Der runde Geburtstag wird groß gefeiert

Frankfurt (skh). 1858 öffnete der Zoologische Garten seine Pforten. Aus einer Initiative der Bürgerschaft gründete sich die Zoologische Gesellschaft als Betreiberorganisation.

Mit einem Rahmenprogramm feiern während der kommenden Monate beide Einrichtungen ihren 150. Geburtstag. Rund 60 Feste, Filme, Führungen, Lesungen, Ausstellungen und Vorträge, vielfach in Kooperation mit anderen Einrichtungen, stehen zwischen Mai und Oktober im Jubiläumsprogramm. Bereits im März beginnen die Festivitäten unter dem Motto "Ostern im Zoo" mit Eiersuche und Straußeneierlauf, und während der "Nacht der Museen" am 26. April soll die Zoohistorie in einem Zeitstrahl aufleuchten. Anfang Mai ist die feierliche Eröffnung des neuen Menschenaffenhaus "Borgori-Wald" vorgesehen ,und im gleichen Monat heißt es, während einer Aktionswoche im Rhein-Main-Gebiet: "Biologische Vielfalt erleben". Höhepunkt der Festveranstaltungen ist die Jubiläumsfeier am 9. und 10. August. "Gestern trifft Heute" lautet das Festmotto und beschert den Besuchern Eintrittspreise wie im Gründungsjahr.

Gemeinsam mit der Dramatischen Bühne soll das Zoogelände von Schauspielern, Musikern und Artisten in einen bunten Kunstkarneval verwandelt werden. Clownerie, Zoogeschichte in historischen Kostümen oder Melodien wie "Der Vogelfänger" erwarten die Festbesucher. Zudem findet ein internationales Fußballturnier der Tierpfleger statt, das im Juni auf dem Gelände der Sportgemeinschaft Riederwald ausgetragen wird und zu dem 250 Teilnehmer aus fünf europäischen Ländern erwartet werden. Im Rahmen flankierender Ausstellungen zeigt das Museum für Angewandte Kunst ab 10. Juni keramische Tierdarstellungen und ab 18. September wird der Borgori-Wald Ausstellungsfläche für Uwe Thürnau, der mit seinen Naturmalereien, Fotos und Modellen die Entstehung des Menschenaffenhauses künstlerisch dokumentiert. Zudem ermöglichen diverse Führungen und Kinderangebote besondere Einblicke. So werden Tierdarstellungen im Städel-Museum gesichtet, und mit dem Historischen Museum gibt es mehrere Stadtrundgänge zum ersten Standort des Zoos in der Bockenheimer Landstraße. Das Bibelhaus hingegen organisiert Arche-Führungen und geht Tieren biblisch auf die Spur. Die zoopädagogische Abteilung bietet Erlebnistouren für Acht- bis Zwölfjährige während der Sommer- und Herbstferien.

Als prominente Vorleser werden unter anderem Roger Willemsen erwartet, der aus Brehms Tierleben rezitiert oder Harald Welzer, der seine Neuerscheinung "Klimakriege" vorstellt.

Neuer Bildband über den Zoo

Zum Jubiläum gibt die Zoologische Gesellschaft (ZGF) den Bildband "Ein Platz für wilde Tiere heraus". "Vor 50 Jahren gab Professor Bernhard Grzimek der Arbeit des ZGF eine völlig neue Prägung", beschreibt deren Geschäftsführer, Dr. Christof Schenk. Aus einem reinen Förderverein wurde eine der weltweit führenden Umweltorganisation, die rund 80 Projekte in 20 Ländern betreut. Anlässlich des Jubiläums wird in vielfacher Weise auch dem Naturschutz-Vordenker Grzimek gedacht. Als Direktor übernahm er nach dem Zweiten Weltkrieg die Leitung des Zoos, prägte mit seinen Tiersendungen die Fernsehlandschaft mit und wurde für die Dokumentation "Serengeti darf nicht sterben" mit dem Filmpreis "Oscar" ausgezeichnet. Das umfassende Filmarchiv von Grzimek und dessen Sohn Michael wurde in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität gesichtet und zu sieben Filmschauen zusammengestellt, die "Zoo und Kino als Schaueinrichtungen der Moderne" zeigen. Besondere Würdigung erfährt das Lebenswerk Grzimeks am 24. April mit der feierlichen Umbenennung der Straße "Am Tiergarten" in "Bernhard-Grzimek-Allee".

Der Bedeutung der ZGF im Naturschutz tragen Vorträge und Fachtagungen Rechnung. Neben öffentlichen Veranstaltungen im Frankfurter Presseclub treffen zum "Ape TAG" europäische Menschenaffenexperten in Frankfurt zusammen, um Bestandsplanungen zu diskutieren. "Das Jubiläumsprogramm ist bestens geeignet die beiden Bildungs-, Wissenschafts- und Kultureinrichtungen einem großen Publikum nahe zu bringen", lobt Kulturdezernent Professor Dr. Felix Semmelroth. Das Jubiläum böte Gelegenheit, auf eine Geschichte voller Umbrüche zurückzuschauen, aber auch freudvoll in die Zukunft zu blicken, kündigte Prof. Dr. Manfred Niekisch an, der am 1. März das Amt als Direktor des Zoos antritt. Als langjähriges Vorstandsmitglied der ZGF bleibt durch ihn die fruchtbare Verbindung zwischen Gesellschaft und Zoo erhalten, für die etwa die erfolgreiche Auswilderung eines im Zoo geborenen Nashorns in ein südafrikanisches Naturschutzgebiet steht. Die Gründung des Zoos geht auf eine Initiative der Bürgerschaft zurück, die zuerst die Zoologische Gesellschaft gründete. Ihre Aufgabe war das Betreiben eines auf zehn Jahre befristeten Zoos auf Probe. Der Erfolg machte nach Ablauf der Pachtfrist 1874 den Umzug an den heutigen Standort erforderlich.

Zielsetzung der Einrichtung war neben Erholung und Bildung auch die Forschung. In diesem Sinne wurden Vorträge veranstaltet, Führer und Zeitschriften herausgebracht und eine Bibliothek aufgebaut. Trotz der durch den Umzug zusätzlich angespannten Finanzsituation setzte der Zoo mit Aquarium, Insektenhaus oder der lichtdurchfluteten Reptilienhalle Maßstäbe für vergleichbare Einrichtungen. Mit dem Ersten Weltkrieg drohte dem Zoo das finanzielle Aus, doch die Stadt übernahm die inzwischen etablierte Einrichtung. Zur Mittelbeschaffung gab es Sonderveranstaltungen.

Tierbestand und Haltungsweise haben sich mehrfach grundlegend geändert. Sollten während der ersten drei Jahrzehnte die Tiere entsprechend ihrer Art gezeigt werden, wurden in den folgenden 50 Jahren umfassende Tiersammlungen angestrebt. Mit dem Zoodirektor Grzimek folgte die Abkehr vom "lebenden Museum mit Tiersammlung". Die Arten- und Individuenanzahl wurde reduziert und Zuchtgruppen aufgebaut. Dabei galt das Augenmerk besonders bedrohten Tierarten und deren Erhalt durch Zucht.

Nachhaltige Naturschutzarbeit

Diese neue Haltung begründete eine bis dahin nicht gekannte Kooperation zwischen Zoos im In- und Ausland und legte den Grundstein zur nachhaltigen Naturschutzarbeit der ZGF. Daraus entstand in rund 50 Jahren eine Lebensräume erhaltende Zusammenarbeit zwischen Zoologischem Garten und Naturschutzorganisation wie sie nur mit New York und London verglichen wird. Nach Versuchen der Neuausrichtung mit Außenzoos in den Niddaauen oder am Taunushang bekennt sich der Zoo heute zu seiner Innenstadtlage. In engster Nachbarschaft zu Einkaufstraßen und U-Bahnanbindung sollen Zootiere artgerecht in naturnaher Umgebung und natürlichen Lebenszusammenhängen gezeigt werden. Neueste Umbauten wie der Katzendschungel, die Robbenklippe oder der Borgori-Wald für Menschenaffen sollen Besuchern getreu dem Leitspruch "Tiere erleben – Natur bewahren" ein authentisches Tiererlebnis ermöglichen. Weitere Infos zum Jubiläumsprogramm gibt es im Internet unter www.zoo-frankfurt.de.

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