"Stoffel" bietet Kultur für alle bei Picknickatmosphäre

Frankfurt (kum). Die Wolldecke ist schon längst ausgebreitet und die Füße wippen im Takt. Es herrscht Picknickatmosphäre, und dazu gibt es die passende Hintergrundmusik. Jeden Tag ab 18 Uhr - und das noch bis Sonntag, 15. August. Denn im Günthersburgpark im Nordend heißt es zur Zeit bereits im siebten Jahr "Stalburgtheater Offen Luft", kurz "Stoffel".

"Die Idee ist simpel", sagt Esther Voigt, stellvertretende technische Leiterin des Stalburgtheaters sowie von "Stoffel": "Unser Konzept lautet: Kultur für alle." Und da man das vom Stalburgtheater ursprünglich zur Überbrückung der Sommerpause gestartete Projekt kostenlos besuchen kann, erfreuen sich auch unbekanntere Künstler eines größeren Publikums. Gage erhalten die Künstler erst, wenn am Ende etwas vom Erlös aus Speis und Trank oder von den Spenden der Besucher übrig geblieben ist.

Voigt ist von Anfang an dabei und sieht eine positive Entwicklung der in Deutschland einzigartigen Veranstaltung: "Zuerst wurde das Vorhaben der Theaterleitung als waghalsig beschimpft, doch mittlerweile hat es sich auch jenseits der Stadtgrenzen herumgesprochen und bietet eine Plattform für Kreative aus ganz Deutschland", schildert sie und erinnert an einen Künstler, der im vergangenen Jahr sogar aus Amerika anreiste. "Es ist bisher immer schöner, größer und besser geworden", schwärmt sie. Ausfälle habe es dieses Jahr glücklicherweise nicht gegeben, und man freue sich über "ein Publikum, das wie immer ganz rege ist".

Auch das vor zwei Jahren eingeführte Kinderprogramm, der Einfachheit halber "Stoffelchen" genannt, habe sich bewährt und werde sehr gut angenommen. "Insgesamt ist unser Publikum sehr gemischt - und das zu Recht", so Voigt, die das grasgrüne T-Shirt mit einem auf der Wiese liegenden Mann - dem Logo der Veranstaltung - trägt. Dieses Symbol habe auch "Wiesenglück" für eine Kollektion übernommen. "Wiesenglück" kommt aus Frankfurt und stellt Taschen her, die als Picknickdecken umfunktionierbar sind.

"Guten Morgen Sonne" trotz nahendem Unwetter

Während auf dem hinteren Teil der Grünfläche noch immer Frisbee und Federball gespielt wird, versuchen sich einige beim Balancieren auf der "Slackline": Ähnlich wie beim Seiltanz wird ein Gurtband zwischen zwei Bäume gespannt. Darauf gilt es dann, sich so lange wie möglich zu halten.

Plötzlich kommen von der Bühne Unwetterwarnungen. Die Schirme bei den Bierzeltgarnituren werden geschlossen, die Regenschirme aufgespannt und kurzzeitig droht eine Unterbrechung des Programms.

Doch als die ersten Blitze am Himmel zu sehen sind und der Wahl-Frankfurter René Moreno mit seiner Band zum deutschen Reggae-Stück "Guten Morgen, Sonne" einsetzt, ist die Stimmung nach wie vor ungetrübt. "Ich wohne gleich um die Ecke und bin leidenschaftlicher Bornheimer, Nordendler und Hesse", so der in Peru aufgewachsene Reggae-Künstler.

Viele seiner Songs habe er im Günthersburgpark geschrieben und auch welche über selbigen. "Ich komme so gerne hierher, weil die Stimmung einfach herrlich ist und man sich immer auf nette Leute freuen kann", fügt der sympathische Musiker hinzu, der gerne barfuß auf der Bühne steht.

Danach folgen die Künstler Mark Gillespie mit der Gitarre und Tom Drost mit Querflöte, und sie spielen ebenfalls über die Unwetterwarnungen hinweg.

Picknickdecken und Utensilien wie Sonnenbrillen sind inzwischen eingepackt. Diese hätten beim Tanzen zu den souligen Stücken der ausgezeichneten Straßenmusiker auch nur gestört.

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