

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