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Urteil im Mord an Reiterhof-Chefin.

Frau erdrosselt

Stallmitarbeiter tötet seine Chefin - Gericht fällt klares Urteil

Eine Reiterhof-Besitzerin wird in Schöneck erdrosselt und an ihrem Treppengelände aufgeknüpft. Einer ihrer Mitarbeiter kommt vor Gericht. Nun ist das Urteil gefallen. 

Update vom Mittwoch, 18.09.2019, 13 Uhr: Der Mord an einer Reiterhof-Besitzerin in Schöneck/Büdesheim (Main-Kinzig-Kreis) schockierte den gesamten Ort. Die 51 Jahre alte Frau wurde vor gut einem Jahr in ihrem Wohnhaus tot aufgefunden. Erdrosselt und an ihrem Treppengeländer aufgeknüpft. Es sollte wie ein Selbstmord aussehen. 

Der Täter, ein 23-jähriger Rumäne, wurde nun vor dem Landgericht Hanau zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der zur Tatzeit 22-Jährige heimtückisch vorging und die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt hatte. Eine besondere Schwere der Schuld wurde nicht festgestellt. Die Verteidigung kündigte an, in Revision zu gehen.

Schöneck: Mord auf Reiterhof - Mit einem Seil erdrosselt und dann aufgeknüpft

Der Rumäne war als Hilfsarbeiter auf dem Pferdehof im Ortsteil Büdesheim beschäftigt. Vor gut einem Jahr, am 10.09.2019, kam es zwischen dem Angestellten und seiner Chefin schließlich zum Streit. Der Hilfsarbeiter legte der 51-Jährigen plötzlich ein Seil um den Hals und erdrosselte sie damit. In Vernehmungen bei der Polizei räumte der Stallbursche die Tat ein. "Ich habe eine schlechte Entscheidung getroffen", sagte er den Ermittlungsbeamten. Vor Gericht wiederholte er sein Geständnis.

Bei dem Motiv soll es sich ums Geld gedreht haben, erklärte der Vorsitzende Richter Peter Graßmück. Schon öfter sei es zum Streit mit der Reiterhof-Chefin gekommen. Graßmück sprach daher von einem "Bündel an Motiven". Aber auch eine lebenslange Freiheitsstrafe "könne nicht kitten, was kaputt gemacht wurde", sagte Graßmück mit Blick auf die 23-jährige Tochter der Frau, die als Nebenklägerin aufgetreten war.

Stallmitarbeiter tötet Reiterhof-Chefin - Es sollte wie ein Selbstmord aussehen

Für Staatsanwaltschaft und Nebenklage war es das erhoffte Urteil, beide hatten eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Die Verteidigung sah nur den Tatbestand des Totschlags für erfüllt. Sie plädierte daher auf eine Strafe von weniger als zehn Jahren. Nach Ansicht des Gerichts hatte der Angeklagte aber frühzeitig den festen Entschluss gefasst, sein Opfer umzubringen: Er steckte ein Seil ein, ging unter dem Vorwand, ein Werkzeug zu benötigen, mit der Frau ins Haus und strangulierte sie zu Tode. Um die Tat zu verdecken, hatte er sie dann an einem Treppengeländer im Hausflur aufgeknüpft. So wollte er den Eindruck erwecken, dass sie sich selbst umgebracht hatte.

Weil der Stallbursche zunächst nicht im Fokus der Ermittlungen stand, konnte er nach dem Todesfall unbehelligt abreisen. Gut vier Monate später wurde der mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte Mann allerdings in Österreich festgenommen. Nach dem Todesfall in Schöneck hatte er dort eine neue Stelle angenommen.

Schöneck: Reiterhof-Besitzerin getötet - Angeklagter vor Gericht 

Erstmeldung vom 11.07.2019: Schöneck - In diesen Tagen haben die Staatsanwaltschaft Hanau und die Kriminalpolizei die Ermittlungen zum Mord an Pferdehofbesitzerin Bianca H. abgeschlossen. Die Anklageschrift gegen den Verdächtigen wurde dem Schwurgericht am Hanauer Landgericht übergeben. "Wenn das Gericht unserer Anklage folgt, so wird der Tatverdächtige eine lebenslange Gefängnisstrafe erhalten." Oberstaatsanwalt Dominik Mies gibt sich da seiner Sache recht sicher, denn die Beweislage in diesem Fall sei mittlerweile eindeutig.

Ausgeräumt werden konnten die anfänglichen Vermutungen, dass sich die 51-jährige Reitstallbesitzerin das Leben selbst genommen habe könnte, weil sie an dem Morgen des 10. September erhängt in ihrem Wohnzimmer aufgefunden wurde. Vielmehr deuten alle Indizien darauf hin, dass der Tatverdächtige die Dinge anschließend so arrangiert hat, um von seiner Tat abzulenken. Die anschließende Obduktion der Leiche hat jedenfalls sehr schnell den Verdacht der ermittelnden Kriminalbeamten auf Fremdeinwirkung bestätigt. 

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 23-jährigen Rumänen, der auf dem Reiterhof nur wenige Wochen zuvor als Hilfsarbeiter angefangen hatte. Er kam vom benachbarten Reitstall "Höhenhof" in Nidderau-Ostheim, wo er länger mit seinem Bruder gearbeitet haben soll. Auf dem Büdesheimer Reiterhof habe er dann Hilfsarbeiten verrichtet und auch das Gutshaus von außen komplett angestrichen. Darüber soll es zum Streit zwischen der Gutsbesitzerin und dem Rumänen und anschließend zu der folgenschweren Tat gekommen sein.

Mord in Schöneck: Funde in Rumänien

Nach der Tat hat sich der Verdächtige zunächst in Richtung Rumänien in seine Heimat und später nach Österreich abgesetzt, wo er auch verhaftet und nach Hanau überführt wurde. Mittlerweile hat der 23-Jährige die Tat eingeräumt, allerdings nur im Rahmen eines Totschlagdelikts. Weil er die Mordmerkmale wie Habgier, niedrige Beweggründe oder Heimtücke ausschloss, reisten Kriminalbeamte 1500 Kilometer bis zu seinem Wohnort Resita (Reschitz) in die Karpaten. Dort wurden sie fündig, entdeckten blutverschmierte Kleidungsstücke und konnten zahlreiche Personen vernehmen, die zum engeren Familienkreis des Angeklagten gehören. 

Mit den neuen Erkenntnissen ist sich Mies nun sicher, dass das Gericht seine Mordanklage aus Heimtücke akzeptieren und den Prozessbeginn auf August oder September terminieren wird. Zwischenzeitlich hat sich auch die Zukunft des Reiterhofs weitgehend geklärt. Er wurde nur kurze Zeit nach dem Tod der einstigen Besitzerin und Vorsitzenden des Reitclubs Am Buchwald e. V., Bianca H., zwangsversteigert. 

"Wir haben noch eine Weile versucht, den Geschäftsbetrieb auf dem Gutshof mit 14 Pferden, zwei Hunden und acht Katzen aufrechtzuhalten. Doch nach fast zwei Monaten mussten auch wir aus Personalgründen und Geldsorgen die Segel streichen. Wir haben einfach von keiner Seite Unterstützung erfahren", berichtet enttäuscht Christa Möller, die zeitweilige Geschäftsführerin der "Pferd & Mensch Buchwaldhof Unternehmergesellschaft" und des Reitclubs Am Buchwald e. V. Ein Großteil der Clubmitglieder sei abgesprungen, und auch die meisten Jugendlichen hätten sich neu orientiert. Deshalb wurden am 31. Oktober 2018 der Reitbetrieb und die Pensionspferdehaltung endgültig eingestellt. 

Mord in Schöneck: Reiterhof ist verkauft

"Trotz des schlimmen Geschehens vermisse ich manchmal diese Tage auf ›unserem Hof‹, aber das Leben muss weitergehen. Was bleibt, sind die Erinnerungen", schiebt Christa Möller den Ärger und die Enttäuschungen der vergangenen Monate beiseite. Bei ihr zu Hause treffen sich immer noch ehemalige Vereinsmitglieder, und deshalb will sie den Verein mit seiner fast 40-jährigen Tradition auch noch nicht auflösen. 

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"Man hat uns nicht nur unsere Freundin genommen, die Betreiberin der Reitanlage, sondern unseren reiterlichen Zusammenhang, unser zweites Wohnzimmer, da der Verein nun auch keinen Sitz mehr hat, sondern nur noch auf dem Papier besteht", erklärt Möller immer noch sichtlich bewegt. Inzwischen wurde der Reiterhof "Am Buchwald" veräußert, und auch ein neuer Reitbetrieb hat zum 1. Juni seine Tore wieder geöffnet.

Mord in Schöneck: Streit als Motiv?

Das Motiv für das Verbrechen könnte möglicherweise in dem Streit um die Bezahlung des 23-jährigen Tatverdächtigen und seine anschließende Kündigung liegen. Seine angeblichen Beobachtungen, dass ein schwarzer Kombi mit zwei Männern an dem Morgen auf dem Hof sich aufgehalten habe, stellten sich schnell als Ablenkungsmanöver dar. Sechs Tage hat sich der Tatverdächtige nach dem Geschehen noch auf dem Pferdehof aufgehalten, wohl, um möglichst unverdächtig zu erscheinen. Erst danach hat er sich in seine Heimat nach Rumänien abgesetzt. 

jwn/svw

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