Das Kreuz mit dem Kreuz

Frankfurt. Hessens Innenminister Boris Rhein hat bei der Oberbürgermeisterwahl in Hessens größter Stadt die Favoritenrolle inne, das zeigen Umfragen. Aber der CDU-Politiker hat am 11. März neun Gegenkandidaten.

Und bis vor kurzem hatte sich noch gut jeder Fünfte nicht entschieden, wem er seine Stimme geben wird. Eine Stichwahl ist deshalb wahrscheinlich. Diskussionsstoff gibt es bis dahin allerdings genug: Die Top-Themen sind der Fluglärm und der soziale Bereich. Rhein ist zweifelsohne der bekannteste der zehn Kandidaten, die bei der OB-Wahl in der fünftgrößten Stadt Deutschlands antreten. Der 40-Jährige nutzt im Wahlkampf die Beliebtheit und Bekanntheit der vorzeitig scheidenden Amtsinhaberin Petra Roth. Er geht mit der dienstältesten Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt auf Werbetour und ist mit ihr auch auf vielen Wahlplakaten zu sehen.

Die größten Chancen gegen Rhein hat in der von Schwarz-Grün regierten Metropole der SPD-Kandidat Peter Feldmann. In einer Umfrage im Auftrag einer Tageszeitung zwei Monate vor der Wahl lag Rhein mit 32,1 Prozent in der Gunst der Wähler vorn, gefolgt von Feldmann mit 19,4 Prozent und der Grünen-Bewerberin Rosemarie Heilig mit 12,4 Prozent. Allerdings hatte Mitte Januar auch noch gut jeder Fünfte nicht entschieden, für wen er stimmen wird.

467 000 Wahlberechtigte

Als ein Top-Thema für die rund 467 000 Wähler kristallisierte sich in der Umfrage der Fluglärm heraus. 18,8 Prozent nannten ihn als wichtigstes Problem, das ein neues Stadtoberhaupt angehen sollte. Noch wichtiger waren allerdings die "sozialen Probleme" (22,6 Prozent).

Die Grüne Heilig könnte mit dem Flughafen-Thema punkten. Sie spricht sich – wie Janine Wissler von der Linken und Ursula Fechter von den Flughafenausbaugegnern (FAG) – für die Stilllegung der neuen Landebahn aus. Der SPD-Kandidat Feldmann steht dagegen wie Rhein weiter zum Flughafen als Jobmotor, will sich aber für die Ausweitung des derzeit gültigen Nachtflugverbots um zwei Stunden auf 22 bis 6 Uhr stark machen und Flüge auf die Flughäfen Hahn und Kassel verlagern. Der Sozialpolitiker könnte mit seinem Engagement gegen Kinderarmut sowie für alte Menschen und mehr bezahlbaren Wohnraum Stimmen gewinnen. Rhein macht sich aber auch für mehr Erzieher stark.

Nach Rhein, Feldmann und Heilig sind die anderen sieben Kandidaten laut Umfrage weit abgeschlagen. Dazu gehören außer Wissler und Fechter noch Herbert Förster von den Piraten und der frühere Chefredakteur des Frankfurter Satiremagazins "Ttanic", Oliver Maria Schmitt.

Der Humorist stellte am Donnerstag in Frankfurt sein Wahlprogramm vor: Das Bankenviertel wird unter die Erde verlegt, die Nachbarstadt Offenbach eingemeindet, mehr niedliche Tiere für den Zoo. Für seinen Wahlkampf plant er Diskussionsrunden in Bahnhofskneipen ("Trinker fragen – Politiker antworten"). Seine Zeit im Römer würde er vorwiegend mit der Suche nach der Haushaltskasse verbringen und mit Untätigkeit: "Wer nichts macht, macht auch keine Fehler." Außerdem kandidieren als Einzelbewerber Carl Maria Schulte, Jean-Jules Tatchouop und Harald Frenzel aus Fränkisch-Crumbach. Die FDP und die Freien Wähler schicken keinen Kandidaten ins Rennen.

Die 67 Jahre alte Roth tritt aus Altersgründen nicht mehr an. Nach rund 17 Amtsjahren hört die erste Frau an der Spitze Frankfurts ein Jahr früher auf als geplant.

Roth will Generationswechsel

Sie wolle einen Generationswechsel einleiten und die OB-Wahl möglichst unbeeinflusst von der Bundestags- und der Landtagswahl lassen, hatte sie ihren überraschenden Rückzug im November begründet. Dabei hatte sie zugleich Rhein als Kandidaten präsentiert und die anderen Parteien unter Zugzwang gesetzt. Ira Schaible, dpa

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