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Streit um Netrebko-Auftritt bei Maifestspielen in Wiesbaden - Rhein lässt Schirmherrschaft ruhen

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Die Opernsängerin Anna Netrebko ist wegen ihrer angeblichen Nähe zu Putin umstritten. Stadt und Land kritisieren jetzt einen geplanten Auftritt in Wiesbaden.

Wiesbaden – Vor dem Beginn der Maifestspiele in Wiesbaden ist ein offener Streit um den geplanten Auftritt der russischen Opernsängerin Anna Netrebko entbrannt. Das Land Hessen und die Landeshauptstadt Wiesbaden sprachen sich am Montag (23. Januar) in einer Mitteilung gegen den Auftritt der Sängerin aus. Grund dafür sei die mangelnde Distanzierung zu Wladimir Putin. Das Hessische Staatstheater Wiesbaden verteidigt den geplanten Auftritt.

In der gemeinsamen Erklärung der Stadt Wiesbaden und des Landes Hessen heißt es, der Künstlerische Leiter widme die Festspiele denjenigen, die aufgrund ihrer Meinung im Gefängnis säßen, wie etwa der russische Aktivist Alexej Nawalny. Angesichts des Angriffskriegs, den Russland gegen die Ukraine führt, sei nicht zu vermitteln, weshalb die Sängerin bei den Festspielen auftreten soll. „Netrebko steht auf einer Sanktionsliste der Ukraine und hat sich bis heute nicht von Putin und seinem Regime distanziert“, heißt es in der Erklärung. Den geplanten Auftritt bezeichneten Stadt und Land deshalb als „höchst unsensibel“. Man habe den Intendanten gebeten, darauf zu verzichten. „Leider erfolglos.“

In der Erklärung heißt es außerdem, dass der Ministerpräsident von Hessen, Boris Rhein, seine Schirmherrschaft bei den Maifestspielen als Reaktion auf den Auftritt ruhen lassen wird. „Außerdem werden wir den Vorempfang absagen“, teilte Staatsminister Axel Wintermeyer mit.

Anna Netrebko
Der russische Opernstar Anna Netrebko steht international in der Kritik, weil sie sich nicht ausreichend zu Putin distanziert haben soll. Das Land Hessen und die Stadt Wiesbaden kritisieren deshalb ihren geplanten Auftritt im Rahmen der Maifestspiele in Wiesbaden. (Archivbild) © Armin Weigel/dpa/Archiv

Streit um Maifestspiele in Wiesbaden: Staatstheater verteidigt geplanten Auftritt

Die international gefeierte Sopranistin war nach Beginn des Krieges wegen ihrer angeblichen Nähe zu Putin in die Kritik geraten. Erst vor Kurzem hatte die Alte Oper in Frankfurt einen Auftritt von Netrebko abgesagt. Ihr Manager Miguel Esteban erklärte kürzlich, es sei unrichtig, die Sopranistin mit einer Regierung oder mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung zu bringen. Die Künstlerin habe sich mehrfach von dem Konflikt distanziert, betonte er in einem Schreiben.

Im März vergangenen Jahres hatte die Sängerin über ihren Anwalt unter anderem mitgeteilt: „Meine Position ist klar. Ich bin weder Mitglied einer politischen Partei, noch bin ich mit irgendeinem Führer Russlands verbunden.“ Weiter hieß es, sie bedauere, dass ihre Handlungen und Aussagen in der Vergangenheit zum Teil falsch interpretiert werden konnten.

Das Staatstheater hält unterdessen an dem geplanten Auftritt fest. Netrebko werde am 5. und 7. Mai bei den Festspielen ihr Debüt als Abigaille in Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ geben. „Wir in der westlichen Welt, die wir gerade erleben, wie unsere Freiheit in der Ukraine leider auch mit Waffen und Menschenleben verteidigt werden muss, dürfen nie Künstler und Menschen ausschließen, die zu uns gehören und die wir für den Kampf gegen Unrechtsregimes wie das von Wladimir Putin dringend auf unserer Seite brauchen“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. In dieser wird der Fokus auch auf zwei ukrainische Produktionen gelegt, die im Rahmen der Festspiele aufgeführt werden sollen. (vbu/dpa)

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