Selbstkritische Aufarbeitung im Weltkulturen Museum

Frankfurt (pia). "Ware und Wissen (or the stories you wouldn’t tell a stranger)", heißt die neue Ausstellung im Weltkulturen Museum, die am Mittwoch, 15. Januar, um 19 Uhr von im Beisein von Kulturdezernent Felix Semmelroth, Museumsdirektorin Clementine Deliss und Kustodin Afrika Yvette Mutumba eröffnet wird.

Die Ausstellung thematisiert Beziehungen zwischen Ethnologie und Handel. Erstmals werden die von Museumsgründer Bernhard Hagen angefertigten anthropologischen Nacktaufnahmen von Menschen aus den Jahren 1879 bis 1895 ausgestellt. "Ware & Wissen" zeigt zudem über 1000 historische Artefakte und Fotografien aus Äthiopien, Angola, Australien, Kanada, Kenia, Liberia, Simbabwe, Somalia, Sudan, Südafrika, Venezuela und weiteren Ländern.

Die Schau wirft Schlaglichter auf das Leben einer Institution. Die Geschichten einzelner Personen sind hierbei ebenso von Bedeutung wie Aspekte der Entwicklung einer Disziplin: der ethnologischen Forschung anhand von materiellen Objekten.

"Ware & Wissen" erzählt von verstörenden Blicken auf den Menschen im Namen der Wissenschaft, von der Metamorphose des menschlichen Körpers in ein Objekt, von der Faszination "anderer" Völker, von der Leidenschaft zu sammeln, von dem Auftrag, "fremde" Kulturen für die Ewigkeit zu erhalten, von der Notwendigkeit, Systeme hierfür zu finden. Und es ist die Erzählung davon, wie Geld und Handel letztlich immer eine Rolle spielen.

Das Weltkulturen Museum (bis 2001 Museum für Völkerkunde, von 2001 bis 2010 Museum der Weltkulturen) ist ein ethnologisches Museum am Frankfurter Museumsufer. Die drei Gründerzeitvillen des Instituts beherbergen 67 000 ethnologische Artefakte, 120 000 Fotografien und 50 000 Bücher. In den kommenden Jahren möchte das Museum seine beeindruckende Sammlung unter zeitgenössischen Gesichtspunkten neu ausrichten, die Entstehungsgeschichte hinterfragen und die Ergebnisse für Besucher zugänglich machen. Die Ausstellung "Ware und Wissen" widmet sich der Sammlungsgeschichte mit dem Schwerpunkt internationaler Handel in Frankfurt und Deutschland. Dabei werden kritische Fragen zum Forschungs- und Bildungsauftrag eines ethnographischen Museums sowie zu seinen komplexen Beziehungen zur globalen Handelstätigkeit verhandelt.

Die Ausstellung dauert bis zum 4. Januar 2015. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, und Mittwoch 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 7 Euro ermäßigt 3,50 Euro.

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