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So oder so ähnlich könnte auch der Freiwillige Polizeidienst bald in Offenbach gekleidet sein. Seitens des Landes verspricht man sich eine Entlastung der Polizei, „die sich mehr und brennpunktorientierter auf die Verhütung und Verfolgung von Straftaten konzentrieren kann“.

Freiwilliger Polizeidienst

Mehr Sicherheit in Offenbach: Zwanzig Freiwillige sollen helfen

Es ist im Koalitionsvertrag festgezurrt; das Stadtparlament hat den Beschluss im Herbst 2017 gefasst; seit gestern ist der Vertrag unterschrieben; ab 2020 sind wohl die ersten Streifen unterwegs. Dann hat Offenbach wieder einen Freiwilligen Polizeidienst (FPD).

Offenbach – Die Betonung liegt auf wieder. Denn von 2000 bis 2004 war Offenbach eine von vier hessischen Pilotkommunen für einen solchen Dienst. Eingestellt wurde er seinerzeit nicht aufgrund mangelnden Erfolgs, sondern wegen der Finanzierung. Als diese vom Land auf die Stadt überging, zog der damalige Oberbürgermeister Gerhard Grandke den Stecker: Was das Land bestelle, solle es gefälligst auch bezahlen.

Das war noch unter SPD-Dominanz. Seit dem lokalen Regierungswechsel zu Tansania (CDU, Grüne, FDP und Freie Wähler) haben sich die politischen Vorzeichen geändert. CDU-Bürgermeister Peter Freier umschreibt stellvertretend die Vorgehensweise nicht nur bei diesem Thema gestern so: „Wir beschäftigen uns weniger mit ideologischen Vorbehalten, wir favorisieren eine sachliche Betrachtung. Das hilft...“

Offenbach: Ab 2020 Platz für die freiwillige Ordnungshüter

Wenig hilfreich ist in diesem Zusammenhang allerdings ein räumlicher Engpass in der Stadtverwaltung gewesen: „Dass wir jetzt erst starten können mit dem Freiwilligen Polizeidienst ist unsere Schuld.“ Heißt: Erst mit der Anmietung des Hauses der Wirtschaft, startet ein internes Umzugs-Karussell, das ab 2020 Platz schafft für die freiwilligen Ordnungshüter. Zwischenzeitlich kommen sie im Rathaus unter, langfristig sind sie räumlich der Stadtpolizei zugeordnet. „Unsere große Stadtwache findet dann ihren zentralen Platz im Stadthaus.“

Die Stadt will zwanzig Polizeihelfer beschäftigen, im Haushalt sind dafür 33 600 Euro bereitgestellt. Festgelegt ist ein Entgelt von sieben Euro pro Stunde (maximal 20 Stunden im Monat); ein Umstand, der seit jeher politisch heftig umstritten ist, da beispielsweise Freiwillige Feuerwehrleute ihre Arbeit fürs Gemeinwohl nicht vergütet bekommen.

Gleichwohl sehen die aktuell Verantwortlichen im FPD eine „enorme Hilfe“. „Wir wären froh, wenn wir sie bereits in diesem Sommer hätten, um in Parks oder am Mainufer mit den Bürgern in einen Dialog zu treten“, weist Peter Freier auf ein Aufgabenfeld hin. Die Rufe nach Kontrollen gegen die dortige Vermüllung oder das Füttern der Wasservögeln mehren sich. Das gegenwärtige Personal kann das nicht leisten.

„Wir wollen das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken“

Kernargument auch fürs Land: „Wir wollen das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. Ein Baustein dabei ist der FPD.“ Das betont der Staatssekretär im Innenministerium Dr. Stefan Heck, der gestern den Vertrag zur Einführung des Freiwilligen Polizeidienstes für das Land unterzeichnet hat: „Denn Sicherheit ist nicht allein Aufgabe der Polizei, sondern eine Aufgabe, die uns alle angeht. Daher freut es mich umso mehr, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig für das Wohl und für die Sicherheit ihrer Mitbürger einsetzen.“

Flankiert wird das mit Erfahrungen des Polizeipräsidiums Südosthessen, in dessen Zuständigkeitsbereich schon zwölf Kommunen mit 71 Personen einen Freiwilligendienst vorhalten. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, lobt der Leitende Polizeidirektor Claus Spinnler. Jetzt ist es an der Stadt , Bewerber über ein Auswahlverfahren zu rekrutieren und bei der Polizei ausbilden zu lassen. 50 Stunden wird gelernt, dazu kommen zehn für interkulturelle Zusammenarbeit. Für Spinnler gehören Männer und Frauen mit ausländischen Wurzeln unabdingbar dazu: „Der Freiwillige Polizeidienst soll ein breites Abbild der Bevölkerung sein.“ Eine der Grundvoraussetzungen ist sprachliche Kompetenz, da die Kommunikation im Vordergrund steht – also gut in Deutsch und der jeweiligen Fremdsprache. Sorge, keine zwanzig Helfer zusammenzukriegen, gibt es nicht. Ohne Bekanntmachung liegen bereits vier Bewerbungen vor.

VON MARTIN KUHN

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