"Das Leben selbst ist der beste Lehrmeister"

Frankfurt (cf). Am 28. August jährt sich zum 261. Mal Goethes Geburtstag. Obwohl das Verhältnis des Dichterfürsten zu seiner Heimatstadt, die er als ein "leidig Loch" und "Nest" bezeichnete, stets gespalten war, ist die Mainmetropole stolz auf ihren großen Sohn. Und sie ehrt ihn zum dritten Mal mit einer "Frankfurter Goethe Festwoche".

In den Mittelpunkt des 23 Veranstaltungen umfassenden Programms stellen zehn örtliche Kultureinrichtungen die 1795 und 1796 verfassten Romane "Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre". Thematisiert werden im Roman Kunst, Theater, Persönlichkeitsentwicklung und die zu jeder Zeit für alle elementare Frage: "Wie lässt sich das Leben am besten meistern?" "Nicht die Kunst, sondern das Leben selbst ist der beste Lehrmeister", erkennt Wilhelm Meister.

"Goethe lebte 26 Jahre in Frankfurt, er schrieb hier unter anderem den Werther und den Anfang der Lehrjahre", sagte Kulturdezernent Professor Dr. Felix Semmelroth. Bei Schiller habe der Roman zunächst "süße und innige Behaglichkeit", aber auch ein "Gefühl geistiger und leiblicher Gesundheit" ausgelöst, wie im Briefwechsel der beiden von 1795/96 nachzulesen ist.

Der Kulturdezernent sagte bei der Präsentation der Festwoche im Palmengarten: "Ich freue mich auf ein abwechslungsreiches, spannendes und anspruchsvolles Kulturprogramm. Ich danke allen Mitveranstaltern für ihr großes Engagement und wünsche dem Publikum einen neuen Blick auf einen großen Klassiker."

Wie stellt man Literatur aus?

Gemeinsamer Nenner der vielfältigen Veranstaltungen ist die Thematisierung des Werkwechsels von der Literatur in andere Genres wie Ausstellung, Film und Drama. Auf die Frage "Wie stellt man Literatur aus?" geben in der Ausstellung "Sieben Positionen zu Goethes Wilhelm Meister" im Goethe-Haus eine Antwort. "Das Goethe-Museum macht schon immer Literaturausstellungen. Neu ist, dass wir hinausgehen und internationale Künstler mit einbinden", sagte Museumsdirektorin Professorin Dr. Anne Bohnenkamp-Renken. Die Ausstellung, bei der Interpret und Gestalter ein Team bilden, gehört zu den herausragenden Programmpunkten der diesjährigen Festwoche. Diskutiert werde die Frage, wie Literatur überhaupt auszustellen sei. Das Ausstellungsspektrum reicht vom wichtigsten überlieferten Manuskript des "Wilhelm Meister" über eine Installation des Frankfurter Künstlers Jean Luc Cornec rund um das Goethe-Denkmal und der Stadterkundung bis zu Installationen mit Leserstimmen und der Möglichkeit, die Goethesche Syntax tanzend zu erfahren. Das Spezifische der Ausstellung sei, dass die Literatur mit in den Raum genommen werde, kündigte die Direktorin an. Die zu lösende Aufgabe müsse Antwort auf die Frage geben, wie ein Medium wie die Literatur in ein anderes - visuelles - Medium transportiert werden könne, damit es zu einem medialen Medium werde.

Dabei handele es sich bei den Veränderungen durch den Transport nicht nur um Verluste, sondern auch um Gewinne. Dies zeige die Tradition des Transportes eines literarischen Werkes in das Theater.

Liederabende und Lesungen

Das weitere Programm umfasst Liederabende, Lesungen wie die mit dem neuen Berger Stadtschreiber Thomas Rosenlöcher, Podiumsgespräche, Diskussionen, Führungen und Workshops. An Goethes Leben und Werk erinnert die Diskussion "Goethe und Kapitalismus" mit Daniel Cohn-Bendit, die der Frage nach der Aktualität von beiden nachgeht. Auf den Spuren von "Frankfurt zur Zeit Goethes" können Besucher bei Führungen im Historischen Museum etwa bei der Betrachtung des Gemäldes "Das Mainufer am Fahrtor" von Friedrich Wilhelm Hirt wandeln. Wie die Altstadt zur Zeit des jungen Goethe aussah, zeigt das große Stadtmodell der Brüder Treuner. Alle Zeitgenossen und seine Familie, die unter Goethe litten, kommen bei einer fiktiven Geburtstagstafel im Theater Willy Praml zu Wort. An der Tafel in der Naxoshalle sitzen Frau von Stein, Schiller, Lenz, Christiane Vulpius und Sohn August.

Zu den Veranstaltern der Festwoche gehören Schauspiel, Goethe-Haus, Palmengarten, das Historische Museum, Filmmuseum, das Museum für Angewandte Kunst, Museum Giersch, Theater Willy Praml und das Kulturamt.

Die "Frankfurter Goethe Festwoche" findet vom 28. August bis 5. September statt. Informationen zum Programm gibt es im Internet unter .

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