Hochkarätiges auf dem Hochseil

Frankfurt (skh). Seit fünf Generationen oder fast 150 Jahren steht die usbekische Familie Tashkenbaev auf dem Hochseil. Derzeit ist die renommierte Truppe mit dem Zirkus Barelli auf Deutschlandtour.

Noch bis zum 24. März gastiert der zweitgrößte deutsche Zirkus im Europaviertel neben der Messe. Während Timmy Barelli das Publikum mit Clownerien unterhält, richten Sascha und Rustam ihre Arbeitsgeräte in schwindelnder Höhe her. Mehr als fünf Meter über dem Manegenboden kann jeder kleine Patzer, jede winzige Unachtsamkeit zum Verhängnis werden. Nicht nur die eigene Sicherheit haben die beiden Hochseilartisten zu verantworten, sondern auch die ihrer Partnerinnen Djarita und Alexandrija.

Neben dem Hochseil halten auch familiäre Bande die Tashkenbaevs zusammen. Während die 40-jährige Djarita und ihr sieben Jahre jüngerer Bruder Rustam an die Hochseiltradition ihrer Familie anknüpfen, brachte Sascha die Liebe aufs schwingende Drahtseil. Als Verkäuferin und Fahrer hatten seine Eltern stets festen Boden unter den Füßen, doch Sascha zog es bereits als Kind zur Akrobatik und Jonglage. Diese betrieb er erfolgreich als Leistungssport, bis er als 25-Jähriger Djarita kennenlernte. "Nach fünf Monaten hartem Training durch meinen Schwiegervater" zeigte Sascha seine erste Nummer. Dies liegt nun 15 Jahre zurück. Inzwischen geht allabendlich bereits die nächste Generation mit aufs Hochseil.

Wenn seine Tochter, die 14–jährige Alexandrija, mit ihrem Einrad über das Hochseil gleitet, herrscht atemberaubte Spannung auf den fast 3000 Zuschauerplätzen. Als Siebenjährige hatte Alexandrija ihren ersten Kurzauftritt, und nachdem sie vor vier Jahren als Krankheitsvertretung einsprang, hat sie ihren festen Platz in der Truppe. Ihre Zwillingsschwester Katja lebt ihr artistisches Können jedoch lieber auf festem Boden mit Hula-Hoop-Kunststücken aus. "Wir trainieren täglich", sagt Djarita. In der Winterkälte seien Übungen in der Manege oder dem ein Meter hohen Übungsseil oft nicht möglich. An solchen Tagen stehen Jogging für Fitness, Hanteltraining für Muskelkraft und Dehnübungen für elastische Bewegungsabläufe auf dem Tagesplan. Zudem besuchen die beiden Mädchen die Schule im jeweiligen Gastspielort und pauken in der sechsten Klasse fleißig Mathe und Physik. Seit zehn Jahren arbeiten die Tashkenbaevs in Deutschland, etwa im "Circus Fliegenpilz" oder im Weihnachtsprogramm beim "Circus Flic Flac" im Europapark Rust. Hinzu kommen Gastspiele in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und den ehemaligen Sowjetstaaten. 2006 konnten sich die Tashkenbaevs beim Dresdener Varieté- und Zirkusfestival gegen eine internationale Konkurrenz behaupten und die begehrte Siegtrophäe "Rathausmann" in Gold erringen. Nur wenige Manegen bieten den Tashkenbaevs die Chapiteauhöhe, die sie für ihre Pyramiden und Dreimannhochs benötigen. Eine davon hat der Zirkus Barelli, mit dem die Hochseiltruppe bereits im zweiten Jahr auf Tour ist. "Natürlich hat man Angst", sagt Sascha, doch die schärfe die Aufmerksamkeit. "Aber wenn wir oben sind, ist sie vergessen", genau wie kleine Reibereien, die aufkommen, wenn man eng miteinander in einem Wohnwagen lebt.

Während der Vorstellung lassen die Zirkusprofis ihre Tricks leicht und geschmeidig erscheinen. Oft stecken viele Monate Proben in einer Hebung, einem Sprung oder Spagat. Es müsse sowohl auf den eigenen Körper als auch auf das Seil und den Partner geachtet werden, beschreibt Djarita jeden Trick, nicht nur als körperliche, sondern auch geistige Hochleistung. Sicherheit erhalten viele Bewegungen durch die meterlangen Balancierstangen. Fünfeinhalb Meter kann eine solche Stange messen und wird meist in der Mitte getragen. Wenn Rustam den sieben Kilo schweren Stab nach und nach mehr auf eine Seite verlagert, wird es schwerer, mit dem Gleichgewicht und zudem erhöht sich das Gewicht der Stange um ein Vielfaches.

"Ob das wohl gut geht?", mögen viele Besucher denken und bestätigen das Quartett mit viel Beifall als einen der Höhepunkte im Barelli-Programm.

Dieses wurde bis zum 24. März verlängert. Vorstellungen gibt es von Mittwoch bis Samstag um 15 und 20 Uhr, sowie sonntags um 15 und 18 Uhr. Infos unter www.circusbarelli.de.

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