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Mäuse legen Ampel lahm – Verkehrschaos an zentraler Kreuzung in Frankfurt

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Weil Kabel angeknabbert wurden, ist eine Ampel am Anlagenring in Frankfurt Tage lang ausgefallen. Am Dienstag (6. Dezember) soll alles wieder funktionieren.

Frankfurt - Ganze Arbeit haben kleine Nager geleistet und die Ampelanlage am Knotenpunkt Friedberger Landstraße/Nibelungenallee/Rotschildallee in Frankfurt lahmgelegt. Seit Montag, 28. November, regeln deshalb Bedienstete der städtischen Verkehrspolizei während der Hauptverkehrszeiten den Verkehrsfluss. Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Wiederinbetriebnahme. „Die Lichtsignalanlage soll am Dienstag wieder hochgefahren werden. Ein Restrisiko bleibt natürlich, aber wir sind guter Dinge, dass alles klappt“, sagt Ingmar Bolle, Sprecher des Straßenverkehrsamtes der Stadt Frankfurt am Montag, 5. Dezember.

Nager wie Mäuse und Ratten knabbern gerne alles an. Das dient vor allem auch dazu, dass ihre schnell wachsenden Zähne nicht zu lang werden. Dass Mäuse sich nun aber ausgerechnet am Netzteil der Ampelanlage, das in einem etwa 1,50 mal 1,50 Meter großen grauen Kasten auf dem begrünten Mittelstreifen untergebracht ist, zu schaffen machten, war Pech. Das setzte laut Bolle nämlich eine Kettenreaktion in Gang. Das Ergebnis: Totalschaden.

Die kleinen Tierchen hatten Kabel im Netzteil angefressen und dadurch beschädigt. Hierdurch kam es zu einem Kabelbrand, der wiederum einen Kurzschluss im Netzteil auslöste. Der Kurzschluss wiederum führte zu einem Totalschaden des so genannten Steuergerätes, also des „Gehirns“ der ganzen Anlage.

Die komplette Technik der Ampelsteuerung am Knotenpunkt Friedberger Anlage / Nibelungenallee / Rotschildallee wird ersetzt. Mäuse haben Kabel angeknabbert und damit einen Totalschaden der Steuerung verursacht.
Die komplette Technik der Ampelsteuerung am Knotenpunkt Friedberger Anlage / Nibelungenallee / Rotschildallee wird ersetzt. Mäuse haben Kabel angeknabbert und damit einen Totalschaden der Steuerung verursacht. © Matthias Bittner

Frankfurt: Ampelanlage am Anlagenring außer Betrieb - Komplexe Reparatur

Der Defekt der Ampel war zwar schnell festgestellt worden. Laut Bolle hört die Lichtsignalanlage Friedberger Landstraße/Nibelungenallee/Rotschildallee auf den Namen R17 und hat am 28. November um 7.24 Uhr in der Verkehrsleitzentrale (VLZ) einen Notruf abgesetzt. „Denn auch hier sind wir digitalisiert: Die an die VLZ angeschlossenen Anlagen melden nicht nur sekundengenau und detailliert, was sie gerade genau anzeigen, sondern sind als kritische Verkehrsinfrastruktur auch so ausgelegt, dass sie selbsttätig Fehler melden - das reicht vom Ausfall eines Rotlichts bis hin zum Totalschaden“, erklärt Bolle. Diesen stellte der verständigte Techniker dann bereits um 8.15 Uhr an Ort und Stelle fest.

Schnell repariert werden konnte die Ampel allerdings nicht. Sie ist mehr als zehn Jahre alt und eine der komplexesten im ganzen Stadtgebiet mit 41 Signalgruppen - das sind diese Kästen mit roten und grünen beziehungsweise roten, gelben und grünen Lichtern, diversen Detektoren, Blindensignalisierung und ÖPNV-Beschleunigung. „So etwas liegt dann leider auch nicht einfach beim Hersteller im Regal, sondern ist damals eine Sonderanfertigung gewesen“, berichtet Bolle. Und daher schwer zu bekommen.

Mäuse beschädigen Ampel am Anlagenring - Polizisten regeln Verkehr an Frankfurter Kreuzung

Als wichtigste Maßnahme sei zunächst einmal die städtische Verkehrspolizei informiert worden. Diese regelt seitdem unter der Woche während der Hauptverkehrszeiten bis etwa 20 Uhr den Verkehr. Weil es sich um eine sehr große und wichtige Kreuzung mit sehr viel Verkehr in Frankfurt handele, seien die Verkehrspolizisten ausnahmsweise auch am Samstag bis 17 Uhr im Einsatz gewesen. Außerhalb der Regelungszeichen haben Verkehrsteilnehmer den vorhandenen Verkehrszeichen Folge zu leisten - Autofahrer, die auf dem Alleenring unterwegs sind, haben immer Vorfahrt.

Am 1. Dezember sind die benötigten Ersatzteile eingetroffen, um die Ampelanlage reparieren zu können. Techniker der Herstellerfirma haben laut Bolle an nächsten Tag damit begonnen, die gesamte Elektronik auszubauen. Alle Komponenten der Steuerungselektronik sowie die komplette Elektrik und Verkabelung wurden entfernt, allein 35 Signalkabel mit zusammen rund 840 einzelnen Leitungsadern. Gestern wurde dann alles neu montiert und neu verkabelt. Heute soll der Verkehr nun wieder elektronisch geregelt werden.

Die städtischen Verkehrspolizisten haben sicher nichts dagegen. Ihr Job an einer der größten Kreuzungen in der Stadt ist anstrengend und erfordert höchste Konzentration. Deshalb wird möglichst nach 20 Minuten eine Pause gemacht. (Matthias Bittner)

An einer anderen Stelle in Frankfurt hat die Stadt nun angekündigt, den Autoverkehr aus freien Stücken lahmzulegen. Auch 2023 wird der Mainkai im Sommer wieder für mehrere Wochen gesperrt.

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