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Tumulte nach Urteil zu tödlicher Messerattacke

Frankfurt (lhe). Nach einer tödlichen Messerattacke wegen eines Streits um 45 Euro ist ein 19-jähriger vom Landgericht zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Nach der Urteilsverkündung kam es zu schweren Tumulten.

Die Richter gingen am Donnerstag von Totschlag aus, weil der Angeklagte dem 23 Jahre alten Opfer das Messer "mit bedingtem Tötungsvorsatz" in den Oberkörper gestochen habe. Die beiden als Nebenkläger im Gerichtssaal sitzenden Brüder des Getöteten sprangen auf und wollten sich auf den Angeklagten stürzen. Dieser konnte aber rasch in eine Zelle gebracht werden.

Die Wut der Familienangehörigen des Opfers richtete sich nun gegen die Anwälte des Angeklagten sowie dessen Familienmitglieder. Einer der Brüder zog sein Hemd aus und schlug mit voller Kraft gegen die Trennscheibe. Erst nachdem ein Dutzend Polizeibeamte vom nahen Revier geholt worden waren, bekamen die Sicherheitskräfte die Situation unter Kontrolle.

Das Gericht sieht nach dem Vorfall sein Sicherheitskonzept bestätigt. Es habe sich bewährt, dass alle Prozessbeteiligte ohne Hausausweis beim Betreten des Justizgebäudes auf Waffen und andere verbotene Gegenstände kontrolliert worden seien, sagte Gerichtssprecher Klaus Wiens. Man sei eigens in den mit einer Trennscheibe versehenen Saal ausgewichen und habe gleich vier statt zwei Wachtmeister beordert.

Die Sicherheitskontrollen an den Eingängen der Justizgebäude wurden bereits 1996 eingeführt. Damals hatte ein Polizeibeamter in einem Familienrechtsstreit auf die Richterin und die Rechtsanwältin geschossen und die Anwältin erheblich verletzt.

Die Tat, über die das Urteil gesprochen wurde, hatte sich Ende Juli 2011 in Fechenheim ereignet. Zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer war es einige Tage zuvor zu Spannungen gekommen, weil der 23-jährige bei ihm 45 Euro Schulden hatte. Nachdem sich beide auf dem Parkplatz zunächst geprügelt hatten, stach der Angeklagte zu.

Die Jugendstrafkammer ging zwar von einer "objektiven Notwehrsituation" aus. Gleichwohl aber habe der Angeklagte mit dem Messereinsatz nicht das gebotene "mildeste Mittel" gewählt, um den Angriff seines Kontrahenten abzuwehren. "Er wusste, dass der Stich zum Tode führen kann, es war ihm aber gleichgültig", sagte der Gerichtsvorsitzende. Im Strafmaß blieb es beim Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

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