Oft mehr Kälber geladen als gesetzlich erlaubt

Frankfurt. Es war ein einschneidendes Erlebnis vor sechs Jahren, das die Tierschutzorganisation "Animals' Angels" auf die Idee brachte, eine besondere Fortbildung für Polizisten anzuregen. Für Tiertransporte. Iris Baumgärtner und ihr Team waren damals einem Tiertransporter 20 Stunden lang gefolgt. Es bestand der Verdacht, dass der mehr Kälber geladen hatte als erlaubt. Doch die von den Tierschützern alarmierte Polizei weigerte sich einzugreifen. "Die Polizisten hatten einfach Angst, da sie die Vorschriften nicht kannten", erinnert sich Baumgärtner.

Frankfurt. Es war ein einschneidendes Erlebnis vor sechs Jahren, das die Tierschutzorganisation "Animals' Angels" auf die Idee brachte, eine besondere Fortbildung für Polizisten anzuregen. Für Tiertransporte. Iris Baumgärtner und ihr Team waren damals einem Tiertransporter 20 Stunden lang gefolgt. Es bestand der Verdacht, dass der mehr Kälber geladen hatte als erlaubt. Doch die von den Tierschützern alarmierte Polizei weigerte sich einzugreifen. "Die Polizisten hatten einfach Angst, da sie die Vorschriften nicht kannten", erinnert sich Baumgärtner.

"Ein häufiges Problem ist, dass mehr Tiere geladen sind, als das Gesetz erlaubt. Dabei haben die Tiere große Schmerzen", sagt Baumgärtner. Oft seien die Tiere verletzt oder zu jung, um transportiert zu werden. Nicht selten würden keine Versorgungspausen gemacht.

"International anerkannt"

Die Tierschutzorganisation bezeichnet sich als "die Experten" für Langstreckentransporte für Nutztiere wie Schweine, Pferde oder Kühe in Lastwagen oder auf Schiffen. Nach eigener Auskunft ist Animals' Angels international anerkannt als Fachorganisation zu dem Thema, berät Regierungen in EU-Staaten, schulte bislang mehr als 2000 Polizisten über geltende Gesetze zum Transport und gehört als einzige eigenständige Tierschutzorganisation der EU-Beratungsgruppe für Pflanzen- und Tiergesundheit an.

Christa Blanke gründete den Verein 1998 in Frankfurt. Die Teams sind in zwölf Ländern aktiv, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada und USA. Überall wird auf die Kooperation mit Behörden und Ministerien Wert gelegt. Für den Verein arbeiten weltweit 15 Angestellte und circa 40 freie Mitarbeiter. Das Motto des Teams: "Wir sind bei den Tieren." Finanziert werden die oft sehr aufwendigen und zeitraubenden Aktionen ausschließlich durch Spenden. Als langfristiges Ziel hat sich "Animals' Angels" die Abschaffung von Langzeittransporten für Nutztiere gesetzt.

Grundlagen der EU-Verordnung

Seit April 2004 bietet der Verein Fortbildungen für Polizisten an. "Das theoretische Training dauert zwei bis drei Stunden. Meistens wird das Wissen anschließend zusammen mit uns direkt in der Praxis angewandt", schildert Baumgärtner. Die Experten von "Animals' Angels" vermitteln die Grundlagen der EU-Verordnung für den Transport von Nutztieren und illustrieren häufig auftretende Probleme und Lösungsmöglichkeiten. Danach sollen die Polizisten wissen, worauf es bei der Kontrolle ankommt und welche Bedürfnisse die Tiere haben. Seit es die Schulungen gibt, gebe es häufigere und gründlichere Kontrollen, lobt Baumgärtner. Als einzige Tierschutzorganisation habe "Animals' Angels" Polizeihandbücher herausgebracht. Mit der Zusammenarbeit sind Polizei und die "Animals' Angels" seitdem sehr zufrieden. Aus Anerkennung für die zusätzliche Ausbildung spendeten gerade 250 Polizeihauptkommissare aus Hessen insgesamt 1100 Euro an den Tierschutzverein.

"Kostenlose Fortbildungen werden auch von der Polizei gerne wahrgenommen, besonders dann wenn die Ausbilder so kompetent sind wie die von "Animals' Angels" in Sachen Tiertransportrecht", sagt Karl Weber, Beamter bei der Wasserschutzpolizei in Kiel. Er nahm im März 2009 an einer Fortbildung teil. Außer ihm saßen rund 50 Veterinäre und Polizisten in der Schulung. Der Polizist berichtet, dass er und seine Kollegen sich seitdem auch privat viel mehr Gedanken darüber machten, woher das Fleisch stammt, dass sie essen.

Hannah Nesswetter, ddp-hes

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