Richter Hans Bachl geht in den Ruhestand

Frankfurt (dpa/lhe). Beim Landgericht war Hans Bachl fast acht Jahre lang ein Mann fürs Grobe. Der Mann mit der leisen, aber nachdrücklichen Stimme und der Vorliebe für Streichquartette war Vorsitzender einer der beiden Schwurgerichtskammern, die sich fast ausschließlich mit Kapitalverbrechen wie Mord und Totschlag befassen müssen.

Frankfurt (dpa/lhe). Beim Landgericht war Hans Bachl fast acht Jahre lang ein Mann fürs Grobe. Der Mann mit der leisen, aber nachdrücklichen Stimme und der Vorliebe für Streichquartette war Vorsitzender einer der beiden Schwurgerichtskammern, die sich fast ausschließlich mit Kapitalverbrechen wie Mord und Totschlag befassen müssen. Zweistellige oder gar lebenslange Haftstrafen waren nichts Besonderes, wenn die Kammer mit Bachl als Vorsitzendem, den beiden beisitzenden Richtern und den Schöffen zur Urteilsverkündung im Gerichtssaal einzog.

Zwei Tage vor dem Ruhestand des gerade 65 Jahre alt gewordenen Juristen gab es noch einmal neun Jahre und drei Monate wegen Mordversuches. Wie so oft in seiner gut dreieinhalb Jahrzehnte währenden Justizkarriere hatte sich Bachl mit den gewaltsamen Auswirkungen einer gescheiterten Liebesbeziehung zu befassen, an deren Ende eine blutige Messerattacke des eifersüchtigen Mannes stand.

Die weitaus längste Zeit bei der Justiz verbrachte der in Aussig in Nordböhmen geborene Bachl in den Strafkammern des Landgerichts. Bereits in den frühen 1980er-Jahren wirkte er als Beisitzer in der Schwurgerichtskammer an Urteilen für Mörder und Totschläger mit, dann aber wechselte er das Metier und ging in die Jugendstrafkammer, der er sehr lange angehörte und wo nicht nur »aus jeder Akte das Blut tropfte«, wie es ein Kollege von ihm einmal formulierte.

Als 2002 der Vorsitz in einer der Schwurgerichtskammern frei wurde, wechselte Bachl zurück - er sollte in den folgenden Jahren Fälle bearbeiten, die Aufsehen in ganz Deutschland erregten. Durch seine gründliche Prozessvorbereitung und seinen besonnenen, verbindlichen Verhandlungsstil half er dabei, den Ruf der Frankfurter Justiz zu festigen. Lautstarke Gefühlsausbrüche waren die Sache des feinfühligen Mannes nicht. Das habe ihn auch der eigene Sohn einmal nach einem der seltenen Wutausbrüche im Familienkreis erkennen lassen: »Du machst dich ja lächerlich«, habe er gesagt, erzählt Bachl schmunzelnd.

2003 verhandelte er gegen den Kindesentführer Magnus Gäfgen, der den Bankierssohn Jakob von Metzler in seine Gewalt gebracht und getötet hatte, bei dessen Ergreifung und Vernehmung die Polizei ziemlich viel falsch gemacht hatte. Trotz mehrerer wertlos gewordener Geständnisse endete der Prozess gegen Gäfgen ebenso mit einer lebenslangen Haftstrafe wie einige Jahre später das spektakuläre Verfahren gegen den Mörder des Mädchens Trixi S. aus der Nordweststadt, das erst 26 Jahre nach dem Tod des Opfers geführt werden konnte. Die Entwicklung der Gentechnik machte die Ergreifung und Identifizierung des Täters möglich.

Strafverfahren aus anderen Teilen Hessens standen dann auf der Tagesordnung des Schwurgerichts, wenn der Bundesgerichtshof sie von anderen Gerichten verwies. So musste sich Bachl mit seiner Kammer über mehrere Monate weg mit einer Blutrache-Fehde aus Wiesbaden beschäftigen, die sich Angehörige verfeindeter türkischer Familien geliefert hatten.

Derlei dramatisches Geschehen wird der Ruheständler, der mehr für seine drei Enkel da sein will, künftig nur noch als Besucher der Oper oder des Theaters erleben. Bachl beschränkt sich im Kulturbetrieb aber nicht nur aufs Passive. Wenngleich der pensionierte Richter in der Frankfurter Orchestergesellschaft nur mehr die zweite Geige spielt, wird dies die neue Rolle sein, in der man den feinfühligen Juristen noch erleben wird. Auf der Ski-Piste aber lebt der sportliche Ruhestandsrichter auch einmal seine Gefühle aus.

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