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Frankfurt (pia). Mit dem Architekturpreis "Green Building" hat die Stadt in dieser Woche Vorreiter für nachhaltiges Bauen gewürdigt. Acht Gebäude - vom energiesparenden Wohnhaus bis zum nutzerfreundlichen Büroturm - konnten die Jury überzeugen.

Frankfurt (pia). Mit dem Architekturpreis "Green Building" hat die Stadt in dieser Woche Vorreiter für nachhaltiges Bauen gewürdigt. Acht Gebäude - vom energiesparenden Wohnhaus bis zum nutzerfreundlichen Büroturm - konnten die Jury überzeugen. "Die Preisträger haben mit ihren Projekten Mut bewiesen und einen wichtigen Beitrag zur Baukultur geleistet", sagte Umweltdezernentin Dr. Manuela Rottmann bei der Verleihung im Rahmen des "Mainova Energy Talks". "Hinter die hier erreichten Standards sollten wir nicht mehr zurückfallen." Die Fachjury hatte es nicht leicht, unter zwölf Bewerbungen die besten Projekte herauszufiltern. Die Schwerpunkte der Bewertung lagen auf innovativen Energiekonzepten, einer nachhaltigen Gebäudenutzung und einer ansprechenden Gestaltung.

Ausgezeichneter Wohnkomfort

Als zukunftsweisende Neubauten wurden das fünfgeschossige Minimum Impact House von Hans Drexler und die Baugruppe Scheffelstraße von Stefanie und Hans-Dieter Rook ausgezeichnet. Bei beiden Projekten zeigten die Architekten, dass sich eine ansprechende Gestaltung und Passivhausstandard nicht ausschließen. Sowohl das Haus in der Walter-Kolb-Straße als auch die zehn Stadthäuser in der Scheffelstraße bieten eine innovative Lösung, wie Restflächen in dicht bebauten Gebieten aufgewertet werden können.

Die Wohngebäude der ABG-Holding in der Tevesstraße sind ein Beispiel für ein zukunftsweisendes Projekt, da hier erstmals Passivhausniveau bei einer Sanierung erreicht wurde. "Würden alle Gebäude in Frankfurt so vorbildlich saniert, so könnte der CO2-Ausstoß für Wärme bis 2025 um 45 Prozent gesenkt werden", betonte Umweltdezernentin Rottmann bei der Preisverleihung.

Die komplexe Gebäudetechnik von Bürohochhäusern und Schulen stellt Architekten und Planer vor besondere Herausforderungen. Ein Beispiel für eine gelungene Konzeption und Umsetzung energiesparender Technik ist das Helvetia-Gebäude in der Frankfurter Innenstadt. Bereits während der Bauphase wurde die Ausführung regelmäßig überprüft und während des laufenden Betriebs ständig optimiert. Dies führte dazu, dass fast zehn Jahre nach der Fertigstellung der Primärenergiebedarf immer noch vorbildlich ist.

Der Commerzbank-Tower ist nicht nur das höchste Gebäude der Mainmetropole, sondern war vor zehn Jahren auch das grünste. Die Jury würdigte es als ein Hochhaus, das "architektonisch und funktional Zeichen gesetzt hat, die weit über Frankfurt hinaus gewirkt haben".

Zwei Auszeichnungen für Kfw

Gleich zwei Auszeichnungen erhielt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (Kfw). Sie hat mit dem Neubau der Ostarkade und der Sanierung des Haupthauses am Palmengarten Zeichen im nachhaltigen Bauen gesetzt. Bei der Ostarkade wertete die Jury das Lüftungssystem mit Nachtkühlung sowie das Energie- und Wasserkonzept als zukunftsweisend. Das Haupthaus ist ein Beispiel für eine gelungene Sanierung, da der Primärenergiebedarf um 70 Prozent reduziert werden konnte. Besonders hervorzuheben ist auch die Fassadengestaltung, denn die beweglichen Sonnenschutzelemente verleihen dem Gebäude ein lebendiges Aussehen und werten die gesamte Umgebung auf.

Bei der Grundschule in Preungesheim gelang es der Architektin Jelena Bozic, mit den Baustoffen Ziegel und Lärchenholz eine "Wohlfühlatmosphäre" zu schaffen. Bemerkenswert ist, wie es den Beteiligten noch gelang, eine bereits vorliegende Planung nachträglich auf Passivhausstandard zu bringen.

Neue Bauhausbewegung ?

Alle ausgezeichneten Projekte beweisen, dass Energieeffizienz und Nachhaltigkeit mit ausdrucksvoller Gestaltung und Nutzungskomfort vereinbar sind. Umweltdezernentin Rottmann hofft, dass von "Green Building" ein Impuls für eine neue Architekturbewegung ausgeht - ähnlich dem Bauhaus in den 1920er-Jahren. "Die Architektur muss Antworten finden auf die großen Herausforderungen unserer Zeit wie Klimaveränderungen, demografischer Wandel und sich verknappende Ressourcen." Die Preisträger öffnen im kommenden Jahr ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Am "Tag der Green Buildings" sollen Bürger/innen die Möglichkeit haben, die ausgezeichneten Gebäude zu besichtigen. Eine Ausstellung mit Foto- und Videopräsentationen soll den Gedanken des zukunftsweisenden Bauens weitertragen. In zwei Jahren sind Planer und Architekten wieder aufgerufen, sich mit ihren "grünen Gebäuden" für den Architekturpreis zu bewerben.

Der Mainova Energy Talk ist eine regelmäßige Gesprächsrunde der Frankfurter Hochhausbetreiber und gilt als das wichtigste Branchentreffen in der Mainmetropole. Seit dem Jahr 2001 treffen sich bei dieser Veranstaltung zahlreiche Experten aus den Bereichen Energie, Architektur, Gebäudetechnik und Umweltschutz. In Fachvorträgen stellen die Referenten unter anderem aktuelle Themen der Energiepolitik, neue Entwicklungen in der Gebäudetechnik sowie architektonisch und energetisch bedeutsame Bauprojekte vor.

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