Um Lebensqualität im »Zuhause auf Zeit« bemüht

Frankfurt (cf). Ist Heilung eines Menschen nicht möglich, dann steht die Linderung von Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, oder Erbrechen im Vordergrund. Das ist Ziel der täglichen palliativen Pflege der 26 hauptamtlichen und 41 ehrenamtlichen Mitarbeiter des am 2. Mai 2005 gegründeten stationären Hospiz Sankt Katharina.

Zum 1. Januar 2008 wurde die Zahl der Betten auf zwölf erhöht. Heute stehen dem Hospiz insgesamt rund 650 Quadratmeter mit Gartenanbindung zur Verfügung. Die zwölf Einzelzimmer verfügen über behindertengerechte Bäder und Terrassen. Gemeinschaftsräume sind Wintergarten, Küche, Lese- und Gesprächsraum, ein Raum der Stille, ein Therapiebad, Schulungs- und Sozialräume sowie Zimmer für die Angehörigen. »In den fünf Jahren unseres Bestehens haben wir 528 Hospizgäste, davon 227 Männer und 301 Frauen, nach den Grundsätzen von ›Palliative Care‹ (Hospizarbeit) betreut«, sagt Leiterin Katrin Pithan. Im Hospiz verstarben 494 Menschen, 14 konnten noch einmal nach Hause entlassen werden, neun wurden in ein Pflegeheim, ein Krankenhaus oder andere Orte verlegt.

»Alles in allem hat das stationäre Hospiz in Frankfurt eine Versorgungslücke geschlossen und einen wichtigen Beitrag geleistet, Bürgern der Stadt in ihrer letzten Lebensphase intensive Begleitung und ein schmerzfreies, würdevolles Sterben zu ermöglichen«, so Pithan. Die 41 ehrenamtlichen Mitarbeiter leisteten im letzten Jahr insgesamt 4141 Stunden, was zwei Vollzeitkräften entspricht. »Das Ehrenamt ist ein Fundament der Hospizarbeit«, loben die Hauptamtlichen.

Betreut werden die Menschen im ersten stationären Hospiz Frankfurts auch von einer Sozialarbeiterin als ehrenamtliche Koordinatorin, drei hauswirtschaftlichen Teilzeitkräften und der Hospizleitung.

Geschäftsführer der Hospiz GmbH sind Schwester M. Ludgera Stolze und Betriebswirt Frank Hieke. Gesellschafter sind das St. Katharinen- und Weißfrauenstift sowie die Sankt Katharinen Krankenhaus GmbH. Die ärztliche Betreuung erfolgt durch sechs niedergelassene Hausärzte und einen Schmerztherapeuten. Um die seelsorgerische Begleitung kümmern sich drei Seelsorger.

Das Ziel von Palliativmedizin und Hospizarbeit beschrieb Professor Dr. Albrecht Encke, Vorsitzender des Hospizvereins Sankt Katharina, mit einem Zitat. Es stammt von Cicely Saunders, Begründerin der Hospizbewegung: »Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.« Zusammen mit seiner Stellvertreterin, der stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteherin Alexandra Prinzessin von Hannover, begrüßte Encke die Gäste.

»Das Sterben gehört zum Leben«

Zwei Jahre intensiver ideeller, finanzieller und bautechnischer Vorbereitung waren nötig, bevor das Hospiz eröffnet werden konnte. »Das Sterben gehört zum Leben und nicht zum Tod«, betonte Encke. Menschen erfahren im Hospiz eine umfassende Betreuung, die Leiden bestmöglich lindert und dabei nach den körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Dimensionen fragt, führte Pithan aus. Der jüngste Hospizgast war 28 Jahre, der älteste 99 Jahre alt. Sie und alle anderen konnten im Hospiz Sankt Katharina ihre letzte Lebensphase würdevoll und selbstbestimmt erleben. »Aufgenommen werden Menschen mit unheilbaren fortschreitenden Erkrankungen, die meisten haben eine Krebserkrankung im Endstadium«, sagte die Hospizleiterin. Die durchschnittliche Verweildauer lag bei 30,3 Tagen. »Wir können für unsere Hospizgäste an Krankheit und Sterben nichts ändern, aber für sie da sein und versuchen schwerste Situationen mit ihnen auszuhalten, was zu den größten Herausforderungen im Hospiz zählt«, so Pithan.

Seit 2009 ist der Hospizgast durch Gesetzgebung von seinem früheren Eigenanteil entbunden, sein Aufenthalt wird durch die Kranken- und Pflegekassen weitgehend finanziert. Der zehnprozentige Eigenanteil, den der Hospiz-Träger zu finanzieren hat, wird durch Spender, Stiftungen und Sponsoren, die Mitglieder des Hospizvereins und die kontinuierlichen Zuwendungen des Katharinen- und Weißfrauenstifts gedeckt. Damit viele Bürger die Hospizangebote nutzen können, ist eine Vernetzung ambulanter und stationärer Hospizversorgung wichtig. Das Hospiz Sankt Katharina arbeitet eng mit der ambulanten Hospizgruppe des Bürgerinstitutes, dem entstehenden ambulanten »Palliative Care Teams« des Palliativen Netzwerks der Stadt sowie mit dem neuen stationären evangelischen Hospiz zusammen.

Über die Entwicklung und Perspektiven der Hospiz- und Palliativarbeit in Deutschland sprach Dr. Birgit Weihrauch, die Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. Musikalisch umrahmt wurde die Feier im Festzelt von dem Duo »Live Music Now« und den »Red Hot Hottentots«.

Hospiz Sankt Katharina, Spenden: Commerzbank, Kto. 5 80 16 67, BLZ 500 400 00 und Frankfurter Sparkasse, Kto. 2 00 31 45 80, BLZ 500 502 01.

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