"KulturCampus" auf dem alten Uni-Gelände?

Frankfurt. Noch nie war Finanzminister Karlheinz Weimar in Hessens größter Stadt so beliebt, wie in seinen letzten Amtstagen. Die Ankündigung des scheidenden CDU-Politikers, das Land werde auf dem alten Uni-Gelände im Stadtteil Bockenheim den Bau eines "KulturCampus" unterstützen, hat in Hessens Metropole unisono großen Beifall gefunden.

Von der Union bis zur Linken sind sich alle einig, dass dies "ein großer Wurf" werden könnte. Zugleich war die Überraschung groß, weil doch fast alle gedacht hatten, das Land wolle das ihm gehörende Gelände für so viel Geld wie möglich an potente Investoren verscherbeln

"Der alte Campus ist der ideale Standort", sagt "Kulturpapst" Hilmar Hoffmann, der gerade seinen 85. Geburtstag feierte und mit dem Bau des "Museumsufers" als Kulturdezernent Geschichte geschrieben hat. Nach dem Weggang der letzten Studenten in Bockenheim könnte es im Jahr 2015 mit dem Kulturcampus losgehen. Die Hochschule für Musik und Darstellende Künste (HfMDK) soll vom Land für 120 Millionen Euro nicht nur ein neues Gebäude, sondern auch einen kleinen Konzertsaal erhalten. Am jetzigen Standort im Zentrum platzt die Hochschule aus allen Nähten.

Außerdem sollen mit finanzieller Unterstützung der Stadt weitere Kultureinrichtungen wie die Junge Deutsche Philharmonie und das Ensemble Modern, das weltweit zu den führenden Ensembles für Neue Musik gehört, nach Bockenheim ziehen. Diese, im "Labor der Moderne" bereits zusammengeschlossen, wären dann mit dem Bockenheimer Depot benachbart. Die denkmalgeschützte ehemalige Straßenbahnhalle wird schon seit Jahren von Theater, Oper und der renommierten Tanzcompany von William Forsythe genutzt.

Für einen Neubau in Bockenheim hatte vor allem der Präsident der Musikhochschule, Thomas Rietschel, gekämpft. Jetzt glaubt er, dass dort "ein in Europa einmaliges Zentrum der Kultur" entstehen könne. Schon länger war bekannt, dass sich auf dem alten Campus die Senckenberg Gesellschaft erweitern darf. Neben ihrem berühmten Museum wird sie dort Forschungseinrichtungen ausbauen - mit einem Zentrum "für Biodiversität und Klima".

Neben dem Kulturcampus mit rund 30 000 Quadratmetern sollen auf dem rund 17 Hektar großen Gelände - es gilt als letztes zentrumsnahes Filetstück - aber vor allem Wohnungen und Büros sowie Geschäfte entstehen. Weimar hofft, daraus für das Land immer noch genug Kapital schlagen zu können. Den Erlös will das Land in den Ausbau des neuen Campus im Westend stecken. Auch wenn vieles noch Zukunftsmusik ist, bleibt der Gesinnungswandel in Wiesbaden bemerkenswert. "Das Land hat erkannt, was Kultur für die Städte bedeutet", meint Hilmar Hoffmann, der auch im Hochschulrat der HfMDK sitzt.

Kultur gilt heute als eminent wichtiger Standortfaktor im Konkurrenzkampf der Metropolen. Keine andere Stadt in Deutschland gibt - pro Kopf gerechnet - zwar so viel Geld für Kultur aus wie Frankfurt. Allerdings handelt es sich dabei vor allem um "Hochkultur" wie Oper, Schauspiel oder Museen. Der "Kultur-Campus" könnte jetzt für eine jüngere Kulturszene aus Musik und Tanz ein angemessenes Forum werden, die trotz überregionalen Renommees bisher in Frankfurt kaum richtig wahrgenommen wurde.

Hoffmann, bundesweit mit dem von ihm kreierten Begriff "Kultur für alle" berühmt geworden, sieht darin eine große Chance für die Verwirklichung seiner alten Ziele. Nicht nur der "Kultur-Campus", sondern auch die Goethe-Universität müsse sich aber auf ihrem neuen Campus mehr zur Stadt hin öffnen, fordert er. "Dann kann davon eine Sogwirkung ausgehen."

Thomas Maier, dpa

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