Kein Eintritt ohne bestandene Aufnahmeprüfung

Frankfurt (lhe). Sie machen aus einem Schuh eine Cola-Dose, lassen aus einer Zitrone einen Wellensittich flattern oder verwandeln einen Zehn- in einen 100-Euro-Geldschein. Natürlich passiert das alles nur scheinbar - doch wie der Schein funktioniert, verraten die Zauberer nicht.

Frankfurt (lhe). Sie machen aus einem Schuh eine Cola-Dose, lassen aus einer Zitrone einen Wellensittich flattern oder verwandeln einen Zehn- in einen 100-Euro-Geldschein. Natürlich passiert das alles nur scheinbar - doch wie der Schein funktioniert, verraten die Zauberer nicht. "Die Tricks sagen wir nur untereinander weiter", erzählt Manfred Geiss vom Magischen Zirkel Deutschland. Über 3000 Zauberer gehören dazu, damit gehört der Zirkel nach eigenen Angaben zu den größten Zaubervereinigungen der Welt.

Dreh- und Angelpunkt des fast 100 Jahre alten Magischen Zirkels ist ein chaotisches Büro im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Mainmetropole. Dort arbeitet Geiss - natürlich auch ein Zauberer - in der Geschäftsstelle der Vereinigung und beschäftigt sich mit wenig Zauberhaftem: zum Beispiel mit Mahnungen von Mitgliederbeiträgen, der Organisation des Treffs des Ortsverbandes und den Versand des zirkeleigenen Monatsmagazins "Magie". In vielen dieser Magazine werden Zaubertricks verraten. Bevor Geiss ein Exemplar von "Magie" in die Hand eines Nicht-Zauberers gibt, blättert er es deshalb erst sorgsam durch. "Das können Sie haben, hier stehen keine Tricks drin", sagt er dann.

An der Wand in seinem Büro hängen etliche Plakate von Zauberkünstlern, gleich mehrere zeigen die berühmtesten Mitglieder des Magischen Zirkels: Siegfried & Roy. Der prominenteste Zauberer des Frankfurter Ortsvereins ist auf der "Magie"-Ausgabe vom September zu sehen. Er heißt Nicolai Friedrich, kommt aus Karben und wohnt derzeit in Friedrichsdorf. Vergangenes Jahr gewann er die Weltmeisterschaft in der Disziplin "Mentalmagie", vor zwei Jahren wurde er in der Fernsehsendung "The next Uri Geller" Dritter. Der charmante 32-Jährige, der auch schon mal an David Copperfield einen Trick verkauft hat, ist ein moderner Zauberer: Er braucht nicht viel Equipment und kommt meist leger gekleidet auf die Bühne.

"Früher trug ein Zauberer Frack mit Hut und hatte zu Hause eine ganze Kammer voll Requisiten. Das hat sich geändert, die Zauberei ist viel moderner geworden", meint der 51-jährige Geiss. Doch trotz Uri Geller und Harry Potter: Der große Boom ist beim Magischen Zirkel in diesem Jahrtausend noch ausgeblieben. Die Mitgliederzahlen steigen zwar kontinuierlich, aber sehr langsam. Der letzte Boom ist über 15 Jahre her, damals war David Copperfield der Auslöser dafür.

Mitglieder sind zwischen zwölf und 96 Jahren

Die Mitglieder beim Magischen Zirkel sind zwischen zwölf und 96 Jahre alt, meist Männer. "Das hat sich eben so entwickelt", sagt Geiss. Frauen auf einer Zaubererbühne durften sich über Jahrhunderte hinweg bestenfalls zersägen lassen. Erst seit einigen Jahren werden auch Zauberinnen zunehmend aktiv. Doch egal, ob Mann oder Frau: Wer zum Magischen Zirkel gehören will, muss erst eine Aufnahmeprüfung bestehen. Dazu muss er etwa 15 Minuten lang zaubern und in einer Theorieprüfung Fragen wie "Was ist das älteste Zauberbuch der Welt?" (Antwort: "The Discoverie of Witchcraft") oder: "In welchen Bereichen sollte sich ein Zauberer weiterbilden?" ("Rhetorik, Psychologie, Schauspiel") beantworten. Doch bei manchen nutzt das Zaubern nichts: "Ab und zu fällt auch mal einer durch", sagt Geiss. Sabine Maurer, dpa

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