Mit Streuobst gegen Gletscherschwund

Frankfurt. Wie ein hessischer Verbraucher als typischer Binnenlandbewohner beim Kochen und Einkaufen den Anstieg des Meeresspiegels bremsen kann, zeigt ab heutigem Dienstag eine Ausstellung des Energiereferats der Stadt.

Frankfurt. Wie ein hessischer Verbraucher als typischer Binnenlandbewohner beim Kochen und Einkaufen den Anstieg des Meeresspiegels bremsen kann, zeigt ab heutigem Dienstag eine Ausstellung des Energiereferats der Stadt. Die Schau »Klimagourmet« will zeigen, dass die nur mit heimischen Kräutern gefertigte Grüne Soße nicht Hessens einzige Waffe im Kampf gegen den Treibhauseffekt ist. So belasten etwa 270 hessische Freiland-Biotomaten das Klima mit nicht mehr Kohlendioxid als nur eine konventionelle Tomate aus dem beheizten Gewächshaus.

»Viele Verbraucher würden Klimaaspekte bei ihren Gewohnheiten gern berücksichtigen«, sagt die Frankfurter Biologin Monika Krocke. »Aber oft fehlen einfach bestimmte Kenntnisse und auch ganz praktische Tipps.« Je nach Jahreszeit sei sogar eine von den Kanaren eingeflogene Tomate die bessere Alternative zu Bioware, berichtet die ausgebildete Umweltpädagogin. Begleitend zur Ausstellung hat Krocke ein Lernkonzept für Schulen entwickelt. »Und es beeindruckt auch Erwachsene, wie schwer eine Frucht unter dem Klimaaspekt wiegen kann.«

Die vor diesem Hintergrund unbedenklichste Tomate ist in Frühjahr und Sommer eingekaufte Ware, die auf den Feldern zwischen Kassel und Darmstadt biologisch angebaut wurde und auf dem nächsten Wochenmarkt verkauft wird. Pro Kilogramm werden dabei 35 Gramm Kohlendioxid in die Umwelt entlassen. Mit satten 9300 Gramm erzeugtem Treibhausgas schlägt die gleiche Menge konventioneller Tomaten zu Buche, wenn sie im Januar in hessischen Supermärkten angeboten werden, in beheizten Hallen gezogen und am Rhein-Main-Flughafen angelandet wurden. »Aber nicht immer ist Ökoware eben vorzuziehen«, sagt Krocke. Heimische Bio-Heiztomaten im Winter belasten die Umwelt stärker als konventionelle, eingeflogene Freiluftware. Besucher der Ausstellung im Plus-Energie-Haus der Stadt können solchen Unterschieden ganz sinnlich hinterherspüren, indem sie knallrote Holztomaten an einer Schnur emporziehen. Herkunft und Anbaumethode offenbart das Gemüse dann am Gewicht. »Die Unterschiede sind so plastisch, dass sich jeder noch beim nächsten Einkauf daran erinnert«, erklärt Krocke.

»Hessen hat jede Menge Ressourcen für eine klimagerechte, zeitgemäße Ernährung«, sagt die Biologin. Mit Kräutern vom Feld für die Grüne Soße und Früchten von Streuobstwiesen sei die Auswahl umweltfreundlicher Kochzutaten und Lebensmittel lange nicht erschöpft. »Jetzt im Frühjahr kommt natürlich der Spargel ins Spiel.« Ein unschlagbares Ernährungsinstrument gegen die Gletscherschmelze sei außerdem auch der hessische Apfelwein. »Beim Schinken zum Spargel muss man dann wieder genauer hinschauen«, betont Krocke. »Fleischreiche Ernährung belastet das Klima mehr als fleischarme oder vegetarische.« Der Düngemitteleinsatz für pflanzliches Mastfutter sei ausgesprochen energieintensiv.

»Da ist das Rhönschaf dann wieder dem argentinischen Rind vorzuziehen«, sagt die Biologin. Immer die bessere Wahl seien Produkte, die regional, saisonal und womöglich nach Biorichtlinien erzeugt wurden. »Wer dann noch generell seinen Fleischkonsum reduziert, kann sich in Hessen wie ein vorbildlicher Klimakämpfer ernähren«, resümiert die Fachfrau. Das Energiereferat der Stadt will mit der Ausstellung gegebenenfalls fehlende Kenntnisse vermitteln. »Unser Klimaschutzkonzept sieht vor, den Ausstoß an Treibhausgas pro Einwohner der Stadt bis 2030 zu halbieren«, sagt Referatssprecherin Stefanie Schütz. Stefan Höhle, ddp

Ab  Dienstag können bis 22. Mai im Plus-Energie-Haus am Rathenauplatz von 10 bis 18 Uhr täglich außer montags Besucher der »Klimagourmet«-Ausstellung herausfinden, wie lecker Klimaschutz schmecken kann.

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