Schnitzeljagd auf dem Flughafen

Frankfurt. Die Wegweiser bereiten Edith Väth erst einmal Kopfzerbrechen. Sie blickt auf die blaue Tafel am Gate A54 und sucht das Gate Z54. Dort soll sie laut ihrem Laufplan das nächste fiktive Flugzeug besteigen. Doch da steht nur der Buchstabe Z – eine Nummernangabe fehlt. "Das finde ich verwirrend", sagt die 65-Jährige.

Später stellt sich für sie heraus, dass die Gates mit dem Buchstaben Z eine Etage höher liegen. Edith Väth ist mit ihrer Nachbarin gekommen. "Aber wo die ist, weiß ich nicht", sagt sie – ihre Bekannte hat ein blaues Armbändchen bekommen und ist damit in einer anderen Gruppe gelandet.

Streiks des Personals werden an diesem Dienstag im neuen Flugsteig A-Plus in Frankfurt nicht simuliert. Vielmehr steht das Verhalten der Fluggäste auf dem Prüfstand. Wie lange brauchen sie von Gate zu Gate im neuen Flugsteig A-Plus? Finden sie sich mit Hilfe der Hinweisschilder zurecht? Können sie die Durchsagen verstehen? All das will der Flughafenbetreiber Fraport von den Freiwilligen erfahren, die am Dienstag in Frankfurt einchecken, umsteigen und die Laufwege erproben. Ein wichtiges Detail weiß Fraport nach eigenen Angaben bereits: Wie viel Geld die Fluggäste in den Geschäften des neuen Flugsteigs ausgeben werden – das wird nicht getestet.

In drei Gruppen lässt die Betreibergesellschaft die Freiwilligen auf den Flugsteig los. Rund 8500 Menschen hätten sich insgesamt für die Tests beworben, sagt Martina Pfeffer, Leiterin des Kapazitätsmanagements bei Fraport. 300 von ihnen können in magentafarbenen Warnwesten teilnehmen und haben jeweils fünf Umschläge bekommen, die ihre Anweisungen enthalten. Bevor ein Umstieg erledigt ist, sollen die restlichen Umschläge verschlossen bleiben – Schnitzeljagd am Flughafen. An jeder Station notieren die Tester, was ihnen auf- oder missfällt. Bei den Lautsprecherdurchsagen etwa wurde bereits nachgebessert, berichtet Pfeffer. Auch Rolltreppen und Aufzüge seien nachjustiert worden, damit zum Start am 10. Oktober alles klappt.

Für 10 Euro Aufwandsentschädigung je Stunde nehmen die Tester weite Wege in Kauf. Zwischendurch greifen sie zu den bereitgestellten Wasserflaschen. Ramona Schaaf und Dennis Steven, die beide in Frankfurt studieren, haben schon einiges hinter sich. "Gefühlt bin ich schon zwei Kilometer gelaufen heute", sagt der Student. "Da dürfte aber noch etwas hinzukommen". Drei seiner fünf Umschläge hat er noch nicht geöffnet. Die weiten Wege seien dem Testbetrieb und mehreren Umstiegen nacheinander geschuldet, sagen die Verantwortlichen. Knapp 800 Meter weit ragt der neue "Finger" des Terminals aus der Wurzel.

In der Brust von Peter Steinberg schlagen zwei Herzen. Der Diplom-Kaufmann aus dem flughafennahen Mörfelden bekommt oft genug auch den Lärm der Flieger mit. Heute testet er wie viele andere aus der Gegend den Flugsteig. "Man ärgert sich und schimpft auch schon mal, aber so kann man auch einfach in den Urlaub fliegen", sagt er zur Nähe des Flughafens. Für ihn funktioniert der Test: "Ich fliege zwar eher wenig, finde mich aber gut zurecht."

Eins scheint auf jeden Fall zu klappen: Die Kommunikation der Fluggäste untereinander. Viele helfen sich und enträtseln zusammen die Hinweisschilder und Buchstabenfolgen. Ramona Schaaf und Dennis Steven haben sich auch eben erst im Flugsteig kennengelernt. "Wie auf einem normalen Flug eben", lacht die Studentin.

Marco Engemann, dpa

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