Islands Vulkanasche: Eine Bilanz des Fluglärmdienstes

Frankfurt (cf). Wie laut Vogelgezwitscher, Bienensummen und das Brummen von Hummeln sein kann, haben die Menschen rund um den Rhein-Main-Flughafen erst vor kurzem wieder entdeckt.

Zu verdanken haben sie diese fast schon verloren gegangene Erfahrung von Ruhe der Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull. Sie legte den Luftverkehr über halb Europa lahm. Den Anwohnern in den am stärksten vom Fluglärm betroffenen Gebieten bescherte die von Naturgewalten erzwungene Ruhe ein fast normales Leben. Sie konnten auf ihrem Balkon oder im Garten sitzen, Vögel und Insekten lauschen und bei offenem Fenster schlafen. Denn es gab keine über ihre Grundstücke und Häuser hinwegdonnernden Flugzeuge. Auf dem Rhein-Main-Flughafen fanden nur vereinzelte Flugbewegungen statt.

Dem Vorsitzenden des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD), Horst Weise, und Dr. Dr. Rainer Rahn, Vorsitzender der Fraktion der Flughafenausbaugegner (FAG), bescherte die Aschewolke eine einmalige Gelegenheit: Sie konnten an den fast vier flugfreien Tagen vom 17. bis 20. April eine Fluglärmmessung ohne Fluglärm durchführen. Ermittelt wurde der prozentuale Anteil des Fluglärms am Gesamtlärm. Erhoben wurden die Daten an 17 kalibrierten Messstationen in einem 50 mal 30 Kilometer großen Gebiet. Die Daten von den breit gestreuten Messstationen erlauben eine möglichst repräsentative Aussage, wie die akustische Situation ohne Fluglärm ist.

Verglichen wurden nur gleiche Wochentage bei gleicher Betriebsrichtung. »Dem Vulkan sei Dank, wir können zum ersten Mal gesicherte Daten vorlegen, die den Anteil des Fluglärms am Lärmaufkommen eindeutig belegen«, sagte Weise. Die DFLD hatte zusammen mit der FAG-Fraktion im Römer zur Pressekonferenz eingeladen. Die Auswertung der Daten überraschte den Diplom-Informatiker Weise ebenso wie den Mediziner Rahn. »Wir sind angetreten mit dem Ziel, Fluglärm zu messen und Transparenz in die Faktenlage rund um den Fluglärm zu bringen«, sagte Rahn.

Lärm wird nach dem Bundesimmisionsschutzgesetz als »Geräusch, welches die Allgemeinheit oder Nachbarn gefährdet, erheblich benachteiligt oder belästigt« definiert. »Das Ergebnis lautet: Der gemittelte Fluglärmanteil über alle 17 Stationen beträgt mehr als 80 Prozent des Gesamtlärms. An elf von 17 Stationen wird an mindestens einem Tag sogar die 90-Prozent-Marke überschritten. Selbst wenn man konservativste Annahmen gelten lässt, gilt immer noch, dass das für die betroffene Bevölkerung subjektiv als ein mindestens 50-Prozent-Anteil wahrgenommen wird«, teilte Weise mit.

»Fraport soll ihre Fluglärmdaten offenlegen«

»Während die durch den DFLD erhobenen Daten im Internet frei zugänglich sind, werden die durch den Flughafenbetreiber Fraport AG ermittelten Daten nicht veröffentlicht, sondern unter Verschluss gehalten. Das darf die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung nicht akzeptieren«, sagte Rahn. Der Flughafenbetreiber Fraport solle seine Fluglärmmessdaten der flugfreien Zeit sowie entsprechender Referenzzeiträume mit regulärem Flugbetrieb zur wissenschaftlichen Auswertung freigeben. Die Auswertung könne durch eine neutrale Institution wie eine Universität oder das Umweltbundesamt vorgenommen werden. »Eine wissenschaftliche Auswertung der Daten ist insbesondere im Hinblick auf die tatsächlich durch den Flugbetrieb verursachte Belastung und eine Abschätzung der möglichen gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung wichtig«, sagte Rahn. Ein Erkrankungsrisiko (Herz-Kreislauf-System, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Brustkrebs) der Bürger könne erst errechnet werden, wenn der Fluglärm einer Messstation zugeordnet werden kann. Dann könnten Aussagen darüber gemacht werden, welcher Lärmpegel, welchem Gesundheitsrisiko zugerechnet werden muss.

Lässt sich das individuelle und kollektive Erkrankungsrisiko dem Lärmpegel zuordnen, können die durch den Lärm verursachten Kosten beziffert und in einer Gesundheitsuntersuchung verwendet werden.

Kommunen geben Studie in Auftrag

Nach Schätzungen von Professor Dr. Eberhard Greiser, Autor der beiden Studien »Lärm macht krank«, reagieren im Rhein-Main-Gebiet zwei Millionen Menschen mit Stresshormonen auf den Dauerschallpegel des Fluglärms. Auf Antrag der FAG-Fraktion im Römer beschlossen die Stadtverordneten am 25. Februar dieses Jahres, zusammen mit anderen Kommunen eine Fluglärmstudie für das Rhein-Main-Gebiet und im Umfeld des Flughafens in Auftrag zu geben. Dies geschieht vor dem Hintergrund der geplanten Flughafenerweiterung sowie der Zulassung von Nachtflügen nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn.

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